Der neue Amadis von Johann Wolfgang von Goethe

Als ich noch ein Knabe war,
Sperrte man mich ein.
Und so saß ich manches Jahr
Ueber mir allein,
Wie im Mutterleib.
 
Doch du warst mein Zeitvertreib,
Goldne Phantasie;
Und ich ward ein warmer Held,
Wie der Prinz Pipi,
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Und durchzog die Welt.
 
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Baute manch Cristallen Schloß,
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Und zerstört es auch,
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Warf mein blinkendes Geschoß
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Drachen in den Bauch.
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Ja ich war ein Mann.
 
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Ritterlich befreyt ich dann
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Die Prinzeßin Fisch.
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Sie war gar zu obligeant,
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Führte mich zu Tisch’,
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Und ich war galant!
 
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Und ihr Kuß war Himmelsbrod,
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Glühend wie der Wein.
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Ach! ich liebte fast mich todt.
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Rings mit Sonnenschein
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War sie emaillirt.
 
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Ach wer hat sie mir entführt!
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Hielt kein Zauberband
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Ihr verräthrisch Fliehn?
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Sagt, wo ist ihr Land?
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Wo der Weg dahin?
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (25.8 KB)

Details zum Gedicht „Der neue Amadis“

Anzahl Strophen
6
Anzahl Verse
30
Anzahl Wörter
126
Entstehungsjahr
um 1770
Epoche
Sturm & Drang,
Klassik

Gedicht-Analyse

Johann Wolfgang von Goethe ist der Autor des Gedichtes „Der neue Amadis“. Goethe wurde im Jahr 1749 in Frankfurt am Main geboren. Das Gedicht ist im Jahr 1770 entstanden. Der Erscheinungsort ist Düsseldorf. Auf Grund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors kann der Text den Epochen Sturm & Drang oder Klassik zugeordnet werden. Bei Goethe handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epochen.

Als Sturm und Drang (auch Genieperiode oder Geniezeit) bezeichnet man eine Epoche der Literatur, die auf die Jahre 1765 bis 1790 datiert werden kann. Sie knüpfte an die Empfindsamkeit an und ging später in die Klassik über. Der Epoche des Sturm und Drang geht die Epoche der Aufklärung voran. Die Ideale und Ziele der Aufklärung wurden verworfen und es begann ein Rebellieren gegen die Prinzipien der Aufklärung und das gesellschaftliche System. Bei den Autoren handelte es sich meist um junge Schriftsteller. Meist waren sie unter 30 Jahre alt. Die Schriftsteller versuchten in den Dichtungen eine geeignete Sprache zu finden, um die subjektiven Empfindungen des lyrischen Ichs zum Ausdruck zu bringen. Die traditionellen Werke vorangegangener Epochen wurden geschätzt und dienten als Inspiration. Dennoch wurde eine eigene Jugendsprache und Jugendkultur mit kraftvollen Ausdrücken, Ausrufen, Halbsätzen und Wiederholungen geschaffen. Mit der Hinwendung Goethes und Schillers zur Weimarer Klassik endete der Sturm und Drang.

Zwei gegensätzliche Anschauungen hatten das 18. Jahrhundert bewegt: die Aufklärung und eine gefühlsbetonte Strömung, die durch den Sturm und Drang vertreten wurde. Die Weimarer Klassik ist eine Verschmelzung dieser beiden Elemente. Die Weimarer Klassik nahm ihren Anfang mit Goethes Italienreise im Jahr 1786 und endete mit Goethes Tod im Jahr 1832. Literarisches Zentrum und Ausgangspunkt der Weimarer Klassik (kurz auch oftmals einfach nur Klassik genannt) war Weimar. Die Klassik geht von der Erziehbarkeit des Menschen zum Guten aus. Ihr Ziel ist die Humanität, die wahre Menschlichkeit (das Schöne, Gute, Wahre). Die Autoren der Klassik gingen davon aus, dass Gott den Menschen Vernunft und Gefühle gibt und die Menschen damit dem Leben einen Sinn geben. Der Mensch ist also von höheren Mächten abhängig. In der Lyrik haben die Autoren auf Stil- und Gestaltungsmittel aus der Antike zurückgegriffen. So war beispielsweise die streng an formale Kriterien gebundene Ode besonders geschätzt. Des Weiteren verwendeten die Autoren eine gehobene, pathetische Sprache. Die berühmtesten Dichter der Klassik sind: Friedrich Schiller, Johann Wolfgang von Goethe, Christoph Martin Wieland und Johann Gottfried von Herder.

Das Gedicht besteht aus 30 Versen mit insgesamt 6 Strophen und umfasst dabei 126 Worte. Weitere bekannte Gedichte des Autors Johann Wolfgang von Goethe sind „An Lida“, „An den Mond“ und „An den Schlaf“. Zum Autor des Gedichtes „Der neue Amadis“ haben wir auf abi-pur.de weitere 1612 Gedichte veröffentlicht.

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