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Titel / Referat: Büchner, Georg - Woyzeck (Szeneninterpretation, 4. Szene: Kammer)

Schlagwörter: Szeneninterpretation Soziales Drama, Georg Büchner Hausaufgabe, Referat

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Szeneninterpretation Soziales Drama: „Woyzeck“

4. Szene: Kammer
Seit jeher galt man als angesehen, wenn man Gegenstände besitzt, die auch eine ästhetische Komponente erfüllen. Besonderen Stellenwert haben dabei Gebrauchsutensilien erworben, die selten und schön anzusehen sind. In der Geschichte des Menschen hat sich dieser Kult so weit entwickelt, dass solche Dinge nur noch einen sekundären Zweck besitzen, sie dienen zur Zierde, und haben gar keine andere Funktion außer der optischen Aufwertung oder der Repräsentation Wohlstand und Macht. Beispiele dafür gibt es viele, so legte man schon vor Tausenden von Jahren den Verstorbenen Ziergegenstände, wie aufwändig gestaltete Kämme oder Bernsteine ins Grab, während einige Herrscher der vergangenen Zeitepochen diese Art von Gegenständen dazu nutzten, um ihre Fülle an Macht und Erfolge eindrucksvoll zu präsentieren (Stichwort: Kronjuwelen). Es wurden dabei Funde und Beutestücke aus fern liegenden Ländereien verwandt, etwa Federn des Paradiesvogels von der Insel Neuguinea. Sie bestachen durch Optik (hohe Farbigkeit) und Seltenheitswert, denn Neuguinea ist für Schiffsreisende zeitlich und räumlich sehr weit weg von Europa. Daher ihre hohe Attraktivität in der damaligen Damenwelt, durch ihren Wert waren diese Dinge begehrlich.

Im neunzehnten Jahrhundert klaffte die Schere zwischen Arm und Reich, ebenso zwischen angesehen und ehrlos, noch weiter auseinander als in der heutigen Zeit. Denn damals war, im Gegensatz zu den jetzigen Umständen, immer klar durch das Feudalsystem vorgegeben, wer eine Stimme hat. Es profitierte vor allem der Adel ganz erheblich, sodass sich dort ganz andere Strömungen, sowohl Modeerscheinungen als auch Geistesbewegungen, durchsetzen konnten. da man auch nur als sehr wohlhabend oder adlig dazu in der Lage war, sich außerordentliche Bildung anzueignen. Der weitaus größere Teil der Gesellschaft schaffte diesen Wohlstand durch unermüdliche Tätigkeit. Wer nicht willens war zu arbeiten oder schwächelte, war gerade in der Periode des Industrialisierungszeitalters ganz schnell hinweg genommen und ausgetauscht. Die Mitglieder derart niedrig gestellter sozialer Schichten, hatten, vor allem in den rasch wachsenden Städten, kaum Schutzvor der Ausbeutung. Und zu dieser Menschengruppe zählte auch Franz Woyzeck, der Protagonist in dem gleichnamigen sozialen Drama Georg Büchners, 1936 verfasst. Woyzeck ist Stadtsoldat einer kleineren Universitätsstadt Hessens, zu etwa der Lebenszeit des Autors und wohl auch in einem ähnlichen Umfeld wie dieser. Woyzeck tritt in diesem Drama als ein fleißiger Familienvater auf, der sich sehr um die wirtschaftliche Grundlage seiner kleinen Familie, bestehend aus seiner Lebensgefährtin Marie und ihrem gemeinsamen Sohn. Das Paar ist gesellschaftlich ganz weit unten, denn Marie trägt nicht zum Unterhalt der Familie bei, während Franz nur niederste Arbeit für Bettellöhne verrichtet, obwohl er sein Einkommen als Söldner schon durch zusätzliches Engagement u verbessern sucht. Die soziale Spannweite des dramatischen Werkes verdeutlicht Büchner auch durch die Verwendung des genretypischen Soziolektes. Dabei wird jeder Schicht ein charakterisierender Sprachstil zugeordnet. Weiterhin auffällig ist, dass die Vertreter gehobener Stände, wie der Doktor oder der Vorgesetzte Woyzecks, der Hauptmann, nur als namenlose Typen geschildert werden, während Franz und Marie wie auch Andres, ein Freund und Kollege Woyzecks, als Charakter und mit Namen versehen, Schilderung erfahren.

Ein Zusammentreffen von Franz und Marie findet in Mariens Kammer statt, als Woyzeck sie bei der Betrachtung ihrer Ohrringe, die sie von ihrem neuen Lover, dem Tambourmajor, bekommen hatte, stört und verunsichert zur Rede stellt, ihr das erarbeitete Geld gibt und wieder loszieht. Das Treffen findet in etwa vor der Rasur des Hauptmannes durch Franz statt, doch ist dies eindeutig nicht so zu wissen, da das Drama nur in Fragmenten erhalten geblieben ist und die Anordnung dabei nur rekonstruiert wurde.

Marie singt also aus Glückseligkeit, solch ein begehrenswertes Kleinod empfangen zu haben, ihrem Büblein ein Liedchen von der Reise in das „Zigeunerland“, mit dem „Zigeunerbu“. Daraus lässt sich ableiten, dass sie sich durchaus Hoffnungen macht, ihrem irdischen Elend und Missstand zu entfliehen, durch eine Liaison mit dem Tambourmajor, dessen Geschenke sie am Ohre baumelnd mit Zufriedenheit und Hoffnung im Spiegel betrachtet. Dabei ist ihr die Auswirkung ihres Planes, der für Woyzeck einen weiteren Sturz in die soziale Tiefe bedeuten würde, nicht bewusst, bzw. sie misst dem Umstand keine Bedeutung bei. Auch wenn sie es nicht zugegeben hätte, es muss ihr klar gewesen sein, wie unwahrscheinlich der ersehnte Fall doch für sie gewesen wäre. Denn wie hätte sie mit dem Knäblein verfahren? Dieses blendet sie nämlich im folgenden Absatz ganz bewusst aus, mit der Aufforderung: „Still Bub, die Auge zu!“. Sie wiederholt dies, was ihre Unsicherheit, aber ihren festen Willen, doch wenigstens einen Teil ihres Planes wirklich werden zu lassen, nämlich die Trennung von Franz, äußert. Ganz selbstverliebt sieht sie sich im Spiegel an, dabei ihren Glanz bemerkend. Woyzeck tritt ganz unvermittelt, aber auch unpassend herzu und bemerkt ihre sofortige Reaktion, die Ohrringe mit den Händen zu verbergen, sehr wohl. Er spricht sie direkt darauf an, weil er ihr auch den Schreck über sein Hinzukommen ansieht. Marie versucht sich ihm vergeblich zu entwinden, indem sie die abstruse Lüge, beide typgleiche Ringe gefunden zu haben, ihm als Erklärung bietet. Dem Soldat ist seine Ungläubigkeit anzumerken („Ich hab‘ so noch nix gefunden, zwei auf einmal.“), doch durchschauter Marie und erscheint nachlässig über ihre Verschlagenheit. Sicherlich auch, weil er seine Existenz zu bewahren sucht und ihm ein Streit mit Marie nichts weiteres als Resignation und eine Beschleunigung der absehbaren Trennung hervorrufen würde. So besänftigt er sie mit dem verdienten Lohne, um sie wieder fester an sich zu binden, da er ihr nicht die Körperlichkeit oder den Putz des Majors, der diesbezüglich zum Nebenbuhler für ihn ward, aufzuweisen vermag. Die Mutter seines Sohnes erkennt dieses Manöver nicht besonders schnell, sondern nimmt die Geldmittel dankend an sich. Nach dem Abtritt Woyzecks wird ihr allmählich ihre Schuld klar. Sie bereut, doch wirft sie solche Gedanken dann auch wieder rasch von sich, mit der Erkenntnis „Ach? Was Welt? – Geht doch alles zum Teufel […].“ Sie relativiert ihr Vergehen durch die direkte Pauschalisierung, denn ihr ist bekannt, dass vielerorts nicht anders gefühlt, gedacht und gehandelt wird. So kann sie sich nicht so recht entscheiden, und die abtrünnige Macht, das Von-Woyzeck-Weg-Wollen dominiert wieder ihre Gefühlswelt, denn sie unterscheidet nicht präzise. Sie sieht Franz als Faktor für ihr Elend, der sie am Ausbruch hindert, während sie durch ihre natürliche Schönheit den Schlüssel zum sozialen Aufstieg in sich trägt. Dass der Tambourmajor nur ein ganz kleiner Schritt dabei für sie in diese Richtung ist, und dieser selbst kein Interesse an einer länger dauernden festen Beziehung hat, wei0 sie mit Sicherheit, doch beweist sie sich auch darin wiederum meisterhaft. Ihr ist es durch ihre gesellschaftliche Position mit Hilfe intensiven Trainings zum Mittel des Selbstschutzes geworden – Selbsttäuschung.

Für Marie und vielleicht auch ihren Sohn erträglich, für Franz Woyzeck auf Dauer nicht tragbar – das Stück endet, wie die Genrebezeichnung „Drama“ schon in sich trägt, tragisch. Franz vollzieht im Zustand des Wahnes den Mord an Marie, die sich immer offener dem Tambourmajor zuwandte und hingab.

Daraus ist zu schlussfolgern, dass es sehr wichtig ist Probleme anzusprechen. Zum Mord führten viele Faktoren, doch wie hätte er von sich aus verhindert werden können? Indem die beiden offen über Wünsche, Erwartungen und Gefühle gesprochen hätten. Der Woyzeck wollte es nichtwahrhaben, was mit und durch Marie geschah, während dieselbe ihre Absicht, Franz zu hintergehen, verheimlichte. Das ist schändlich und hat in diesem (fiktivem)Fall zu einem bösen Ende geführt. Oder war es so gewollt von Büchner, dies als den Optimalfall für den Protagonisten darzustellen, den besten Ausweg aus der Situation, sie radikal zu beschneiden, zu wählen? Ich hoffe nicht, doch könnte er sich auch den Satz seines Zeitgenossen Ferdinand von Schill zu Herze genommen haben: "Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende." Wir wissen es nicht.

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