Der Asket von Wilhelm Busch

Im Hochgebirg vor seiner Höhle
Saß der Asket;
Nur noch ein Rest von Leib und Seele
Infolge äußerster Diät.
 
Demütig ihm zu Füßen kniet
Ein Jüngling, der sich längst bemüht,
Des strengen Büßers strenge Lehren
Nachdenklich prüfend anzuhören.
 
Grad schließt der Klausner den Sermon
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Und spricht: Bekehre dich, mein Sohn.
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Verlaß das böse Weltgetriebe.
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Vor allem unterlaß die Liebe,
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Denn grade sie erweckt aufs neue
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Das Leben und mit ihm die Reue.
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Da schau mich an. Ich bin so leicht,
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Fast hab ich schon das Nichts erreicht,
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Und bald verschwind ich in das reine
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Zeit-, raum- und traumlos Allundeine.
 
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Als so der Meister in Ekstase,
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Sticht ihn ein Bienchen in die Nase.
 
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Oh, welch ein Schrei!
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Und dann das Mienenspiel dabei.
 
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Der Jüngling stutzt und ruft: Was seh ich?
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Wer solchermaßen leidensfähig,
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Wer so gefühlvoll und empfindlich,
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Der, fürcht ich, lebt noch viel zu gründlich
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Und stirbt noch nicht zum letzten Mal.
 
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Mit diesem kühlen Wort empfahl
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Der Jüngling sich und stieg hernieder
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Ins tiefe Tal und kam nicht wieder.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (25.9 KB)

Details zum Gedicht „Der Asket“

Anzahl Strophen
7
Anzahl Verse
30
Anzahl Wörter
170
Entstehungsjahr
nach 1848
Epoche
Biedermeier,
Junges Deutschland & Vormärz,
Realismus

Gedicht-Analyse

Das Gedicht „Der Asket“ stammt aus der Feder des Autors bzw. Lyrikers Wilhelm Busch. 1832 wurde Busch in Wiedensahl geboren. Die Entstehungszeit des Gedichtes liegt zwischen den Jahren 1848 und 1908. In Wiesbaden u. Berlin ist der Text erschienen. Das Gedicht lässt sich an Hand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her den Epochen Biedermeier, Junges Deutschland & Vormärz, Realismus, Naturalismus oder Moderne zuordnen. Die Angaben zur Epoche prüfe bitte vor Verwendung auf Richtigkeit. Die Zuordnung der Epochen ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen. Da sich die Literaturepochen zeitlich teilweise überschneiden, ist eine reine zeitliche Zuordnung fehleranfällig. Das vorliegende Gedicht umfasst 170 Wörter. Es baut sich aus 7 Strophen auf und besteht aus 30 Versen. Die Gedichte „Auf Wiedersehn“, „Auf den Sonntag früh Morgen“ und „Bedächtig“ sind weitere Werke des Autors Wilhelm Busch. Zum Autor des Gedichtes „Der Asket“ haben wir auf abi-pur.de weitere 208 Gedichte veröffentlicht.

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