Die Riesenhöhle bei Balve von Heinrich Kämpchen

Die Sonne sank – im Abendstrahl
Stieg ich zu Balves Felsensaal,
Der wie ein Dom vor mir gebreitet,
Sich übermächtig dehnt und weitet,
Und mit den Wänden zackigrauh
Aufstrebt wie ein Gigantenbau. –
 
Ich stieg hinan und trat hinein –
Die Sonne gab noch glühen Schein
Dem Felspalaste am Portale,
10 
Indeß im Hintergrund vom Saale,
11 
Wohin mein Fuß jetzt langsam ging,
12 
Die Nacht schon ihren Mantel hing. –
 
13 
Verödet lag der weite Raum,
14 
Ich sah die letzten Enden kaum
15 
Vor mir im grauen Dämmerlichte,
16 
Und dann – gespenstiges Gesichte –
17 
Gewannen plötzlich Leben hier
18 
Die Vorwelt-Hünen – Mensch wie Tier. –
 
19 
Ich sah Gestalten aufersteh’n,
20 
Wie sie die Erde einst geseh’n,
21 
Und wie sie Träume nur bescheren,
22 
Das Mammut und den Höhlenbären,
23 
Und wie der Mensch mit ihnen rang,
24 
Der Steinzeit, und die Keule schwang. –
 
25 
Ein Kampf so wüst und ungeschlacht’,
26 
Daß Phantasie ihn kaum erdacht,
27 
Und der doch wirklich hat bestanden,
28 
Weil sich Beweise dafür fanden
29 
Aus jenen Zeiten, wild und rauh,
30 
Auch hier in Balves Riesenbau. –
 
31 
Wie oft mag hier der Grund gedröhnt,
32 
Wie oft geröchelt und gestöhnt
33 
Der Kämpfer haben im Turneie –
34 
Wie oft der Fels vom Todesschreie
35 
Geklungen in der grausen Schlacht,
36 
Wenn Mut erlag der Uebermacht?
 
37 
So woben ihren Schleier dicht
38 
Ein Höhenspuk, ein Traumgesicht,
39 
Um mich mit immer fester’n Ringen –
40 
Da schlug von außen helles Singen,
41 
Den Spuk entzaubernd, an mein Ohr –
42 
Es war mein Freund am Felsentor. –
 
43 
Nun zogen beide wir gemach
44 
Im Grünen, unter’m Tannendach,
45 
Zum Hönnetal des Weges weiter.
46 
Mein Freund, der stets fidel und heiter,
47 
Sang Lieder durch den Waldesraum –
48 
Ich dachte an den Höhlentraum. –
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (27.3 KB)

Details zum Gedicht „Die Riesenhöhle bei Balve“

Anzahl Strophen
8
Anzahl Verse
48
Anzahl Wörter
261
Entstehungsjahr
1909
Epoche
Moderne

Gedicht-Analyse

Der Autor des Gedichtes „Die Riesenhöhle bei Balve“ ist Heinrich Kämpchen. Der Autor Heinrich Kämpchen wurde 1847 in Altendorf an der Ruhr geboren. Entstanden ist das Gedicht im Jahr 1909. Bochum ist der Erscheinungsort des Textes. Von der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her lässt sich das Gedicht der Epoche Moderne zuordnen. Vor Verwendung der Angaben zur Epoche, prüfe bitte die Richtigkeit. Die Zuordnung der Epoche ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen und daher anfällig für Fehler. Das Gedicht besteht aus 48 Versen mit insgesamt 8 Strophen und umfasst dabei 261 Worte. Der Dichter Heinrich Kämpchen ist auch der Autor für Gedichte wie „Abend am Rhein“, „Abendläuten“ und „Altendorf“. Zum Autor des Gedichtes „Die Riesenhöhle bei Balve“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 165 Gedichte vor.

+ Wie analysiere ich ein Gedicht?

Daten werden aufbereitet

Weitere Gedichte des Autors Heinrich Kämpchen (Infos zum Autor)

Zum Autor Heinrich Kämpchen sind auf abi-pur.de 165 Dokumente veröffentlicht. Alle Gedichte finden sich auf der Übersichtsseite des Autors.