Die Hunde von Frank Wedekind

Es waren einmal zwei Hunde,
Wie war das Herz ihnen schwer!
Sie liefen wohl eine Stunde
Hintereinander her.
 
Sie hofften, in liebendem Bunde
Werd’ ihnen leicht und frei,
Und waren doch nur zwei Hunde,
Und keine Hündin dabei.
 
Das ist die soziale Misere,
10 
Die Sphinx in der Hundewelt,
11 
Daß man vom Hundeverkehre
12 
Die Hündinnen ferne hält.
 
13 
Die Hündinnen werden ja häufig
14 
Gleich nach der Geburt ersäuft,
15 
Und wird eine Hündin läufig,
16 
Verhindert man, daß sie läuft.
 
17 
Man läßt sie aus ihrem Kerker
18 
Tag und Nacht nicht heraus;
19 
Knurrend liegt Bella im Erker
20 
Zu Füßen der Tochter vom Haus.
 
21 
Lisettchen starrt in die Zeilen
22 
Und zittert wohl mit den Knien,
23 
Zuckt mit den Lippen bisweilen,
24 
Und Beide denken an ihn.
 
25 
Wallt man im Familienvereine
26 
Sonntags vors Tor hinaus,
27 
Bella geht an der Leine
28 
Zugleich mit der Tochter vom Haus.
 
29 
Hier rücken heran die Studenten,
30 
Dort naht sich Nero galant;
31 
Wie wird von beiden Enden
32 
Die arme Leine gespannt!
 
33 
In einem Rudel Hunde
34 
Kam schließlich man überein,
35 
Es möge nun in der Runde
36 
Jeder mal Hündin sein.
 
37 
Das Auge, angstvoll, trübe,
38 
Schweift ferne zum Horizont,
39 
Als spräch’s: Und das hat der Liebe
40 
Himmlische Macht gekonnt.
 
41 
Der kleine Fritz ging vorüber
42 
Und sagte: Lieber Papa,
43 
Sage mir doch, du Lieber,
44 
Was machen die Hunde da?
 
45 
Papa entgegnet: Das nennt man,
46 
Darf dir nicht sagen wie;
47 
An diesen Greueln erkennt man
48 
Das lausige Hundevieh.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (27 KB)

Details zum Gedicht „Die Hunde“

Anzahl Strophen
12
Anzahl Verse
48
Anzahl Wörter
231
Entstehungsjahr
1905
Epoche
Moderne

Gedicht-Analyse

Der Autor des Gedichtes „Die Hunde“ ist Frank Wedekind. Der Autor Frank Wedekind wurde 1864 in Hannover geboren. Das Gedicht ist im Jahr 1905 entstanden. Erscheinungsort des Textes ist München. Die Entstehungszeit des Gedichtes bzw. die Lebensdaten des Autors lassen eine Zuordnung zur Epoche Moderne zu. Bei dem Schriftsteller Wedekind handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epoche. Das vorliegende Gedicht umfasst 231 Wörter. Es baut sich aus 12 Strophen auf und besteht aus 48 Versen. Weitere bekannte Gedichte des Autors Frank Wedekind sind „An Elka“, „An Francisca de Warens“ und „An Madame de Warens“. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Die Hunde“ weitere 114 Gedichte vor.

Daten werden aufbereitet

+ Wie analysiere ich ein Gedicht?

Fertige Biographien und Interpretationen, Analysen oder Zusammenfassungen zu Werken des Autors Frank Wedekind

Wir haben in unserem Hausaufgaben- und Referate-Archiv weitere Informationen zu Frank Wedekind und seinem Gedicht „Die Hunde“ zusammengestellt. Diese Dokumente könnten Dich interessieren.

Weitere Gedichte des Autors Frank Wedekind (Infos zum Autor)

Zum Autor Frank Wedekind sind auf abi-pur.de 114 Dokumente veröffentlicht. Alle Gedichte finden sich auf der Übersichtsseite des Autors.