Die Wiese von Johann Peter Hebel

Wo der Dengle-Geist in mitternächtige Stunde
Uffeme silberne Gschirr si goldeni Sägese denglet,
(Todtnau’s Chnabe wüsse’s wohl) am waldige Feldberg,
Wo mit liebligem Gsicht us tief verborgene Chlüfte
d’Wiese luegt, und check go Todtnau aben ins Thal springt,
schwebt mi muntere Blick, und schwebe mini Gidanke.
 
Feldbergs liebligi Tochter, o Wiese, bis mer Gottwilche!
Los, i will di iez mit mine Liederen ehre,
und mit Gsang bigleiten uf dine freudige Wege!
 
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Im verschwiegene Schoos der Felse heimli gibohre,
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an de Wulke gsäugt, mit Duft und himmlischem Rege,
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schlofsch e Bütscheli-Chind in di’m verborgene Stübli
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heimli, wohlverwahrt. No nie hen menschligi Auge
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güggele dörfen und seh, wie schön mi Meiddeli do lit
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im christalene G’halt und in der silberne Wagle,
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und ’s het no kei menschlich Ohr si Othmen erlustert,
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oder si Stimmli ghört, si heimli Lächlen und Briegge.
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Numme stilli Geister, si göhn uf verborgene Pfade
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us und i, si ziehn di uf, und lehre di laufe,
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gen der e freudige Sinn, und zeige der nützligi Sache,
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und ’s isch au kei Wort verlohre, was sie der sage.
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Denn so bald de chaschst uf eigene Füeßlene furtcho,
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Schliefsch mit stillem Tritt us di’m christalene Stübli
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barfis usen, und luegsch mit stillem Lächlen an Himmel.
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O, wie bisch so nett, wie hesch so heiteri Aeugli!
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Gell, do ussen ischs hübsch, und gell, so hesch ders nit vorgstellt?
 
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Hörsch, wie’s Läubli ruuscht, und hörsch, wie d’Vögeli pfife?
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Io, de seisch: „I hörs, doch gangi witers und blib nit.
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„Freudig isch mi Weg, und alliwil schöner, wi witer!“
 
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Nei so lueg me doch, wie cha mi Meiddeli springe!
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„Chunnsch mi über,“ seits und lacht, „und witt mi, se hol mi!“
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All’wil en andere Weg, und alliwil anderi Sprüngli!
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Fall mer nit sel Reinli ab! – Do hemmers, i sags io, –
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hani’s denn nit gseit? Doch gauckelet’s witers und witers,
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groblet uf alle Vieren, und stellt si wieder uf d’Beinli,
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schlieft in d’Hürst, – iez such mers eis! – dört güggelets use.
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Wart, i chumm! Druf rüefts mer wieder hinter de Bäume:
 
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„Roth, wo bin i iez!“ – und het sie urige Phatest.
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Aber wie de gohsch, wirsch sichtli größer und schöner.
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Wo di liebligen Othem weiht, se färbt si der Rase
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grüner rechts und links, es stöhn in saftige Triebe
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Gras und Chrüter uf, es stöhn in frischere Gstalte
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farbige Blüemli do, und d’Immli chömmen und suge.
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’s Wasserstelzli chunnt, und lueg doch, ’s Wuli vo Todtnau!
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Alles will di bschauen, und Alles will di bigrüße,
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und die fründlig Herz git alle fründligi Rede:
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„Chömmet ihr ordlige Thierli, do hender, esset und trinket!
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Witers goht mi Weg, Gsegott, ihr ordlige Thierli!“
 
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Rothet iez, ihr Lüt, wo üser Töchterli hi goht!
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Hender gmeint an Tanz, und zue de lustige Buebe?
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z’Uzefeld verbei gohts mit biwegliche Schritte
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zue de schöne Buechen, und hört e heiligi Meß a.
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Guet erzogen ischs, und anderst cha me nit sage.
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No der heilige Meß se seits: „Iez willi mi schicke,
 
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aß i witers chumm.“ – Iez simmer scho vornen an Schönau,
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iez am Chastel verbei, und alliwil witers und witers
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zwische Berge und Berge im chüele duftige Schatte,
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und an mengem Chrütz verbei, an menger Kapelle.
 
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Aber wie de gohsch, würsch alliwil größer und schöner.
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Wo di liebligen Othem weiht, wie färbt si der Rase
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grüener rechts und links, wie stöhn in chräftige Triebe
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neui Chrüter do, wie schießen in prächtige G’stalte
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Bluemen an Bluemen uf, und geli saftigi Wide!
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Vo di’m Othem gwürzt, stöhn rothi Erdberi-Chöpfli
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Millione do, und warten am schattige Thalweg.
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Vo di’m Othem g’nährt, stigt rechts an sunnige Halde
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goldene Lewat uf in Feldere Riemen an Rieme.
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Vo di’m Othem g’chüelt, singt hinter de Hürste verborge
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freudig der Hirte-Bueb, und d’ Holz-Ax tönet im Buechwald.
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’s Mambecher Hätteli chunnt, und wulligi Häli vo Zell her.
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Alles lebt und webt, und tönt in freudige Wiise;
 
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Alles grüent und blüeiht in tusigfältige Farbe;
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Alles isch im Staat, und will mi Meiddeli grüße.
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Doch de bisch ke Meiddeli meh, iez sag i der Meidli.
 
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Aber an der Bruckwoog, nit wit vom steinene Chrützli,
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chresme d’Büebli vo Zell hoch an de felsige Halde,
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suechen Engelsüeß, und luegen aben und stune.
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„Toneli, seit der Sepli, was het echt d’ Wiesen im Chöpfli?
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Lueg doch, wie sie stoht, und wie sie nieder an d’ Stroß sitzt
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mit vertieftem Blick, und wie sie wieder in d’ Höchi
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schießt, und in d’ Matte lauft, und mittere selber im Champf isch!“
 
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Feldbergs Tochter, los, de g’falsch mer numme no halber!
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’s goht mer, wie dem Sepli. Was hesch für Iesten im Chöpfli?
 
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Fehlt der näumis, se schwetz, und hättsch gern näumis, se sag mer’s!
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Aber wer nüt seit, bisch du! Mit schwankige Schritte
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Laufsch mer d’Matten ab in dine tiefe Gidanke
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furt ins Wiesethal, furt gegenem Husemer Bergwerch,
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und schangschiersch der Glauben und wirsch e luthrische Chetzer!
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Hani’s denn nit gseit, und hani mers echter nit vorgstellt?
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Aber jez isch so, was hilft jez balgen und schmähle!
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Aendere chani’s nit, se willi der lieber gar helfe;
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öbbe bringsch mer doch no Freud und heiteri Stunde!
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Halt mer e wenig still, i will di jez lutherisch chleide;
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s’ schickt si nümme barfis z’laufe, wemme so groß isch.
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Do sin wißi Bauwele-Strümpf mit chünstlige Zwickle,
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(leg sie a, wenn d’ chasch!) und Schueh und silberni Rinkli;
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do ne grüene Rock! vom breit verbendlete Liibli
 
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fallt bis zu de Chnödlenen abe Fältli an Fältli.
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Sitzt er recht? Thue d’Häftli i! und nimm do das Brusttuech,
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sammet und roseroth. Jez flichtider chünstligi Zupfe
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us de schöne, sufer g’strehlte, flächsene Hoore.
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Obe vom wiißen Aecken und biegsem in d’Zupfe verschlunge,
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fallt mit beiden Ende ne schwarze sidene Bendel
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bis zum tiefe Rock-Saum abe. – G’fallt der die Chappe,
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wasserblaue Damast und gstickt mit goldene Blueme?
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Zieh der Bendel a, wo in de Ricklene durgoht,
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unter de Zupfe dure, du Dotsch, und über den Ohre
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fürsi mittem Letsch, und abe gegenem Gsicht zue!
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Jez e side Fürtuech her, und endli der Hauptstaat,
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zwenzig Ehle lang und breit e Mailänder Halstuech!
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Wie ne luftig Gwülch am Morgehimmel im Früehlig
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’schwebts der uf der Brust, stigt mittem Othem, und senkt si,
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wahlet der über d’Achsle, und fallt in prächtige Zipfle
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übere Rucken abe, sie ruusche, wenn de’n im Wind gohsch!
 
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Het me’s lang, se loßt me’s henke, hör i mi Lebtig.
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D’Ermel, denk wol, henksch an Arm, wils’ Wetter so schön isch,
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aß me’s Hemd au sieht, und dini gattigen Aermli,
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und der Schie-Huet nimmsch in d’ Hand am sidene Bendel;
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d’Sunne git eim wärmer, und schint eim besser in d’Auge,
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wer en in de Hände trait, und ’s stoht der au hübscher!
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Iez wärsch usstaffiert, as wenn de hofertig stoh wottsch,
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und de g’fallsch mer selber wieder, chani der sage.
 
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Wienes sie iez freut, und wie’s in zimpfere Schritte
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tänzelet, und meint, es seig d’Frau Vögtene selber,
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wie ’s si Chöpfli hebt, und jeden Augeblick z’ruck schielt,
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öb me’s echt au bschaut, und öb men em ordeli noluegt!
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Io, de bisch io hübsch, und io du Närrli, mer luege,
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Du Marggröver-Meidli, mit diner goldige Chappe),
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mit de lange Zupfen und mit der längere Hoorschnuer,
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mittem vierfach z’semmegsetzte flattrige Halstuech!
 
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Aber rothet iez, wo ’s hofertig Jümpferli hi goht!
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Denk wol uffe Platz, denk wohl zuer schattige Linde,
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oder in d’Weserei, und zue de Husemer Chnabe?
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Hender gmeint? io wol! Am Bergwerch visperlets abe,
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lengt e wenig duren, und trüllt e wengeli d’Räder,
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was der Blos-Balg schnufe mag, aß d’ Füürer nit usgöhn.
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Aber ’s isch si Blibes nit. In d’ Husemer Matte
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schießt’s, und über d’Legi ab mit große Schritte go Farnau,
139 
laufsch mer nit, se gilts mer nit, dur ’s Schopfemer Chilspel.
 
140 
Aber z’Gündehuse, wer stoht echt an der Stroße,
141 
wartet, bis de chunnsch, und goht mit freudige Schritte
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uf di dar, und git der d’ Hand, und fallt der an Buese?
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Chennsch di Schwesterli nit? ’s chunnt hinte füre vo Wisleth.
 
144 
Uf und nieder hets di Gang und dini Gebehrde.
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Io de chennschs, worum denn nit? Mit freudigem Brusche
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Nimmschs in d’Arm, und losch’s nit goh, gib achtig, verdrucks nit!
147 
Iez gohts wieder witers, und alliwil aben und abe!
148 
Siehsch dört vorne ’s Röttler Schloß – verfalleni Mure?
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In vertäfelte Stube, mit goldene Liiste verbendlet,
150 
hen sust Fürste gwohnt, und schöni fürstligi Fraue,
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Heren und Here-Gsind, und d’Freud isch z’ Röttle deheim gsi.
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Aber iez isch Alles still. Undenklichi Zite
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brenne keini Liechter in sine verrißene Stube,
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flackeret kei Füür uf siner versunkene Füürstet;
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goht kei Chrueg in Cheller, kei Züber aben an Brunne.
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Wildi Tube niste dört uf mosige Bäume.
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Lueg, dört ehnen isch Mulberg, und do im Schatte verborge
158 
’s Föhris Hüsli, und am Berg dört d’ Höllstemer Chilche.
159 
Steine lömmer liegen, und fahre duren in d’Matte,
160 
guete Weg isch au nit um, und weidli chasch laufe.
 
161 
Wenn ’s nit nidsi gieng, i weiß nit, öbbi der nochäm.
162 
Unter Steine chunnsch mit dine biwegliche Schritte
163 
wieder über d’Stroß. Iez wandle mer füren ins Rebland
164 
Neben Hauigen aben und neben an Hagen und Röttle.
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Lueg mer e wenig ufe, wer stoht dört oben am Fenster
166 
in si’m neue Chäppli, mit sine fründligen Auge?
167 
Neig di fin, zeig wie, und sag: „Gott grüßich, Her Pfarer!“
168 
Iez gohts Thuemrige zu, iez witer in d’Lörecher Matte.
169 
Siehsch das ordelig Städtli mit sine Fenstern und Gieble,
170 
und die Basler Here dört uf der staubige Stroße,
171 
wie sie riten und fahren? Und siehsch dört ’s Stettener Wirths-Hus!
172 
Worum wirsch so still und magsch nit dure go luege?
173 
Gell, de siehsch sel heilig Chrütz vo witem und trausch nit,
174 
möchtisch lieber z’ruck, as fürsi! Loß der nit gruse!
 
175 
’s währt nit lang, se stöhn mehr frei uf schwitzrischem Bode.
 
176 
Aber wie de gohsch vom Bergwerch abe go Schopfe,
177 
bis an Stetten aben uf diner steinige Landstroß,
178 
bald am linke Bord, bald wieder ehnen am rechte
179 
zwischenem Faschinat, wirsch alliwil größer und schöner,
180 
freudiger alliwil, und schaffig, was me cha sage.
181 
Wo di lieblichen Othem weiht, wie färbt si der Rase
182 
grüener rechts und links, wie stöhn mit chräftige Triebe
183 
neui Chrüter uf, wie prangen in höhere Farbe
184 
Bluemen ohni Zahl. De Summer-Vögle thuet d’Wahl weh.
185 
Wechslet nit der Chlee mit goldene Chettene-Blueme,
186 
Frauemänteli, Hasebrödli, würzige Chümmi,
187 
Sunneblueme, Habermark und Dolden und Ruchgras?
188 
Glitzeret nit der Thau uf alle Spitzen und Halme?
 
189 
Wattet nit der Storch uf hohe Stelze derzwische?
190 
Ziehn sie nit vo Berg zue Berg in lange Reviere
191 
feisti Matte Stunde wiit und Tauen an Taue?
192 
Und derzwische stöhn scharmanti Dörfer und Chilchthürn.
193 
’s Brombecher Mummeli chunnt, es chömme Lörecher Rößli,
194 
freße der us der Hand, und springen und tanze vor Freude,
195 
und vo Baum zue Baum, vo Zell bis füre go Rieche
196 
halte d’Vögeli Jude-Schuel, und orglen und pfife.
197 
(D’Brombecher Linde lit, der Sturmwind het si ins Grab gleit.)
198 
Aber rechts und links, wie schwanken an flachere Reine
199 
Rocken und Weizehalm! Wie stöhn an sunnige Halde
200 
Reben an Reben uf! Wie woget uf höchere Berge
201 
rechts und links der Buechwald und dunkleri Eiche!
202 
O ’s isch Alles so schön, und überal anderst und schöner!
203 
Feldbergs Tochter, wo de bisch, isch Nahrig und Lebe!
 
204 
Neben an der ufen und neben an der abe
205 
gigs’t der Wage, d’Geisle chlöpft, und d’Sägese ruschet,
206 
Und de grüeßisch alli Lüt, und schwetzisch mit alle.
207 
Stoht e Mühli näumen, en Oehli oder e Ribi,
208 
Drothzug oder Gerste-Stampfi, Sägen und Schmidte,
209 
lengsch mit biegsemen Arme, mit glenkseme Fingere dure,
210 
hilfsch de Müllere mahlen und hilfsch de Meidlene ribe,
211 
spinnsch mer’s Husemer Ise, wie Hanf in gschmeidigi Fäde.
212 
(Gell, jez schlacht di’s Gwisse wieder wegenem Bosge!)
213 
Eicheni Plütschi versägsch, und wandlet’s Ise vom Füürherd
214 
uffen Ambos, lüpfsch de Schmiede freudig der Hammer,
215 
singsch derzue, und gersch kei Dank, „Gott Grüeßich, Gott bhüetich!“
216 
Und isch näume ne Bleichi, se losch di das au nit verdrieße,
217 
chuuchisch e bizzele duren, und hilfsch der Sunne no bleiche,
218 
aß sie ferig wird, sie isch gar grüselig langsem!
 
219 
Aber solli eis, o Wiese, sage, wie ’s ander,
220 
nu se sey’s bikennt! De hesch au bsunderi Jeste,
221 
’s chlage’s alle Lüt, und sage, es sey der nit z’traue,
222 
und wie schön de seigsch, wie liebli dini Gibehrde,
223 
stand der d’Bosget in den Auge, sage sie alli.
224 
Eb men umluegt, chresmisch näumen über d’Faschine,
225 
oder rupfsch sie us, und bahnsch der bsunderi Fueßweg,
226 
bohlsch de Lüte Stei uf d’Matte, Jaspis und Feldspat.
227 
Hen sie näume gmeiht, und hen sie gwarbet und g’schöchlet,
228 
holsch’s und treischs de Nochbere duren Arfel um Arfel.
229 
’s sagen au e Theil, de seigisch glückli im Finde
230 
uf de Bänke, wo nit g’wüscht sin, aber i glaubs nit.
231 
Mengmol haseliersch, und ’s muß der Alles us Weg goh;
232 
öbbe rennsch e Hüsli nieder, wenns der im Weg stoht.
233 
Wo de gohsch, und wo de stohsch, isch Balgen und Balge.
 
234 
Feldbergs Tochter, los, de bisch an Tuged und Fehler
235 
zitig, chunnts mer halber vor, zum Manne, wie wär’s echt?
 
236 
Zeig, was machsch für Aeugli? Was zupfsch am sidene Bendel?
237 
Stell di nit so närrsch, du Dingli! ’s meint no, me wüß nit,
238 
aß es versprochen isch, und aß sie enander scho bstellt hen?
239 
Meinsch, i chenn di Holderstock, di chräftige Burst nit?
 
240 
Ueber hochi Felsen, und über Stuuden und Hecke
241 
eis Gangs us de Schwitzerberge gumpet er z’Rhinek
242 
aben in Bodesee, und schwimmt bis füre go Chostanz,
243 
seit: „I mueß mi Meidli ha, do hilft nüt, und batt nüt!“
244 
Aber oben an Stei, se stigt er in langseme Schritte
245 
wieder usem See mit sufer gwäschene Füeße,
246 
Tiesehofe gfallt em nit und ’s Chloster dernebe,
247 
furt Schafhuse zu, furt an die zackige Felse.
248 
An de Felse seit er: „Und ’s Meidli mueß mer werde!
249 
„Lib und Lebe wogi dra, und Chretze und Brusttuech,“
 
250 
Seits, und nimt e Sprung. Iez bruttlet er abe go Rhinau;
251 
trümmlig ischs em worde, doch chunnt er witers und witers.
252 
Eglisau und Chayserstuhl und Zurzi und Waldshut
253 
het er scho im Aecke, vo Waldstadt lauft er zu Waldstadt,
254 
iez an Chrenzech aben in schöne breite Reviere,
255 
Basel zu. Dört wird der Hochzit-Zedel geschriebe.
256 
Gell, i weiß es! Bisch im Stand und läugnisch, was wohr isch?
 
257 
Hätti z’rothe gha, ’s wär z’Wil e schickliche Platz gsi;
258 
’s het scho menge Briggem si gattig Brütli go Wil gführt,
259 
usem Züri-Biet, vo Liestel aben und Basel,
260 
und isch iez si Ma, und ’s chocht em d’Suppen und pflegt em
261 
ohni Widerred vo mine gnädige Here.
 
262 
Aber di Vertraue stoht zum Chlei-Hüninger Pfarrer.
263 
Wie de meinsch, se göhn mer denn dur d’Riechemer Matte!
264 
Lueg, isch sel nit d’Chlübi, und chunnt er nit ebe dört abe?
265 
Io er ischs, er ischs, i hörs am freudige Brusche!
266 
Io er ischs, er ischs mit sine blauen Auge,
267 
mit de Schwitzer-Hosen und mit der sammete Chretze,
268 
mit de christalene Chnöpfen am perlefarbige Brusttuch,
269 
mit der breite Brust, und mit de chräftige Stotze,
270 
’s Gotthards große Bueb, doch wie ne Roths-Her vo Basel,
271 
stolz in sine Schritten und schön in sine Gibehrde.
 
272 
O wie chlopft der di Herz, wie lüpft si di flatterig Halstuch,
273 
und wie stigt der d’Röthi iez in die lieblige Backe,
274 
wie am Himmel ’s Morgeroth am duftige Maitag!
275 
Gell, de bischem hold, und gell, de hesch ders nit vorgstellt,
 
276 
und ’s wird der wohr, was im verborgene Stübli
277 
d’Geister gsunge hen, und an der silberne Wagle!
278 
Halt di numme wohl! – I möcht der no allerlei sage,
279 
aber ’s wird der windeweh! Di Kerli, di Kerli!
280 
Förchsch, er lauf der furt, se gang! Mit Thränen im Aeugli
281 
rüefts mer: „Bhüetdi Gott!“ und fallt em freudig an Buese.
282 
Bhüetdi Gott der Her, und folgmer, was i der gseit ha!

Details zum Gedicht „Die Wiese“

Anzahl Strophen
33
Anzahl Verse
282
Anzahl Wörter
2660
Entstehungsjahr
nach 1776
Epoche
Aufklärung,
Empfindsamkeit,
Sturm & Drang

Gedicht-Analyse

Das Gedicht „Die Wiese“ stammt aus der Feder des Autors bzw. Lyrikers Johann Peter Hebel. Hebel wurde im Jahr 1760 in Basel geboren. Die Entstehungszeit des Gedichtes liegt zwischen den Jahren 1776 und 1826. Karlsruhe ist der Erscheinungsort des Textes. Eine Zuordnung des Gedichtes zu den Epochen Aufklärung, Empfindsamkeit, Sturm & Drang, Klassik, Romantik, Biedermeier oder Junges Deutschland & Vormärz kann auf Grund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors vorgenommen werden. Prüfe bitte vor Verwendung die Angaben zur Epoche auf Richtigkeit. Die Zuordnung der Epochen ist auf zeitlicher Ebene geschehen. Da sich Literaturepochen zeitlich überschneiden, ist eine reine zeitliche Zuordnung häufig mit Fehlern behaftet. Das Gedicht besteht aus 282 Versen mit insgesamt 33 Strophen und umfasst dabei 2660 Worte. Der Dichter Johann Peter Hebel ist auch der Autor für Gedichte wie „Das Liedlein vom Kirschbaum“, „Der Bettler“ und „Der Karfunkel“. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Die Wiese“ weitere 60 Gedichte vor.

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