Am Himmelstor von Gustav Falke

Ich träumte mich auf einem bangen Weg,
Auf einem hohen, schwindelschmalen Steg,
Der führte mich bis an das Himmelstor.
Da stand ich lange, ohne Mut, davor.
 
Und zitternd griff ich nach dem rostigen Ring,
Das Himmelsglöcklein an zu läuten fing,
Mein Herz erschrak vor seinem hellen Klang,
Ein armer Sünder auf dem letzten Gang.
 
Dann rasselte ein großes Schlüsselbund,
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Ein Knarren, bis der Himmel offen stund,
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Doch hascht ich nur von seiner Herrlichkeit
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Mit scheuem Blinzeln einen Streifen breit,
 
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Ein Wiesengrün und einen Engelsfuß.
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Sankt Peter barg mir jeden weitern Gruß
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Mit breitem Rücken und erschreckte mich
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Mit barscher Frage: »Freund, wer schickte dich?«
 
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Mich schickte keiner. »Und was suchst du hier?«
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Nach Erdennot ein ruhiges Quartier,
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Ein Flügelpaar und himmlisches Gewand,
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Ein Tröpfchen Tau aus Gottes hohler Hand.
 
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»Hast du zu solchen Dingen auch ein Recht,
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Warst du auf Erden ein getreuer Knecht?«
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Ich war Poet. »Und kommst zu Fuß hier an?
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Wo hast du deine Flügel hingetan?«
 
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Ich schämte mich, weil sie so sehr beschmutzt,
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Und ihre schönsten Federn arg gestutzt,
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Weil durch das Fliegen nach dem Flitterkranz
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Des Menschenruhmes dunkel ward ihr Glanz.
 
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»Und deinen Kranz?« Ich hab ihn abgelegt,
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Daß man mit andern ihn zum Kehricht fegt,
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Und komm nun nackt und ohne Glorienschein.
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Da sprach der Pförtner gütig: »Komm, tritt ein.«

Details zum Gedicht „Am Himmelstor“

Autor
Gustav Falke
Anzahl Strophen
8
Anzahl Verse
32
Anzahl Wörter
216
Entstehungsjahr
1853 - 1916
Epoche
Realismus,
Naturalismus,
Moderne

Gedicht-Analyse

Gustav Falke ist der Autor des Gedichtes „Am Himmelstor“. Der Autor Gustav Falke wurde 1853 in Lübeck geboren. Das Gedicht ist in der Zeit von 1869 bis 1916 entstanden. Die Entstehungszeit des Gedichtes bzw. die Lebensdaten des Autoren lassen eine Zuordnung zu den Epochen Realismus, Naturalismus, Moderne, Expressionismus oder Avantgarde / Dadaismus zu. Bei Verwendung der Angaben zur Epoche, prüfe bitte die Richtigkeit der Zurodnung. Die Auswahl der Epochen ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen und muss daher nicht unbedingt richtig sein. Das vorliegende Gedicht umfasst 216 Wörter. Es baut sich aus 8 Strophen auf und besteht aus 32 Versen. Die Gedichte „Die Schnitterin“, „Winter“ und „Närrische Träume“ sind weitere Werke des Autoren Gustav Falke. Zum Autoren des Gedichtes „Am Himmelstor“ haben wir auf abi-pur.de weitere 191 Gedichte veröffentlicht.

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