Die Mutter an ihren Erstgebornen von Susanne von Bandemer

Kämpfend zwischen Tod und Leben,
Hoch durchglüht von Zärtlichkeit,
Fühlt’ ich nie das Wonnebeben
Einer Mutter, so wie heut.
 
Als ich nach der Jammerstunde,
Holder Säugling, dich erblickt;
Als der Schrey aus deinem Munde
Mich zur Himmelslust entzückt:
 
O, da dacht’ ich nicht der Schmerzen,
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Nicht der Wöchnerinn Gefahr:
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Nur mit Liebetrunk’nem Herzen
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Küßt’ ich den, den ich gebar,
 
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Küßt’ ich dich, du Pfand der Treue!
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Von dem heiß geliebten Mann,
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Den ich jetzt durch dich aufs Neue
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Mehr als jemahls liebgewann.
 
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Kleine, süße, theure Bürde! —
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Ach, dem Glücke kommt nichts gleich
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Das ich fühle — Mutterwürde,
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Durch dich bin ich groß und reich!
 
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Segen ström’ auf dich hernieder,
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Den Gott seinem Liebling giebt.
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Werde, wie dein Vater, bieder,
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Und von aller Welt geliebt.
 
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Und dein Engel wache, leite
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Freundlich dich an seiner Hand,
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Daß dein Fuß nie strauchelnd gleite
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An des Abgrunds Blumenrand.
 
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O, du lächelst! und ich fühle
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Mich, als Seligste der Welt!
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Jeder Wunsch ist jetzt am Ziele,
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Weil mein Arm dich, Engel! hält.
 
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Komm’ und trink’ an meinem Herzen
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Neues Leben, neue Lust,
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Holder Lohn der süß’sten Schmerzen!
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Ruh’ an deiner Mutter Brust.
 
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Voll von freudigem Entzücken
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Sieht dein Vater stumm herab.
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Dank spricht mir aus seinen Blicken
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Für den Sohn, den ich ihm gab.
 
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Schlummre jetzt, du süßer Knabe!
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Sanft, auf meinem weichen Schoos.
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O, für eines Kaisers Habe,
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Tauscht’ ich nicht dieß schöne Loos.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (27.1 KB)

Details zum Gedicht „Die Mutter an ihren Erstgebornen“

Anzahl Strophen
11
Anzahl Verse
44
Anzahl Wörter
231
Entstehungsjahr
1802
Epoche
Klassik,
Romantik

Gedicht-Analyse

Die Autorin des Gedichtes „Die Mutter an ihren Erstgebornen“ ist Susanne von Bandemer. Die Autorin Susanne von Bandemer wurde 1751 in Berlin geboren. Das Gedicht ist im Jahr 1802 entstanden. In Berlin ist der Text erschienen. Von der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten der Autorin her lässt sich das Gedicht den Epochen Klassik oder Romantik zuordnen. Bitte überprüfe unbedingt die Richtigkeit der Angaben zur Epoche bei Verwendung. Die Zuordnung der Epochen ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen. Das Gedicht besteht aus 44 Versen mit insgesamt 11 Strophen und umfasst dabei 231 Worte. Susanne von Bandemer ist auch die Autorin für das Gedicht „Abschied an Selmar“, „Am Sarkophage der Frau Anne Luise Karschinn, geborne Dürbach“ und „An * * * bey der Übersendung einer Haarlocke“. Zur Autorin des Gedichtes „Die Mutter an ihren Erstgebornen“ haben wir auf abi-pur.de weitere 86 Gedichte veröffentlicht.

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