Hausaufgaben, Referate, Facharbeiten, Hausarbeiten - abi-pur.de hilft!

>> zur Hauptseite
>> Referate-Suche
>> Nachhilfe im Internet
>> Referat melden!

>> Abi-Reise planen
>> Abi-Zeitung gestalten
>> Sprachreise planen



Suche
  Durchsucht abi-pur.de!
>> zur Referate-Suche
>> Fragen? - Ab ins Forum!
>> Referat melden!
>> Referat bewerten

>> Jetzt mit Deinen Hausaufgaben helfen!!!
Hausaufgabe oder Referat einsenden und bis zu 25 Frei-SMS kassieren.

Titel / Referat: Tucholsky, Kurt - Vision (Interpretation)

Schlagwörter: Kurt Tucholsky, Vision, Interpretation, Erzählung Hausaufgabe, Referat


Kurt Tucholsky: Vision   (Versuch einer Interpretation)

Tucholsky unternimmt in seiner Erzählung „Vision“ den Versuch, seinen Lesern die Schrecken des Krieges in Erinnerung zu rufen und gleichzeitig vor einem neuen Krieg zu warnen. Für den Ich Erzähler im Text dürfen wir wohl Tucholsky selbst einsetzen.

Im Gegensatz zu den Erwartungen, die der Titel Vision weckt, beginnt der Text ganz konkret: mit der Schilderung einer Alltagsszene in Paris am 28. Juli 1924. Tucholsky ist sich nicht ganz sicher, welchen Bus er nehmen muss, um zu einer bestimmten Straße zu kommen. Also fragt er den Schaffner, und dieser gibt ihm „nett und höflich“ Auskunft. Er bedankt sich. Dies ist die Realität zwischen Deutschen und Franzosen im Jahr 1924 oder doch nicht? „Das wäre also heute“, schreibt Tucholsky, ist das Umgangssprache, dieser eigentlich ungerechtfertigte Irrealis Da wären wir, das hätten wir geschafft, wenn wir tatsächlich da sind oder etwas geschafft haben , oder will er damit auf das Unwirkliche, Zerbrechliche, nur Oberflächliche der Situation hinweisen? Ich weiß es nicht; denkbar ist beides. Auf alle Fälle regt ihn die kleine Szene an, seine Alltagsbegegnung mit einigen Franzosen in Gedanken um einige Jahre zurückzuverlegen, in jene Zeit, die er nie beim Namen nennt, die er immer nur mit „in jenen Jahren“ umschreibt. Als Vision, unwirklich, im Irrealis erlebt er nun, wie sich im Krieg der Busschaffner und der Métroangestellte bemüht hätten, ihn umzubringen, mit dem Bajonett abzustechen, zu erschießen, „vor Angst, aus Pflichtbewusstsein, nach Kommando“. Vielleicht war es von allem ein bisschen einen Vorwurf hören wir nicht heraus: Nicht Mordlust lebt sich da aus; was mit Schaffner und später Milchhändler und Redaktionskollegen so grotesk, absurd, sinnlos wirkt, ist im Krieg Realität, nicht von allen, aber doch von vielen, zu vielen als sozusagen gottgegeben akzeptiert.

Wenn Tucholsky auf seine eigene, aktive Rolle in diesem Gedankenspiel zu sprechen kommt, wird er durch die Verwendung des Indikativs um eine Stufe wirklichkeitsnäher: Er spricht von seiner Pflicht, die er als ehemaliger Soldat durchaus kennt, Tod und Leid zu verbreiten. Und wieder sind es nicht gegnerische Soldaten, Feinde, Angehörige einer anderen Nation, sondern Menschen mit zivilen Berufen, die so das Unmenschliche am Krieg besonders betonen.

Die abschließende doppelte Feststellung „Das war meine Pflicht, das war ihre Pflicht“ beinhaltet keinerlei Vorwurf, weder an seine Mitmenschen von der anderen Seite, noch an sich selbst sie kann nur als Anklage gegen den Krieg gesehen werden, der den Menschen solche Pflichten auferlegt.

Ein ganz deutlicher Vorwurf ist allerdings aus dem nächsten Abschnitt herauszuhören und zwar an beide Seiten: Dass man nämlich „fast gar nicht, ungern, zögernd“ über „diese einzige Lebensfrage“ spricht, ob es je wieder zu einem Krieg zwischen Deutschland und Frankreich komme bzw. wie man ihn verhindern könne. Tucholsky spricht sich nicht gegen das friedliche, freundschaftliche Zusammenleben aus, aber ihm sind Gesten des gutnachbarlichen Miteinanders, Minister und Theaterbesuche zu wenig, wenn sie diese Lebensfrage zweier Nationen, aussparen. Er selbst meldet sich dann als engagierter Pazifist doch zu Wort, z.B. mit vorliegendem Text.

Die Dringlichkeit der aufgeworfenen Frage macht Tucholsky mit einer zweiten, in die Zukunft gerichteten Vision deutlich. Er entwirft ein grauenhaftes Szenario mit Granaten und Giftgas, das in einem wahren Weltuntergangsbild endet, wenn „sich morgen alle: Omnibusschaffner, Métrokontrolleur, Universitätslehrer und Milchhändler, in eine heulende, tobende Masse verwandeln, die nur den einen Wunsch hat, aus den Berufsgenossen der anderen Seite einen stinkenden Brei zu machen, der in den Sandtrichtern verfault...“

Die in der Schlusszeile wiederholte Frage „Morgen wieder? Morgen wieder ?“ macht deutlich, wie ernst es ihm mit dieser an Frankreich und Deutschland gerichteten Frage nach dieser schrecklichen Vision ist, wobei die nationale Einschränkung von der konkreten Szene zu Beginn der Erzählung herrührt. Sinngemäß ergeht der Appell Tucholskys sicher an alle Völker Europas, wenn nicht der Welt.

Nun, seit der Abfassung des vorliegenden Textes sind 65 Jahre vergangen; die Geschichte hat aus Tucholskys beunruhigten und beunruhigenden Fragen im Zweiten Weltkrieg schreckliche Realität werden lassen, und auch heute, nachdem auch dieser Krieg überwunden ist und wir alle „wieder friedlich“ sind, scheint zwar ein Krieg zwischen Frankreich und Deutschland nicht mehr möglich, aber auf ein friedliches Miteinander zwischen Ost und West bzw. zwischen Nord und Süd hoffen wir wohl eher, als dass wir fest daran glauben.





Referate-Suche | Hauptseite | Detail-Ansicht | Referat melden!