Der Falke von Achim von Arnim

Wär ich ein wilder Falke,
Ich wollt mich schwingen auf,
Und wollt mich niederlassen
Vor meines Grafen Haus.
 
Und wollt mit starken Flügel,
Da schlagen an Liebchens Thür,
Daß springen sollt der Riegel,
Mein Liebchen trät herfür.
 
»Hörst du die Schlüssel klingen,
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Dein Mutter ist nicht weit,
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So zieh mit mir von hinnen
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Wohl über die Heide breit.«
 
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Und wollt in ihrem Nacken
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Die goldnen Flechten schön
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Mit wilden Schnabel packen,
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Sie tragen zu dieser Höhn.
 
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Ja wohl zu dieser Höhen,
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Hier wär ein schönes Nest,
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Wie ist mir doch geschehen,
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Daß ich gesetzet fest.
 
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Ja trüg ich sie im Fluge,
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Mich schöß der Graf nicht todt,
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Sein Töchterlein zum Fluche,
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Das fiele sich ja todt.
 
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So aber sind die Schwingen
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Mir allesamt gelähmt,
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Wie hell ich ihr auch singe,
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Mein Liebchen sich doch schämt.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (24.8 KB)

Details zum Gedicht „Der Falke“

Anzahl Strophen
7
Anzahl Verse
28
Anzahl Wörter
135
Entstehungsjahr
1806
Epoche
Romantik

Gedicht-Analyse

Der Autor des Gedichtes „Der Falke“ ist Achim von Arnim. Geboren wurde Arnim im Jahr 1781 in Berlin. Entstanden ist das Gedicht im Jahr 1806. Anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her kann der Text der Epoche Romantik zugeordnet werden. Der Schriftsteller Arnim ist ein typischer Vertreter der genannten Epoche.

Die Romantik ist eine Epoche der Kulturgeschichte, zeitlich anzusiedeln vom späten 18. Jahrhundert bis spät in das 19. Jahrhundert hinein. Auf die Literatur bezogen: von 1795 bis 1848. Sie hatte verschiedenste Auswirkungen auf Literatur, Musik, Philosophie und Kunst jener Zeit. Die Epoche wird in Frühromantik (bis 1804), Hochromantik (bis 1815) und Spätromantik (bis 1848) unterschieden. Die Zeit der Romantik war für die Menschen in Europa von Umbrüchen geprägt. Die Französische Revolution (1789 - 1799) zog weitreichende Folgen für ganz Europa nach sich. Auch der Fortschritt in Wissenschaft und Technik, der den Beginn des industriellen Zeitalters einläutete, verunsicherte die Menschen und prägte die Gesellschaft. Weltflucht, Hinwendung zur Natur, Verklärung des Mittelalters (damalige Kunst und Architektur wurde nun wieder geschätzt), Rückzug in Fantasie- und Traumwelten, Betonung des Individuums und romantische Ironie sind typische Merkmale der Romantik. Die Themen der Romantik zeigen sich in verschiedenen Motiven und Symbolen. So gilt beispielsweise die Blaue Blume als das zentrale Motiv der Romantik. Sie symbolisiert Sehnsucht und Liebe und verbindet Natur, Mensch und Geist. Die Nacht hat ebenfalls eine besondere Bedeutung in der Romantik. Sie ist der Schauplatz für viele weitere Motive dieser Epoche: Tod, Vergänglichkeit und nicht alltägliche, obskure Phänomene. Im ebenfalls in dieser Epoche zu findenden Spiegelmotiv zeigt sich die Hinwendung der Romantik zum Unheimlichen. Die äußere Form von romantischer Literatur ist dabei völlig offen. Kein festgesetztes Schema grenzt die Literatur ein. Dies steht ganz im Gegensatz zu den strengen Normen der Klassik. In der Romantik entstehen erstmals Sammlungen so genannter Volkspoesie. Bekannte Beispiele dafür sind Grimms Märchen und die Liedersammlung Des Knaben Wunderhorn. Doch bereits direkt nach Erscheinen der Werke wurde die literarische Bearbeitung (Schönung) durch die Autoren kritisiert, die damit ihre Rolle als Chronisten weit hinter sich ließen.

Das Gedicht besteht aus 28 Versen mit insgesamt 7 Strophen und umfasst dabei 135 Worte. Achim von Arnim ist auch der Autor für Gedichte wie „Fastnacht“, „Des ersten Bergmanns ewige Jugend“ und „Ehe“. Zum Autor des Gedichtes „Der Falke“ haben wir auf abi-pur.de weitere 171 Gedichte veröffentlicht.

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