Einer jungen Freundin ins Stammbuch von Friedrich Schiller

Ein blühend Kind, von Grazien und Scherzen
Umhüpft, so Freundin spielt um dich die Welt.
Doch so, wie sie sich mahlt in deinem Herzen,
In deiner Seele schönen Spiegel fällt,
So ist sie nicht. Die stillen Huldigungen,
Die deines Herzens Adel dir errungen,
Die Wunder, die du selbst gethan,
Die Reize, die dein Daseyn ihm gegeben,
Die rechnest du für Reize diesem Leben,
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Für schöne Menschlichkeit uns an.
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Dem holden Zauber nie entweyhter Jugend,
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Dem Talismann der Unschuld und der Tugend,
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Den will ich sehn, der diesem trotzen kann.
 
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Froh taumelst du im süßen Ueberzählen
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Der Blumen, die um deine Pfade blühn,
 
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Der Glücklichen, die du gemacht, der Seelen,
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Die du gewonnen hast, dahin.
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Sey glücklich in dem lieblichen Betruge,
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Nie stürze von des Traumes stolzem Fluge
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Ein trauriges Erwachen dich herab.
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Den Blumen gleich, die deine Beete schmücken,
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So pflanze sie – nur den entfernten Blicken;
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Betrachte sie, doch pflücke sie nicht ab.
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Geschaffen, nur die Augen zu vergnügen,
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Welk werden sie zu deinen Füßen liegen.
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Je näher dir, je näher ihrem Grab!
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (25.9 KB)

Details zum Gedicht „Einer jungen Freundin ins Stammbuch“

Anzahl Strophen
3
Anzahl Verse
26
Anzahl Wörter
173
Entstehungsjahr
1796
Epoche
Sturm & Drang,
Klassik

Gedicht-Analyse

Das Gedicht „Einer jungen Freundin ins Stammbuch“ stammt aus der Feder des Autors bzw. Lyrikers Friedrich Schiller. Schiller wurde im Jahr 1759 in Marbach am Neckar, Württemberg geboren. Das Gedicht ist im Jahr 1796 entstanden. Der Erscheinungsort ist Neustrelitz. Auf Grund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors kann der Text den Epochen Sturm & Drang oder Klassik zugeordnet werden. Schiller ist ein typischer Vertreter der genannten Epochen.

Der Sturm und Drang reicht zeitlich etwa von 1765 bis 1790. Sie ist eine Strömung innerhalb der Aufklärung (1720–1790) und überschneidet sich teilweise mit der Epoche der Empfindsamkeit (1740–1790) und ihren Merkmalen. Häufig wird die Epoche des Sturm und Drang auch als Genieperiode oder Geniezeit bezeichnet. Die Klassik knüpft an die Literaturepoche des Sturm und Drang an. Der Literaturepoche des Sturm und Drang geht die Epoche der Aufklärung voran. Die Ideale und Ziele der Aufklärung wurden verworfen und es begann ein Auflehnen gegen die Prinzipien der Aufklärung und das gesellschaftliche System. Die Schriftsteller der Epoche des Sturm und Drangs waren häufig unter 30 Jahre alt. Um die persönlichen Empfindungen des lyrischen Ichs zum Vorschein zu bringen, wurde im Besonderen darauf geachtet eine geeignete Sprache zu finden und in den Gedichten einzusetzen. Es wurde eine eigene Jugendsprache und Jugendkultur mit kraftvollen Ausdrücken, Ausrufen, Halbsätzen und Wiederholungen geschaffen. Die traditionellen Werke vorangegangener Epochen wurden dennoch geschätzt und dienten weiterhin als Inspiration. Mit dem Hinwenden Goethes und Schillers zur Weimarer Klassik endete der Sturm und Drang.

Die Weimarer Klassik ist eine Epoche der deutschen Literaturgeschichte, die von zwei bedeutenden Dichtern geprägt wurde: Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller. Die Literaturepoche beginnt im Jahr 1786 mit Goethes Italienreise und endet im Jahr 1832 mit Goethes Tod. Es gibt aber auch zeitliche Eingrenzungen, die das gemeinsame Schaffen der beiden befreundeten Dichter Goethe und Schiller von 1794 bis zu Schillers Tod 1805 als Weimarer Klassik zeitlich festlegen. Das Zentrum der Literatur der Weimarer Klassik lag in Weimar. Oft wird die Epoche auch nur als Klassik bezeichnet. Humanität, Güte, Gerechtigkeit, Toleranz, Gewaltlosigkeit und Harmonie sind die essenziellen Themen. Die Weimarer Klassik orientiert sich am antiken Kunstideal. Charakteristisch ist ein hohes Sprachniveau und eine reglementierte Sprache. Diese reglementierte Sprache verdeutlicht im Vergleich zum natürlichen Sprachideal der Literaturepoche des Sturm und Drang mit all seinen Derbheiten den Ausgleich zwischen Gefühl und Vernunft. Die Vertreter der Epoche haben in der Klassik auf Gestaltungs- und Stilmittel aus der Antike zurückgegriffen. Die Hauptvertreter der Klassik sind Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller, Johann Gottfried Herder und Christoph Martin Wieland. Einen künstlerischen Austausch im Sinne einer gemeinsamen Arbeit gab es jedoch nur zwischen Schiller und Goethe.

Das vorliegende Gedicht umfasst 173 Wörter. Es baut sich aus 3 Strophen auf und besteht aus 26 Versen. Weitere bekannte Gedichte des Autors Friedrich Schiller sind „An die Sonne“, „An einen Moralisten“ und „Bacchus im Triller“. Zum Autor des Gedichtes „Einer jungen Freundin ins Stammbuch“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 220 Gedichte vor.

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