Der rote Vogel von Karl Henckell

Es kam ein roter Vogel
Geflogen von grauer See,
Flog über die deutschen Lande,
Da wurde der blutigen Schande
Weiß das Gesicht wie Schnee.
 
Da rauschte der rote Vogel
Wohl über den höchsten Baum,
Da stürzten mit einem Male
Die mächtigsten Generale,
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Geschlagen vom Flügelsaum.
 
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Da fegte der rote Vogel
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Die Tenne von Lug und Trug,
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Fegt Schlösser und Residenzen,
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Der Kaiser floh über die Grenzen,
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Ihm graust vor des Vogels Flug.
 
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Da sang der rote Vogel,
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Was Nornenrat beschied ...
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Wie scharf er die Zeichen begriffen,
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Im Zorne den Schnabel geschliffen –
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Da sang der rote Vogel
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Sein deutsches Freiheitslied.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (24.4 KB)

Details zum Gedicht „Der rote Vogel“

Anzahl Strophen
4
Anzahl Verse
21
Anzahl Wörter
99
Entstehungsjahr
1883-1886
Epoche
Realismus,
Naturalismus

Gedicht-Analyse

Das erörterte Gedicht stammt von Karl Henckell, einem deutschen Dichter und Schriftsteller, der von 1864 bis 1929 lebte. Die zeitliche Einordnung lässt sich aufgrund dieser Lebensdaten in die Epoche des Realismus und der Jahrhundertwende platzieren, eine typische Epoche des Umbruchs und des sozialen Widerstands, die sich auch in Henckells politisch geprägten Gedichten widerspiegelt.

Auf den ersten Blick fällt das wiederkehrende Symbol des roten Vogels auf, der eine prominente Rolle in jeder Strophe spielt. Der rote Vogel könnte als Metapher für eine revolutionäre Kraft oder Veränderung betrachtet werden, die heranfliegt und die bestehende Ordnung stört.

In Bezug auf den Inhalt drückt das Gedicht eine starke Kritik an der etablierten gesellschaftlichen und politischen Ordnung aus und verdeutlicht die Hoffnung auf Freiheit und Gleichheit. Der rote Vogel scheint eine Zerstörung der Unwahrheit und Täuschung zu repräsentieren, repräsentiert durch die Begriffe „Tenne“, „Lug“ und „Trug“. Er fegt die „Schlösser und Residenzen“ weg und treibt den Kaiser über die Grenzen, was wohl eine Anspielung auf die Vertreibung autoritärer Mächte ist.

Was die formale Gestaltung und die Sprache betrifft, so besteht das Gedicht aus vier Strophen, die jeweils fünf oder sechs Verse enthalten. Der Stil des Gedichts ist recht geradlinig und direktes, was zu einer klaren Botschaft und einer betonten dramatischen Wirkung beiträgt. Die Sprache ist einfach, aber die Verwendung von Metaphern und Symbolen gibt dem Gedicht eine tiefere Ebene.

Insgesamt verkörpert das Gedicht die Sehnsucht nach politischer Veränderung und der Abkehr von falschen, korrupten Mächten. Der rote Vogel, als Symbol für Widerstand und Revolution, wird zum Helden des Gedichts, der die Atmosphäre der Repression, Gefahr und letztlich Hoffnung hervorbringt. Es vermittelt die Botschaft, dass nur durch den aktiven Widerstand gegen die herrschende Macht echte Freiheit erreicht werden kann.

Weitere Informationen

Das Gedicht „Der rote Vogel“ stammt aus der Feder des Autors bzw. Lyrikers Karl Henckell. Im Jahr 1864 wurde Henckell in Hannover geboren. Im Jahr 1886 ist das Gedicht entstanden. München ist der Erscheinungsort des Textes. Aufgrund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors kann der Text den Epochen Realismus oder Naturalismus zugeordnet werden. Vor Verwendung der Angaben zur Epoche prüfe bitte die Richtigkeit. Die Zuordnung der Epochen ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen und daher anfällig für Fehler. Das Gedicht besteht aus 21 Versen mit insgesamt 4 Strophen und umfasst dabei 99 Worte. Der Dichter Karl Henckell ist auch der Autor für Gedichte wie „Suum cuique!“, „Ulrich von Hutten“ und „Gang durch die Nacht“. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Der rote Vogel“ weitere 21 Gedichte vor.

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