Die weiße Blume von Heinrich Heine

In Vaters Garten heimlich steht
Ein Blümchen traurig und bleich;
Der Winter zieht fort, der Frühling weht,
Bleich Blümchen bleibt immer so bleich.
Die bleiche Blume schaut
Wie eine kranke Braut.
 
Zu mir bleich Blümchen leise spricht:
Lieb Brüderchen, pflücke mich!
Zu Blümchen sprech ich: Das thu’ ich nicht,
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Ich pflücke nimmermehr dich;
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Ich such’ mit Müh und Noth
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Die Blume purpurroth.
 
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Bleich Blümchen spricht: Such’ hin, such’ her,
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Bis an deinen kühlen Tod,
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Du suchst umsonst, find’st nimmermehr
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Die Blume purpurroth;
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Mich aber pflücken thu’,
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Ich bin so krank wie du.
 
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So lispelt bleich Blümchen, und bittet sehr, –
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Da zag’ ich, und pflück’ ich es schnell.
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Und plötzlich blutet mein Herze nicht mehr,
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Mein inneres Auge wird hell.
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In meine wunde Brust
24 
Kommt stille Engellust.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (24.6 KB)

Details zum Gedicht „Die weiße Blume“

Anzahl Strophen
4
Anzahl Verse
24
Anzahl Wörter
127
Entstehungsjahr
1816
Epoche
Junges Deutschland & Vormärz

Gedicht-Analyse

Das vorliegende Gedicht heißt „Die weiße Blume“ und wurde von dem deutschen Dichter Heinrich Heine verfasst, der von 1797 bis 1856 lebte. Der erste Eindruck ist, dass das Gedicht vom ständigen Suchen und Finden, von Liebe, Tod und der Konfrontation mit Krankheit und Leid handelt und sich eine melancholische, aber auch hoffnungsvolle Stimmung abzeichnet.

In einfachen Worten interpretiert, erzählt das Gedicht von einer weißen, blassen Blume, die allein in einem Garten steht und krank und traurig aussieht. Der Frühling kommt, aber die Blume bleibt blass. Die Blume bittet das lyrische Ich, sie zu pflücken, doch dieses lehnt dies ab, weil es eine rote Blume sucht. Die weiße Blume antwortet, dass das lyrische Ich die rote Blume nie finden wird und bittet erneut, sie zu pflücken, da sie genauso krank ist wie das lyrische Ich. Schließlich gibt das lyrische Ich nach, pflückt die Blume und seine Schmerzen werden weniger, sein Herz heilt, es erfährt eine Art von Erleichterung oder „Engellust“, die mit einem Gefühl von Frieden und Stille verbunden ist.

In diesem Gedicht scheint das lyrische Ich durch eine innere Suche gekennzeichnet zu sein, konfrontiert mit Krankheit und Leid, die durch die bleiche Blume dargestellt werden. Es lehnt zunächst ab, sich dieser Konfrontation zu stellen (symbolisiert durch das Nicht-Pflücken der Blume), aber durch das Pflücken der Blume, das Akzeptieren und Konfrontieren des Leidens, erfährt es eine Art von Heilung und Frieden.

Das Gedicht folgt in seiner Form einem gleichmäßigen Muster von vier Strophen mit jeweils sechs Versen. Obwohl das Reimschema nicht durchgehend identisch ist, gibt es eine konstante Jambenstruktur, die eine Art Rhythmus und Melodie beibehält. Die Sprache ist durchweg bildhaft und metaphorisch, was zur poetischen Wirkung des Gedichts beiträgt. Die wiederholte Erwähnung der Farbe der Blume (bleich/weiß und purpurrot) suggeriert verschiedene Emotionen und Zustände, während die Konfrontation mit dem Licht und dem Dunklen, dem Leben und dem Tod, ebenfalls ein starkes Thema ist. Der stille, leise Ton des Gedichts lässt einen nachdenklichen und introspektiven Charakter vermuten.

Weitere Informationen

Das Gedicht „Die weiße Blume“ stammt aus der Feder des Autors bzw. Lyrikers Heinrich Heine. Im Jahr 1797 wurde Heine in Düsseldorf geboren. Entstanden ist das Gedicht im Jahr 1816. Erscheinungsort des Textes ist Berlin. Eine Zuordnung des Gedichtes zur Epoche Junges Deutschland & Vormärz kann aufgrund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors vorgenommen werden. Bei Heine handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epoche. Das Gedicht besteht aus 24 Versen mit insgesamt 4 Strophen und umfasst dabei 127 Worte. Der Dichter Heinrich Heine ist auch der Autor für Gedichte wie „Almansor“, „Als ich, auf der Reise, zufällig“ und „Alte Rose“. Zum Autor des Gedichtes „Die weiße Blume“ haben wir auf abi-pur.de weitere 535 Gedichte veröffentlicht.

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