Der Brand von Richard Dehmel
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Nur Zufall … Bleiern lag Berlin |
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im Abendlichte Dach an Dach; |
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trüb sah sie in das Feuer, |
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das drüben aus dem Giebel brach. |
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Die Flammen zuckten. |
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Im Rahmen meines Fensters, |
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so stand sie schwarz und stumm vor mir; |
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und im Nebenzimmer spielte |
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eine blasse Frau Clavier. |
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Drüben wühlte die Glut. |
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Die blasse Frau war meine, |
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und Diese stand so nah und hold; |
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flimmernd säumte der rote Schein |
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die lieben Locken mit dunklem Gold |
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und Funkengestiebe. |
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Es zog mich hoch: ich mußte, |
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ich wollte sie an mich ziehn. |
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Eine große trübe Wolke Rauch |
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kroch über ganz Berlin; |
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die Flammen erstickten. |
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Ich stand mit scheuen Händen, |
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das Spiel dort klang so seelenklar; |
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und oben über der Wolke glomm |
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und zitterte so wunderbar |
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ein blasser Stern … |
Details zum Gedicht „Der Brand“
Richard Dehmel
5
25
122
1893
Moderne
Gedicht-Analyse
Das Gedicht „Der Brand“ stammt von Richard Dehmel, einem deutschen Schriftsteller aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Das Gedicht beschreibt mehrere Szenen, die sich um einen Brandherd in einer Stadt, wahrscheinlich Berlin, abspielen.
Der erste Eindruck des Gedichts vermittelt ein Gefühl von Melancholie und Tragik. Es scheint wie eine beobachtende Erzählung der Ereignisse, die nicht nur physische, sondern auch emotionale Aspekte aufweisen.
Der zentrale Inhalt des Gedichts besteht darin, dass das lyrische Ich bei Einbruch der Abenddämmerung einen Brand in der Stadt Berlin beobachtet. Während des Brandes spielt eine „blasse Frau“ Klavier in einem Nebenzimmer und die Frau, wahrscheinlich die Ehefrau des lyrischen Ichs, steht „schwarz und still“ vor ihm. Die Frau wird äußerst attraktiv beschrieben, was zu einer intensiven emotionalen Reaktion des lyrischen Ichs führt. In der letzen Strophe wird die Emotion verstärkt, durch die Darstellung der Hände des lyrischen Ichs, die „scheu“ zu sein scheinen, und eines hervorgehobenen „blassen Sterns“.
Durch diese Beschreibungen scheint es, dass das lyrische Ich eine starke Leidenschaft oder gar Lust für die vor ihm stehende Frau hegt und diese Leidenschaft durch den Brand und die Musik symbolisiert wird. Es ist möglich, dass die Flammen und die Glut des Brands die Leidenschaft, das Begehren und den inneren Konflikt des lyrischen Ichs reflektieren.
Das Gedicht hat eine klare und einfache Struktur, jede Strophe hat fünf Verse. Die Sprache ist ebenfalls einfach und geradlinig, die Verse sind kurz und leicht verständlich. Besonders auffällig ist die wiederkehrende Verwendung von Farben, insbesondere „Bleiern“, „Schwarz“, „Rot“, „Dunkelgold“, „Trüb“ und „Blass“, um Stimmungen zu erzeugen und den emotionalen Inhalt des Gedichts zu verstärken. Die verwendeten Metaphern, wie „Flammen erstickten“ und „ein blasser Stern“, verstärken das emotionale Gewicht des Gedichts und lassen Raum für vielfältige Interpretationen. Die Verwendung direkter Anreden „Ich“ suggeriert eine persönliche und intime Atmosphäre.
Weitere Informationen
Richard Dehmel ist der Autor des Gedichtes „Der Brand“. Dehmel wurde im Jahr 1863 in Wendisch-Hermsdorf, Mark Brandenburg geboren. Die Entstehungszeit des Gedichtes geht auf das Jahr 1893 zurück. Erscheinungsort des Textes ist München. Das Gedicht lässt sich anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her der Epoche Moderne zuordnen. Bei dem Schriftsteller Dehmel handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epoche. Das Gedicht besteht aus 25 Versen mit insgesamt 5 Strophen und umfasst dabei 122 Worte. Die Gedichte „Chinesisches Trinklied“, „Dann“ und „Das Gesicht“ sind weitere Werke des Autors Richard Dehmel. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Der Brand“ weitere 522 Gedichte vor.
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Zum Autor Richard Dehmel sind auf abi-pur.de 522 Dokumente veröffentlicht. Alle Gedichte finden sich auf der Übersichtsseite des Autors.
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