Anastasius Grün von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
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Es stand ein Baum in Oesterreich, |
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Der grünt' und blühte manches Jahr |
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Fürwahr so schön und wunderbar. |
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Manch Vogel saß darin und sang, |
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Daß weithin Berg und Thal erklang. |
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Es hatte jeder deutsche Mann |
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Recht seine Lust und Freude dran. |
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Ein Doppeladler flog einmal |
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Zu diesem Wunderbaum' hinan, |
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Band einen güldnen Schlüssel dran: |
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Da wurden seine Blüthen taub |
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Und falbe ward sein grünes Laub; |
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Die Schaar der lieben Vöglein schied, |
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Für immer schwieg ihr Sang und Lied. |
Details zum Gedicht „Anastasius Grün“
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1798 - 1874
Junges Deutschland & Vormärz
Gedicht-Analyse
Der Autor des Gedichts ist August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, der im 19. Jahrhundert lebte und zu den Vertretern der Deutschland-Literatur, insbesondere der politischen Poesie, zählt.
Auf den ersten Blick wirkt das Gedicht wie eine naturschöne Szenerie, in der ein Baum beschrieben wird, der viele Jahre lang blüht und gedeiht und Scharen von Vögeln anzieht. Die Atmosphäre ändert sich jedoch schlagartig in der zweiten Strophe, in der ein Doppeladler - das Wappentier des österreichischen Kaiserreichs - einen goldenen Schlüssel an den Baum hängt, woraufhin der Baum seine Vitalität verliert und die Vögel wegschweigen.
Der Inhalt des Gedichts lässt sich interpretieren als ein Hinweis auf die politische Situation innerhalb Deutschlands zur Zeit des Autors. Der 'Baum', der zu Beginn in 'Österreich' steht, könnte ein Symbol für das deutsche Volk sein, das in vielen Teile des damaligen Österreich, das weit über die heutigen Grenzen hinausging, lebte. Die Tatsache, dass 'jeder deutsche Mann' an diesem Baum Freude hat, unterstreicht noch einmal die symbolische Funktion des Baumes für das deutsche Volk. Diese idyllische Szenerie wird jedoch durch das Erscheinen des 'Doppeladlers', d.h. des Hauses Habsburg, zerstört.
Nach der Ankunft des 'Adlers' verliert der Baum seine Vitalität und seine Stärke. Gleichzeitig schweigen die Vögel, was als Anspielung auf die Unterdrückung und Verstummung der deutschen Kultur und Sprache durch das Habsburgerreich interpretiert werden kann.
Darüber hinaus fällt auf, dass das Gedicht sehr regelmäßig und strukturiert aufgebaut ist mit sieben Versen pro Strophe und Reimen am Ende jedes Verses. Dies zeigt, dass der Autor viel Wert auf die formale Gestaltung des Gedichts gelegt hat. Die Sprache des Gedichts ist eher einfach und schlicht, was dazu beiträgt, dass der symbolische Inhalt des Gedichts hervortritt.
Insgesamt liefert das Gedicht ein eindringliches Bild der politischen Unterdrückung des deutschen Volkes durch das Habsburgerreich im 19. Jahrhundert. Es ist als politisches Statement gegen diese Unterdrückung zu lesen und ein Aufruf, das deutsche Verlangen nach kultureller und politischer Selbstbestimmung wiederherzustellen.
Weitere Informationen
Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Anastasius Grün“ des Autors August Heinrich Hoffmann von Fallersleben. Der Autor August Heinrich Hoffmann von Fallersleben wurde 1798 in Fallersleben bei Wolfsburg geboren. Im Zeitraum zwischen 1814 und 1874 ist das Gedicht entstanden. Die Entstehungszeit des Gedichtes bzw. die Lebensdaten des Autors lassen eine Zuordnung zur Epoche Junges Deutschland & Vormärz zu. Der Schriftsteller Hoffmann von Fallersleben ist ein typischer Vertreter der genannten Epoche. Das Gedicht besteht aus 14 Versen mit insgesamt 2 Strophen und umfasst dabei 77 Worte. Weitere bekannte Gedichte des Autors August Heinrich Hoffmann von Fallersleben sind „Munter getanzt! fröhlich gezecht!“, „So schlagen wir die Grillen todt“ und „Das Lied vom Monde“. Zum Autor des Gedichtes „Anastasius Grün“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 201 Gedichte vor.
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- So schlagen wir die Grillen todt
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Zum Autor August Heinrich Hoffmann von Fallersleben sind auf abi-pur.de 201 Dokumente veröffentlicht. Alle Gedichte finden sich auf der Übersichtsseite des Autors.
