Der Statthalter von Schopfheim von Johann Peter Hebel

Vetter Hans Jerg, ’s dunnert, es dunneret ehnen am Rhi-Strom,
und es git e Wetter! I wott, es zög si vorüber.
’s chunnt so schwarz, – nei lueget, wie’s blizt, und loset, wie’s windet,
wie’s im Chemi tost, und der Guhl uffem Chilche-Thurm gahret!
Helfis Gott! – ’s chunnt alliwil nöcher und alliwil stärcher.
Ziehnt doch d’Läden a, der Glast möcht’ d’Auge verblende,
 
und iez holet ’s Chrüsli und sitzet do ummen, i willich
us den alte Zite vom Statthalter näumis verzehle.
Friedli het me nem gseit, und het’s e seltseme Bueb ge,
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isch’s der Friederli gsi in siner Juged, das weißi!
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Aber schöner as er isch ken dur’s Wiesethal g’wandlet,
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woner no Bure-Chnecht bim alte Statthalter gsi isch.
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Chrusi Löckli het er gha und Auge wie Chole,
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Backe wie Milch und Bluet und rundi chräftige Glieder.
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’s Meisters Vreneli het an ihm si eigeni Freud gha,
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er am Vreneli au, doch isch er numme der Chnecht gsi.
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Nei, wie macht’s, und nei, wie schüttets! Bringetder ’s Chrüsli
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und e Ränftli Brod derzue? Iez sitzet und loset!
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Vor fünfhundert Johren, i ha’s vom Aetti erfahre,
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isch e schwere Chrieg und sin Panduren im Land gsi.
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Drunter ischs und drüber gange, was me cha sage,
 
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Rich isch richer worden an Geld, an Matten und Hochmueth,
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Arm isch ärmer worden und numme d’Schulde hen zueg’no.
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Menge brave Ma hets nümme chönne prestiere,
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het si Sach verloren und Hunger g’litten und bettlet;
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Mengi hen si zsemme g’rottet zwische de Berge.
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Z’letzt het no der Friede ne Pack Maroden im Land g’lo,
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gföhrli Volch mit Schwerd und Büchse, listig und unheim;
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’s sin bitrüebti Zite gsi, Gott well is biwahre!
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Sell mol het e Buur uf der Egerte nieden an Farnau
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Hus und Schüre gha und Stiere, ’s wärich ke Tropfe
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Wasser uffene g’standen, und uf de Matte vo Farnau
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bis go Huse Tensch und Tensch und Schmehlen an Schmehle
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het der Uehli g’meiht, und ’s Heu uf d’Egerte heimg’füehrt,
 
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aber e wüste Ma zue dem, wie’s ken meh in siebe
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Here-Ländere git; im Welschland isch er so worde.
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Hätt em der Statthalter z’Schopfe nit’s Vreneli endli zur Frau ge,
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’s Vreneli voll Verstand, und wie der Morge so lieblig,
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’s hätt’s ke Magd im Hus bis Bet-Zit chönnen erlide,
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und kei Chnecht hätt’ zuenem dingt. Es chunnt eim e Bettler,
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und me git em ke Brot, se seit me doch öbben im Friede:
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„Helfich Gott!“ – Er nit! „I will der ’s Bettle verleide,“
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het er gseit, „und gang, wil’s Zit isch! Flieh mi der Teufel!“
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Und die arme Lüt hen’s Gott befohlen, und briegget,
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Jedem chunnt si Zit! So öbbe ne Wuche vor Wiehnecht
 
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het der Uehli gmetzget, und het er gwurstet bis z’Obe,
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het er z’Nacht si Chrüegli g’lüpft bim brotene Ribbli.
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„Vreni gang in Cheller! und Vreni leng mer z’trinke!“
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het er mehr als zwenzig mol mit brochener Stimm gseit.
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Gesinnet hen sie n emol uf siebe Mos und e Schöpli.
 
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Aber wo meinetder mög sel Zit der Friederli gsi sy?
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Oebben im Fuetergang? Bi’s Meisters Stieren und Rosse’
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Hender gmeint, io wohl! Scho z’Fasnecht isch er im Meister
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us de Hände gwütscht, sust hätt en der Statthalter ghüblet.
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Het er näumis bosget, se willi ’s nit verrothe;
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was gohts mi denn a? Furt isch er! Ueber e Monet
 
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het me ke Spur meh gha, bis öbben anfangs Aprille
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stoht er bi den arme Manne zwische de Berge.
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Schön a Wuchs und Gsicht, und fründli gege de Lüte,
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muethig wie ne Leu, doch voll verborgener Bsinnig
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hen sie ’n alli gern, und sage: „Seig du der Hauptma!
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Was de seisch, das thüemer, und schickis numme, se göhmer,
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hundert füfzig Ma und siebenesiebezig Buebe!“
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Und der Friedli seit: „D’Marodi wemmer verfolge.
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Wenn e riche Buur die Arme ploget und schindet,
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wemmer em der Meister zeigen, aß es en Art het,
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bis au wieder Recht und Gsetz und Ordnig im Land isch.“
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Helfis Gott der Her! – Iez rüeft der Hauptma sim Völchli:
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„Manne, was fange mer a? I hör, der Uehli het gmetzget.
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’s wär e Site Speck wol us der Bütene z’hole
 
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und e Dozzet Würst. Wie wärs? Doch ’s Vreneli duurt mi.
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Besser ischs, es göhn e Paar, und singen ums Würstli!
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Saget, i löß en grüeßen, er solls im Friede verzehre,
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und mer vo der Sau doch au e Müesterli schicke.
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Hemmer nit menge Hirz us sine Gärte verscheuchet?
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Hemmer uf sine Matte ne Habermark-Störzli vertrette
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Oder e Bäumli gschüttelt? Isch sine Chnechten und Buebe
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nummen au so viel gscheh? Sie hen doch g’hüetet und g’wässert
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z’Nacht um Eis, und früeih vor Tag; sie chönne nit chlage.
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Leget em’s ordlig ans Herz, i wünschich gueti Verrichtig!“
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Seits und ’s göhn drei Bueben, und chömme mit Säcke zuem Uehli.
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„Guten Obe!“ – „Dunderschieß! Was hender, was wender?“ –
 
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„He, mer chömme do abe vom Sattel-Hof. Zeiget, wie sinder!
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So het üse Meister gseit, so sagemer wieder.“
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Schlimmer Wis isch, wo sie cho sin, ’s Vreneli näumi
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dusse gsi, doch d’Chnecht sin uffem Ofe-Bank glege,
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und der Uehli, voll Wi, git grobi Reden und Antwort.
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„Saget euerm Meister – (es isch mit Ehre nit z’melde),
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Meister hi und Meister her, und wer isch der Meister?
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’s lauft so Waar iez gnueg im Land, wo bettlen und stehle,
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Schere-Schlifer, Hafe-Binder, alti Soldate,
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Säge-Fiiler, Zeinemacher, anderi Strolche.
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Wemmen alle wott ge, me müeßt no mittene laufe.
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Packetich, iez isch’s hochi Zit!“ – „He io, der Gottswille!
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Nummene Hämpfeli Mehl, und nummen au so ne Würstli!“ –
 
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„Wart du Siebe-Chetzer, e Ribbe-Stückli wird guet sy!
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Jobbi, gang an d’Stud, und leng mer de Fareschwanz abe!
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Wenderich packe iez gli, i frog, ihr luftige Strolche!“ –
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Io, sie hen si packt, doch hinterne schliche vom Ofe
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d’Chnecht zur Thüren us, und suche ’s Vreneli dusse.
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„Meisterne, iez isch’s gfehlt, iez Meisterne, helfet und rothet!
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Das und das isch gscheh, si hen’s nit an is verdienet.
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Hemmer’s Wasser g’chert, und hemmer de Hirze g’hütet
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z’Nacht um Eis, und früeih vor Tag, mer chönne nit chlage,
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kuntereri, si hennis ghulfe, gell aber, Jobbi?
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Aber chömmemer wieder, se werde sie anderster rede.“
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’s Vreneli lost und lost, es macht bidenklichi Mine;
 
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’s Vreneli bindet d’Chappen, und schüttlet ’s Mailänder Halstuech,
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’s Vreneli chnüpft am Fürtuech-Bendel – „Sepli, spann’s Roß a,
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und e Welle Strau, hesch ghört, und loß mer der Meister
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nüt eninne werden, und gang ein d’Farnauer Stroß uf,
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lueg, öb Alles sicher isch, und niene ke Volch stoht!“
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Sieder chömme d’Buebe mit leere Säcke zuem Friedli.
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Tausig Sapermost, wie sin em d’Flammen ins Gsicht cho!
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Wo ner sie frogt: „Was hender?“ und wo sie ’m dütliche Bricht gen:
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„Nüt, und wüssetder was? Göhnt ihr enandermol selber!
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’s isch em Uehli z’heiß, der sollet cho, go nem blose!“ –
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„’s isch e Wort, i gang“, seit iez der Hauptma und funklet,
 
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’s soll ihn nit lang brenne, ’s isch chüel im Farnauer Chilchhof!
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Uehli, du hesch ’s letzt im Räf, sel chani der sage!“
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Seits, und pfift im Wald, und gschwinder as me ne Hand chert,
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pfifts vo Wald zue Wald an allen Enden und Orte,
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und es lauft derher von allen Orten und Ende.
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„Allo frisch, bergab! Der Egerten-Uehli het gmetzget,
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’s goht in eim iez hi, mer metzge hinecht der Uehli!
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’s duuret mi frili si Frau, ’s wird uding ab is verschrecke.“
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Iez chunnt’s schwarz bergab, wohl über Studen und Hecke,
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nebe Reibbech aben ins Tanners Wald, und vo dörtweg
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rechts und links ins Farnauer Holz, was gischmer, was hesch mer!
 
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D’Wälder fahre mit Schlitte voll Spöh’ der Wiese no abe,
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sehns und huure nieder am Steine-Brückli und bette:
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„Alli guete Geister!“ und „Heilige Muetter Gottis!“
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Aber wo der Hauptma bi Farnau usen an Wald chunnt,
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düsslet er: „Buebe z’ruck! I hör e Wägeli fahre!
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’s chönnt d’Faktorene sy, sie isch die Nemtig go Basel,
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und der müent si nit verschrecke, lönt mi ellei goh!“
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Seits, und wiener chunnt, wütschts übers Wägeli abe,
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und goht uffen dar, und lueget em freündlig in d’Auge.
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„Friedli, bischs?“ – „Ich mein’s emol!“ – „Se bis mer Gottwilche
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unterm freie Himmel und unter de liebe Sterne!
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Gell, i darf di duze? Was wirsch doch nummen au denkt ha
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ob mim trutzige Ma und sine trutzige Rede.
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Lueg, i cha nit derfür, wo’s z’spot isch, seit mer’s der Sepli
 
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dussen am Wasserstei. Es wär sust anderster gange.
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O, de glaubsch nit, wieni g’stroft bi. Besseri Zite
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hani g’lebt ins Vaters Hus. Iez sin sie vorüber.
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Chumm, do bringi der näumis, e Säckli voll dürri Chriesi,
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schöni Gumpist-Oepfel, und au e Bizzeli Geis-Chäs,
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do ne Säckli Haber-Mehl und do no ne paar Würstli,
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und e Logel voll Wi, gib achtig, aß es nit gäutschet,
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’s isch kei Bunte druf, und au ne Rölleli Tubak.
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Chumm e wenig absits, bis do die Wälder vorbi sin,
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und bis ordli, hesch g’hört, und nimm di Gwissen in Obacht.“
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Aber der Friedli schwört: „Bi Gott, der Uehli mueß sterbe!
 
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’s isch nit Gnad!“ – Doch ’s Vreneli seit: „Iez los mer e Wort:
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Gschwore hesch, und io, wenns Zit isch, sterbe mer alli,
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und der Uehli au, doch loß du lebe, was Gott will,
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und denk an di selber und an die chünftige Zite.
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So blibsch nit wie de bisch, und so ne Lebe verleidet.
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Bisch nit im Land deheim, und hesch nit Vater und Muetter?
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Oebbe möchtsch au heim, den erbsch en ordeli Güetli
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in der Langenau, und gfallt der e Meidli, de hättschs gern,
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ischs bim Aetti nit Nei, de chasch no Stabhalter werde.
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Nimm, wie müeßts der werden, an so ne Missethat z’denke,
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und mi ’s Here Stab mit bluetige Hände z’regiere!
 
166 
Halt’s im Uehli z’guet! Si Grobheit nimmt für en Ehr uf,
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’s isch zwor keini gsi, doch denk au, aß er mi Ma isch!
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Schlachts nit z’Schopfen Oelfi! ’s isch Zit, se sag mer, witt folge?“
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Aber der Friederli stoht, er stoht in schwere Gidanke,
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und het d’Auge voll Wasser, und möcht gern schwetzen und cha nit.
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Endli bricht em’s Herz. „Nu io denn, wenn d’mer e Schmutz gisch!
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Bhüetdi Gott der Her, und io, i will mi bikehre.
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Buebe, iez packet uf, mer wen im Friede verlieb neh!
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Göhnt e Paar uf d’Möhr und schießet näumen e Hirzli!“
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Seits, und goht in Wald, und lueget an Himmel und briegget,
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bis si d’Sternen ins Morge-Liecht tunken, und drinn verlösche.
 
177 
Endli goht er au, doch luege mengmol enander
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d’Mannen a, und sage: „Was fehlt doch echterst im Hauptma?“
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Aber ’s Statthalters Tochter lit iez bim Uehli und stoßt en:
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„Schnarchle mer doch nit so! Me cha io nit nebe der schlofe!“
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Und der Uehli zuckt und streckt sie: „Vreni, wie isch mer?“ –
182 
„He, wie wird’s der sy?“ – „I ha ne bluetige Traum gha.
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Vreni, ’s goht nit guet, i ha mi selber seh metzge.
184 
Hen sie mi nit verstochen, und in der Büttene brüeihet,
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mittem Messer gschabt? De glaubsch nit, wie’s mer so weh thuet!“
186 
Aber ’s Vreneli seit: „He, ’s macht nüt. Chunnt der nit mengmol
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öbbis für? Iez isch es d’Sau, drum hesch die seh metzge.“
188 
Aber ’s Uehli’s Schlof isch us und schweri Gidanke
 
189 
chämpfe bis an Tag mit sine zerrüttete Sinne,
190 
bis er ’s Chaffi trinkt, bis ’s Vreneli Suppen ischnidet,
191 
bis en alte Ma verzagt zur Stube-Thür itritt:
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„Chümmi, Reckholder-Beri! Will Nieme nüt chrome do inne?“ –
193 
„Nei, der löset nüt!“ – „Drum ischs mer au nit ums Löse!
194 
Chönnti, Meister Uehli, mit euch e wengeli rede?
195 
Isch das eui Frau, se mag sie’s hören, es schadt nüt.
196 
Nechte fahri selb feuft mit Waar der Wiese no abe,
197 
i, mi Rößli, mi Bueb, und ’s Richertli’s Rößli und Matthis.
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Womer an Farnau chömme, so stohts voll Mannen und Buebe
199 
links im Wald, und an der Stroß e luftige Kerli.
200 
’s stoht e Wibsbild binem, es mag e suferi gsi sy,
201 
wenni’s unter Hundert sieh, se willi’s erchenne,
202 
het der Mond nit gschienen, und hani d’Auge nit bimer?
 
203 
So viel hani ghört: ’s isch gfluecht, der Uehli mueß sterbe!
204 
Woni neben abe gang, se seit ers zum Wibsbild.
205 
Witers weiß i nüt, und witers channi nüt sage;
206 
Warten isch nit guet, me lost, und wandlet si’s Wegs furt.
207 
Bhüetich Gott, i gang, und thüent iez selber, was guet isch.“ –
208 
Wie het’s Vreneli glost! Doch bhaltet’s verständigi Bsinnig.
209 
„Hesch en denn nit gmerkt, es isch em nummen um Brenz gsi?“
210 
Aber ’s Uehlis G’hör isch weg, er lit in der Ohnmacht,
211 
d’Auge stöhn verchehrt, me sieht fast nüt meh vom Schwarze,
212 
d’Zungen isch em glähmt, sie lueget vor usen, und chölschblau
213 
isch er bis an Hals. Me holt der Meister vo Hage,
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holt vo Zell der Dokter-Friedli, ’s isch em nit z’helfe.
 
215 
Friedli, du hesch d’Wohret gseit, der Uehli mueß sterbe.
216 
Vormittag ischs so, und Nomittag ischs anderst.
217 
Schwetze lehrt er nümmen, und siechet ebe so ane,
218 
bis am dritte Tag; uf ei mol schnappt er, und endet;
219 
und am Zistig d’ruf, se singt’s haupthöchlige: „Mitten
220 
wir im Leben sind“ – d’Stroß uf zum Farnauer Chilch-Hof.
221 
Furt treit hen sie en, sell isch gwiß, doch heißt es, en Andre
222 
heig en gholt, und ’s gang zue Ziten e bluetige Eber.
223 
Göhntder z’Nacht vom Bergwerch heim, und hentder uf d’Site
224 
gladen, und der sehnt en Eber mit bluetige Wunde,
225 
göhnt em still usweg. Es isch der Egerten-Uehli.
226 
Sehnt der nüt, sen isch ers nit. I ha nen no nie gseh.
 
227 
Aber wer wird iez mit Zuespruch ’s Vreneli tröste?
228 
Groß isch ’s Leid iust nit, und siebe Woche no Pfingste
229 
rüeft me ’s wieder us. Mit wem? Der werdet nit froge.
230 
Grüseli het der Vater gmacht, und gschworen: „I lid’s nit!
231 
So ne vertlaufene Burst mit miner liibliche Tochter,
232 
Mit mi’m Fleisch und Bluet? I führ di selber ins Zuchthus.“
233 
Aber was ischs gsi? – Es isch die einzige Tochter,
234 
und isch Frau für ihns, und mag er rothen und warne,
235 
muß ers ebe lo gscheh, – doch hets em nümmen ins Hus dörft,
236 
hets au nümme bitrette, bis no Micheli sie Vater
237 
z’Wil dur d’Wiese ritet, er het e Wage voll Wi chauft.
238 
Groß isch’s Wasser gsi, und finster, wo sie derdur sin,
 
239 
und chunnt usem Weg, und ’s tribt en aben und abe
240 
bis er abem Choli fallt und nümmen ans G’stad chunnt.
241 
An der Schore-Bruck dört hen sie ’n mornderigs gfunde.
 
242 
Aber iez zieht üser Paar im Friede go Schopfe
243 
und nimmt B’sitz vo Hus und Guet; der Friedli wird Burger,
244 
füehrt si ordelig uf, er cha guet lesen und schribe, –
245 
Helfis Gott! – und stigt nootno zue Würden und Ehre.
246 
Wer wird Chilche-Lueger, und wer wird Weibel, und wer stoht
247 
bald am Rothhus-Fenster und lächlet güetig, wenn öbbe
248 
mittem Huet in der Hand e Langenauer verbei goht?
 
249 
Isch’s nit mi Her Frider mit siner lockige Stirne? –
250 
Nei, wie machts, und nei, wie schüttets, loset doch numme,
251 
fangt’s nit vornen a? – Z’letzt sage d’Burger: „Der Hügli
252 
cha io nit Gschriebes lese, wie chaner denn Statthalter blibe?
253 
’s wär für Ihn, Her Frieder, und Er mueß d’Burger regiere.
254 
Er isch e brave Ma, in alle Stücke biwandert,
255 
und sie Frau, Statthalters Bluet, mit Tugend bihaftet,
256 
isch die guti Stund, und gscheit, no gscheiter as Er schier.
257 
Sager nit lang Nei, ’s nuzt nüt, mer lön is nit b’richte.“
258 
„Nu, se sagi Io, ’s regiere chunnt mit nit suur a.“
259 
Dreimol chlöpft der Hurlibaus – nei loset, wie’s schüttet,
260 
lueget, wie’s dur d’Chlimse blitzt! – Im Pflueg und im Engel
 
261 
hen sie tanzt bis tief in d’Nacht, und gessen und trunke.
262 
Wohr ischs, e brävere Ma hätt d’Stadt nit chönnen erchise,
263 
und im Vreneli gunni ’s au. In d’Schopfemer Chilche
264 
het er en Orgle gschafft, vor sine Ziten isch nüt gsi,
265 
(z’Huse stoht sie no); d’Marodi het er vertriebe,
266 
und uf d’Burger Obsicht treit, und g’rothen und g’warnet.
267 
Aber si Frau und er, sie hen in Frieden und Liebi
268 
mit enander g’lebt, und Guets an Armen erwiese,
269 
io, und ’s isch em e Muetter zu siebe Chindere worde.
270 
Helfis Gott! – und ’s stammt von ihnen im Schopfemer Chilchspiel
271 
mengi Famili her, und blüeiht in Richthum und Ehre.
272 
Helfis Gott, und b’hüetis Gott! Ins Here Gotts-Name!
273 
das het gchlöpft, und das het gmacht, ’s isch weger e Schlag gsi!
 
274 
Mengi Famili, se sagi – die wenigste wüsse’s meh selber.
275 
Wer sie sin, und wie sie heiße, das willi iez sage.
276 
Zwor isch ’s Chrüegli leer – nei loset, was git’s uf der Gaß duß?
277 
Vetter Hans Jerg, ’s stürmt! Fürio! ’s lauft Alles der Drau zue.

Details zum Gedicht „Der Statthalter von Schopfheim“

Anzahl Strophen
26
Anzahl Verse
277
Anzahl Wörter
2843
Entstehungsjahr
nach 1776
Epoche
Aufklärung,
Empfindsamkeit,
Sturm & Drang

Gedicht-Analyse

Das Gedicht „Der Statthalter von Schopfheim“ stammt aus der Feder des Autors bzw. Lyrikers Johann Peter Hebel. Geboren wurde Hebel im Jahr 1760 in Basel. In der Zeit von 1776 bis 1826 ist das Gedicht entstanden. In Karlsruhe ist der Text erschienen. Eine Zuordnung des Gedichtes zu den Epochen Aufklärung, Empfindsamkeit, Sturm & Drang, Klassik, Romantik, Biedermeier oder Junges Deutschland & Vormärz kann auf Grund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors vorgenommen werden. Die Zuordnung der Epochen ist ausschließlich auf zeitlicher Basis geschehen. Bitte überprüfe unbedingt die Richtigkeit der Angaben bei Verwendung. Das vorliegende Gedicht umfasst 2843 Wörter. Es baut sich aus 26 Strophen auf und besteht aus 277 Versen. Die Gedichte „Das Hexlein“, „Das Liedlein vom Kirschbaum“ und „Der Bettler“ sind weitere Werke des Autors Johann Peter Hebel. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Der Statthalter von Schopfheim“ weitere 60 Gedichte vor.

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