Abendgebet von Ernst Moritz Arndt

Der muntre Tag ist wieder still,
Und alles schlafen gehen will,
Das Wild auf weichen Mooses Flaum,
Der Vogel auf den grünen Baum,
Der Mensch in seine stille Kammer,
Sich auszuruhn von Müh' und Jammer.
 
Doch tritt er aus der Hüttentür
Zuvor noch in die Nacht herfür,
Sich christlich erst bereiten muß
10 
Mit Liebesdank und Liebesgruß,
11 
Muß sehen, wie die Sterne blinken,
12 
Und noch den Odem Gottes trinken.
 
13 
Du, der von oben Wache hält,
14 
Du milder Vater aller Welt,
15 
Vernimm mein stammelndes Gebet,
16 
Das zu den hellen Sternen geht,
17 
Wollst mich von deinen Sonnenkreisen
18 
Im rechten Beten unterweisen.
 
19 
Ich war den Tag in deiner Hut,
20 
Behüt' auch heint mich, Vater gut,
21 
Durch deine milde Freundlichkeit
22 
Vorm bösen Feind und seinem Neid;
23 
Denn was den Leib mir mag befallen,
24 
Das ist das kleinste Leid von allen.
 
25 
O sende von dem Strahlenschein
26 
Den liebsten Engel zu mir ein
27 
Als Friedensboten unters Dach,
28 
Als Wächter in mein Schlafgemach,
29 
Daß Herz und Sinne und Gedanken
30 
Sich fest um deinen Himmel ranken.
 
31 
Dann geht der Tag so lustig fort,
32 
Dann klingt die Nacht ein Liebeswort,
33 
Dann ist der Morgen Engelgruß,
34 
Dem alles Böse weichen muß,
35 
Und wir hienieden schon auf Erden
36 
Wie helle Kinder Gottes werden.
 
37 
Und fällt der letzte Abendschein
38 
Einst in das müde Aug' hinein,
39 
Sehnt meine Seele sich hinauf
40 
Zum ewig sel'gen Sonnenlauf,
41 
So werden alle Engel kommen
42 
Mich heimzuholen zu den Frommen.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (26.7 KB)

Details zum Gedicht „Abendgebet“

Anzahl Strophen
7
Anzahl Verse
42
Anzahl Wörter
231
Entstehungsjahr
1769 - 1860
Epoche
Aufklärung,
Empfindsamkeit,
Sturm & Drang

Gedicht-Analyse

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Abendgebet“ des Autors Ernst Moritz Arndt. Im Jahr 1769 wurde Arndt in Groß Schoritz (Rügen) geboren. Die Entstehungszeit des Gedichtes liegt zwischen den Jahren 1785 und 1860. Von der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her lässt sich das Gedicht den Epochen Aufklärung, Empfindsamkeit, Sturm & Drang, Klassik, Romantik, Biedermeier, Junges Deutschland & Vormärz oder Realismus zuordnen. Die Richtigkeit der Epochen sollte vor Verwendung geprüft werden. Die Zuordnung der Epochen ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen. Da es keine starren zeitlichen Grenzen bei der Epochenbestimmung gibt, können hierbei Fehler entstehen. Das Gedicht besteht aus 42 Versen mit insgesamt 7 Strophen und umfasst dabei 231 Worte. Ernst Moritz Arndt ist auch der Autor für Gedichte wie „Elegie“, „Die Biene und der Lenz“ und „Leben“. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Abendgebet“ weitere 284 Gedichte vor.

+ Wie analysiere ich ein Gedicht?

Daten werden aufbereitet

Weitere Gedichte des Autors Ernst Moritz Arndt (Infos zum Autor)

Zum Autor Ernst Moritz Arndt sind auf abi-pur.de 284 Dokumente veröffentlicht. Alle Gedichte finden sich auf der Übersichtsseite des Autors.