Danklied von Johann Gottfried Herder

Was bin ich, Gott? was, Herr, bin ich,
Der's wagt, zu Dir zu singen?
Herr, stärke mich! Herr läutre mich,
Mein Herz Dir zuzuschwingen!
Ein Opfer, wie Du's nie verschmäht,
Ein schuldzerknirschtes Angstgebet,
Das noch, Herr, an Dich glaubet!
 
Wer war ich, da Du riefest mich
Und nanntest mich mit Namen?
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Du riefst mich; Herr, ich preise Dich,
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Ich, Dein Geschöpf, Dein Samen!
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Vor Tausenden von Dir beglückt,
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Vor Tausenden hat mich entzückt
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Dein Wort, Herr, Deine Lehre!
 
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Ich sah, was, Herr, nicht Tausend sehn;
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Was hast Du, Herr, zu fodern?
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Ich ging, wo Tausende nicht gehn;
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Herr, soll mein Licht verlodern?
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Mein Fünklein in der Asch', es fleht,
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Es blinkt hinauf und will Gebet,
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Und ach, es sinkt danieder!
 
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Ach, Jesus Christus, warst Du gleich
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Dem Schwächsten Deiner Brüder
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Und gingst aus Deines Vaters Reich
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Und sankst zur Erde nieder,
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Dem Aermsten, Schwächsten gleich zu sein,
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Und fühltest Schwäche, Müde, Pein
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Und klagtest gottverlassen
 
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Und gingst hinauf in Vaters Reich,
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Den Schwächsten zu erhören!
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Der Schwächste soll Dir werden gleich
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An Sieg und Lohn und Ehren.
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Herr, wo Du flehtest, fleh' auch ich!
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Erhörter, ach! erhör auch mich!
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Hilf mir zu Deinem Bilde!
 
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Zu Deinem Bild, o Menschensohn
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Und Gottes Sohn dort oben!
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Daß ich, auch ich Dich könn' am Thron
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Und schon im Staube loben!
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Daß ich, auch ich, schon Dich hier seh',
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Schon hier von Deinem Geiste weh',
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Weh' in mich Kraft des Lebens!
 
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Und meine Zunge singe Preis,
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Und Dank mein Herz Dir schlage,
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Und meine Stirn in Todesschweiß
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Dich nicht mehr, Herr, verklage,
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Dir glänze, Herr, von Deinem Licht,
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Und all mein Todtenangesicht
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Dein Licht, o Herr, belebe!
 
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Und all mein Todtenleichnam weh',
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Weh' auf von Kraft des Lebens,
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Und ach! mein blödes Auge seh',
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Seh' nimmermehr vergebens
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Dein Gotteslicht! Es werde mir
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Zur Flamme, die mich, Herr, vor Dir
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Durch Tag' und Nächte leite!
 
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Was bin ich, Gott? was, Herr, bin ich,
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Dies, Herr, von Dir zu singen?
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Herr, stärke mich, Herr, läutre mich,
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Mich auf zu Dir zu schwingen,
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Daß nicht mein Flehen selbst ein Pfeil
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Des Rächers werde, daß es Heil,
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Heil in mein Wesen senke!
 
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Vor Tausenden bin ich beglückt,
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O Herr, durch all mein Leben;
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Vor Tausenden will ich entzückt
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Vor Deinem Throne schweben.
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Herr! in der Asch' ein Fünklein! sieh,
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In Deiner großen Harmonie
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Auch ich ein Nachhall! Amen!

Details zum Gedicht „Danklied“

Anzahl Strophen
10
Anzahl Verse
70
Anzahl Wörter
390
Entstehungsjahr
1744 - 1803
Epoche
Sturm & Drang,
Klassik

Gedicht-Analyse

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Danklied“ des Autoren Johann Gottfried Herder. 1744 wurde Herder in Mohrungen (Ostpreußen) geboren. Im Zeitraum zwischen 1760 und 1803 ist das Gedicht entstanden. Eine Zuordnung des Gedichtes zu den Epochen Sturm & Drang oder Klassik kann auf Grund er Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autoren vorgenommen werden. Bei Herder handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epochen. Das vorliegende Gedicht umfasst 390 Wörter. Es baut sich aus 10 Strophen auf und besteht aus 70 Versen. Die Gedichte „Das Kind der Sorge“, „Das Orakel“ und „Das Ross aus dem Berge“ sind weitere Werke des Autoren Johann Gottfried Herder. Zum Autoren des Gedichtes „Danklied“ haben wir auf abi-pur.de weitere 412 Gedichte veröffentlicht.

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