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Titel / Referat: Trakl, Georg - Verfall (Interpretation)

Schlagwörter: Georg Trakl, Herbstgedicht, Interpretation eines Gedichts, Sonett, Kreuzreim Hausaufgabe, Referat


Georg Trakl - Verfall (Versuch einer Interpretation)


Das Gedicht „Verfall“ von Georg Trakl aus dem Jahr 1913 ist ein Herbstgedicht. Er schrieb es als Sonett in 5-hebigen Jamben mit ausschließlich weiblichen Kadenzen. Die Reimanordnung in den Quartetten ist umschließend (mit z.T. unreinen Reimen), während die Terzette wie ein Kreuzreim verzahnt sind. Dies zur Form.

Der Titel Verfall will so gar nicht zu dem friedlichen, träumerischen Beginn des Gedichtes passen. Bezeichnet er einfach das Wesentliche, was erst in Teil II kommt? Will Trakl seinen Leser warnen, sich zu sehr in die geschilderte Träumerei hineinziehen zu lassen? Beides ist möglich, schließt sich im Übrigen nicht aus.

Die Ausgangssituation ist folgende: Ein Ich, nehmen wir an ein junger Mensch wie Trakl, spaziert durch seinen Garten. Glocken läuten den Feierabend ein: „Frieden läuten“ sie, der Kampf des Tages – ums tägliche Brot – ist vorbei; der Mensch hat Ruhe, Muße, er kann sich umschauen. Das tut er auch und sieht Vogelschwärme über den Himmel ziehen. In den „herbstlich klaren Weiten“ ist die Jahreszeit angesprochen, und die Formation der Vögel und ihr Ziel im Süden lassen ihn an Pilgerzüge denken, ja stärker noch, er träumt sich quasi mit ihnen fort. Trakl unterstreicht das Ruhige, Träumerische der Situation durch metrische und syntaktische Mittel: So glätten drei schwebende Betonungen (Fólg ich / Hínwandelnd / Träum ich) die dem Metrum ursprünglich innewohnende Bewegung, und das Partizip Präsens betont das Zustandshafte. Ein Enjambement verhindert zugleich einen Bruch am Ende des ersten Verses der zweiten Strophe. Er ist so entrückt, dass er den Gegensatz zwischen seiner konkreten Umwelt, dem „dämmervollen Garten“, und den „helleren Geschicken“ der Vögel gar nicht mehr wahrnimmt. Hell steht für Wärme, für Süden: Nicht von ungefähr wird der Winter bei uns die dunkle Jahreszeit genannt. So intensiv ist sein Tagtraum, dass er die Zeit, die verrinnt, gar nicht mehr bemerkt. Mit dem betonten „Só“ fasst er die beiden ersten Strophen inhaltlich zusammen, bringt sie zum Abschluss mit der Feststellung, dass er mit den Vögeln fliegt, gefühlsmäßig zumindest, und somit der ihn umgebenden Realität entflohen ist.

Doch nun passiert etwas, das „Da“ in der schwebenden Betonung weist deutlich darauf hin: Ein „Hauch ... von Verfall“ ´macht ihn erzittern! War es ein abendlich kühler Luftzug? Dann wäre das Erzittern als bloße körperliche Reaktion im Grunde ohne Belang. Doch es heißt ja „von Verfall“! Wir waren auf diesen Verfall schon aus der Überschrift vorbereitet, und auch der abendliche Spaziergänger sieht und hört jetzt, was er bislang vielleicht nur unbewusst wahrgenommen hat, nämlich die Anzeichen des herbstlichen Verfalls der Natur und des grundsätzlichen Verfalls alles Bestehenden. Damit gewinnt aber sein Erzittern eine ganz neue Qualität: Der herbstliche Verfall der Natur wird kaum einen jungen Menschen so stark anrühren, weiß er doch, dass in wenigen Monaten alles wieder blüht. Die starke Emotion ist nur vorstellbar, wenn wir unterstellen, dass er sich durch den jahreszeitlichen Verfall an die eigene Vergänglichkeit hat mahnen lassen! Nun zu den Bildern der beiden letzten Strophen im Einzelnen: Die entlaubten Zweige sind sinnfälliges Zeichen des Spätherbstes und weisen wohl kaum über sich hinaus; die Klage der Amsel dagegen ist schon Projektion der eigenen Stimmung. Schwanken meint nicht nur eine bestimmte Art der Bewegung, es geht auch dem Fallen, dem Niedergang voraus. Weinlaub verfärbt sich erst prächtig, doch dann fällt es ab. Über die Alliteration „roter Wein ... rost’ge Gitter“ wird sozusagen organischer und anorganischer Verfall per Stilmittel verbunden. Die bis hierher aufgebaute traurige Verfallsstimmung steigert Trakl in einem gewagten Bild in der letzten Strophe, in der dann auch der folgerichtige Schlusspunkt der aufgezeigten Entwicklung konkret genannt wird: der Tod. Um einen dunklen, verwitternden Brunnen herum – die Stimmung wird düstrer – stehen blaue Astern, bewegen sich im Wind, besser werden bewegt. Dass sie sich „fröstelnd neigen“, ist zwar richtige, dennoch absolut subjektive Sicht des Betrachters. Dies wird vollends deutlich, wenn er sie mit blassen Todeskindern vergleicht, die um den Brunnen einen schrecklichen Reigen tanzen. Dieser Vergleich hat für mich etwas sehr Beunruhigendes: Sind Kinder denn nicht dem Leben gegeben, stehen sie nicht für dieses schlechthin, weil sie noch so weit weg sind vom Tod? Man sollte es doch meinen, auch wenn man dann aus heutiger Sicht eine ganze Reihe von Bildern aus den Elendsgebieten dieser Erde erst wieder aus dem eigenen Bewusstsein streichen müsste.

Insgesamt und abschließend wäre zu dem Gedicht zu sagen, dass hier ein Mensch, ausgehend von der Beobachtung des herbstlichen Verfalls in der Natur, an die eigene Vergänglichkeit gemahnt wird. Auch wenn wir das lyrische Ich nicht mit dem Autor gleichsetzen dürfen, so ist es doch eine seiner Möglichkeiten, ihm verwandt und auch noch jung. Gerade für einen jungen Menschen ist aber diese emotionale Nähe zum Tod erstaunlich. Oder war Trakl einer jener empfindsamen Typen, die das Unheil und Grauen des bald aufflammenden Krieges sozusagen vorausahnten?





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