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Titel / Referat: Dürer, Albrecht - Melencolia I (Interpretationsansätze)

Schlagwörter: Eines der drei Meisterstiche Albrecht Dürers, Melencolia I, melancholische Grundströmung, Helmut Böhme, Johann Konrad Eberlein, Günther Regel, Bildinterpretation, Bildbeschreibung, eine Zusammenfassung der Interpretationsansätze Hausaufgabe, Referat

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Melencolia - Albrecht Dürer

„Melancolia1“ ist nicht nur der wohl berühmteste Meisterstich des Renaissance-Künstlers Albrecht Dürer, sondern darüber hinaus aufgrund seiner komplexen Symbolik sein wahrscheinlich rätselhaftestes Bildwerk. Interessant ist es vor allen Dingen im Hinblick auf die Epoche, in der es angefertigt. worden ist, nämlich die Renaissance, die den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit kennzeichnet, und deswegen häufig auch als Epoche des Umbruchs bezeichnet wird. Die katholische Kirche, die zuvor großen Einfluss auf das Leben der damaligen Menschen ausgeübt hat, indem sie beispielsweise lehrte, ein Christ könne nur durch gute Taten, einen Platz im Himmelreich erlangen und ein Großteil der Bevölkerung deswegen auch hohe Summen für Ablassbriefe ausgab, verlor nun ihre Allmacht. Insgesamt war die gesellschaftliche Situation sehr unübersichtlich. Die Menschen fingen an, den Sinn ihres Lebens zu hinterfragen und wussten auf einmal nicht mehr, worauf sie nach ihrem Tod überhaupt hoffen konnten, nach welchen Prinzipien sie sich richten sollten und welchen Sinn das Leben im Allgemeinen hatte. Genau deswegen war der Beginn der Neuzeit auch begleitet von einer melancholischen Grundströmung, was sich eben größtenteils in der Kunst zeigte.

Auf den ersten Blick wirkt „Melencolia1“ zunächst sehr überfüllt, wenn nicht sogar leicht chaotisch. Die wichtigste Person ist eine engelhafte, geflügelte Gestalt, die in Denkerpose auf der flachen Stufe eines Steinplateaus sitzt. An ihrer Seite befindet sich ein Putto, der als Vermittler der irdischen und himmlischen Sphäre angesehen wurde, und in dem Bild mahlend auf einem Mühlstein sitzt. Zu Füßen der geflügelten Gestalt liegt ein Hund, der aufgrund seiner abgemagerten Gestalt einen äußerst kränklichen Eindruck macht. Um die zentrale Hauptfigur herum liegen eine Reihe von Gegenständen wie Hammer, Zange, Nägel und Hobel, die als Werkzeuge eines Wissenschaftlers angesehen werden können. Über der Hauptperson befindet sich ein magisches Zahlenquadrat, das aus insgesamt sechzehn Zahlenkästchen besteht und bei dem - wie für ein Zahlenquadrat üblich- die Summe jeder Zahlenreihe gleich ist. In Dürers Beispiel ergibt dabei jede Reihe aufsummiert die Zahl 34, die im Jahr 1514 das Alter Dürers beschreibt. Die daneben hängende Sanduhr, sowie die Glocke sind wohl ein Symbol für die Vergänglichkeit des Lebens (vanitas mundi).Durch eine Art Fenster erkennt man das Meer, sowie eine Küstenlandschaft.

Die verschiedenen Objekte, die das Bild ausfüllen, sowie deren Symbolik regen den Betrachter nicht nur zum Nachdenken an, sondern lassen auch ganz neue Fragestellungen zu der Weltanschauung der Neuzeit und zur Person Dürers aufkommen, was sich in den zahlreichen Interpretationen widerspiegelt, an denen sich bis heute viele Schriftsteller und Kunsthistoriker versucht haben. Im Folgenden möchte ich einige dieser Interpretationsansätze aufführen und erläutern.

Helmut Böhme beschrieb den Stich im Jahr 1989 als ein Denkbild und im weiteren Sinne- weil man das Denken ja nicht sehen könne - als ein Paradox. Das Bild stelle die beiden Grundprinzipien der Philosophie dar, nämlich Nachdenken und Bewusstsein. Dürer hole mit den handwerklichen und technischen Praktiken, der Astronomie und der Astrologie alle Wissenschaften seiner Zeit in den melancholischen Blickwinkel herein. Für ihn ist das Bild die Landschaft eines Denkens, dem die Welt fragwürdig und problematisch geworden ist. Des Weiteren nehme Dürer in sein Kunstwerk Formen des Subjektiven, wie die Naturzonen Land, Meer und Himmel ebenso herein wie den Kosmos, die göttliche Sphäre im Hintergrund, die das menschliche Können begrenzt. Alles in allem ist der Stich laut Böhme „eine Landschaft eines Denkens, dem die Welt fragwürdig und problematisch geworden ist.

Der deutsche Buchautor und Kunstwissenschaftler Johann Konrad Eberlein bezog sich in seiner Interpretation auf die beiden Bildtraditionen, die Dürer in seinem Stich verschmolzen hat, nämlich die Darstellung der Geometrie und die der Melancholie. Während die Geometrie die bildenden Künste schlechthin personifizierte, gehörte die Melancholie zu den vier Temperamenten (Sanguiniker, Phlegmatiker, Choleriker, Melancholiker) aus Aristoteles Temperamentenlehre, von denen der Melancholiker, der den traurigen und immerzu nachdenklichen Menschen charakterisierte, als der mit den schlechtesten Eigenschaften angesehen wurde.

In der Renaissance wurde die Melancholie allerdings erheblich aufgewertet, und avancierte bald sogar zum Kennzeichen des schöpferischen Ausnahmemenschen. Dessen Verbindung zur Geometrie ergibt sich aufgrund der Vorstellung, dass das melancholische Temperament unter dem Einfluss des Saturn stünde, der als Überwacher der Landvermessung, eine enge Beziehung zur Geometrie hatte. Das magische Zahlenquadrat in Dürers Stich könnte somit als Talisman gegen den Einfluss des Saturns gedeutet werden. Mit dem Wissen, dass Dürer sich selbst für einen Melancholiker hielt, kommt man natürlich schnell zu dem Schluss, dass die „Melencolia“ ein geistiges Selbstbildnis des Künstlers Albrecht Dürer ist.

Der Kunstpädagoge Günther Regel führte den Hauptaspekt, dass es sich bei der geflügelten Gestalt um einen schöpferischen Ausnahmemenschen handele, noch weiter aus. So gebe das Bild dem Betrachter die Fragestellung auf, ob die Beschäftigung mit der Wissenschaft zwangsläufig zu Schwermut führe, weil der Wissenschafter letztendlich doch nur zu der Erkenntnis erlange, dass man die Rätsel der Welt nicht lösen könne, da es dem Menschen an Kraft und Fähigkeit fehle, in die Geheimnisse der Natur einzudringen. Der Leitgedanke dieser Grafik, liege darin, das Gefühl der Einsamkeit und der Not des schöpferischen Menschen zu vermitteln. Der Hauptsinn der Zeichnung könne außerdem in der sog. Apotheose (Verherrlichung, Erhebung) des Schöpfertums liegen, das seine Natur nach Konflikten Höhen und Tiefen durchkämmt, die durchlebt werden müssten.

In der Interpretation des Dürer-Biographen Moritz Thausing ist die geflügelte Gestalt eine Personifikation der menschlichen Vernunft am Rande ihrer Kraft anzusehen, da sie erkennen muss, dass wir Menschen im Grunde nichts wissen. Die unheimliche Beleuchtung des Firmamentes durch einen Regenbogen und eines Kometen, unterstreicht diesen Gedanken. Interessant an Thausings Interpretation ist außerdem die Idee, dass die Zahl eins im Bildtitel beweise, dass Dürer eigentlich eine Folge der oben genannten vier Temperamente darstellen wollte, die mit der Melancholie beginnen sollte. Ob „Melencolia1“ nun tatsächlich als das erste Werk einer Bildfolge angefertigt worden ist, bleibt allerdings offen, da die Renaissance ja, wie oben erwähnt, die Hochblütezeit der Melancholie war und die Wahrscheinlichkeit, dass Dürer tatsächlich allein die Melancholie darstellen wollte, somit recht hoch ist.

Wie das folgende Zitat beweist, hielt sich auch der russische Kunsthistoriker Michail Alpatow an diese Deutung und bezieht sich dabei vor allen Dingen auf die geschichtliche Epoche, aus der Dürers Kunstwerk stammt. „Die ‚Melencolia1’ Dürers ist so stark in sich versunken, als hätte sie für immer jeglicher Tätigkeit entsagt; hinter ihren Schultern werden Flügel sichtbar, aber sie fliegt nicht (…); sie hält einen Zirkel in der Hand, sieht ihn aber nicht an; der geflügelte Amor hat sein neckisches Spiel eingestellt, und der Hund hat sich zusammengerollt und schläft. (…)“ Des Weiteren schrieb er, dass in dem Kunstwerk mit Gefühlslagen wie Grübeln, Enttäuschung, Zweifel, Müdigkeit und Trauer all das zum Ausdruck werde, was den Menschen in der Zeit des Umbruchs nur allzu häufig heimsuchte.

Diese Gefühle in der Zeit des Umbruchs spielen auch in Rose-Marie und Rainer Hagens Bildinterpretation eine tragende Rolle. Diese deuteten die große Anzahl an beziehungsreicher Details, die der Betrachter –wie zu Anfang erwähnt- zunächst vor allen Dingen als ungeordnet wahrnimmt und den Stich überladen aussehen lassen, nämlich durchaus als von Dürer gewollt, da dieser Eindruck die Sichtweise des Melancholikers widerspiegele. Für ihn sei die Ordnung, die ein Handeln ermögliche, nämlich aufgelöst. Die Welt erscheine ihm stattdessen voll von bedrückenden Rätseln.

Die vorangegangenen Interpretationsansätze, die ich aus einer ganzen Reihe von Bildauslegungen herausgefiltert habe und die aus der Feder von den verschiedensten Kunsthistorikern und Geschichtswissenschaftlern stammen, laufen allerdings im Großen und Ganzen allesamt in die gleiche Richtung. In fast allen Interpretationen wird Dürers Kunstwerk als Produkt einer aufgewerteten Melancholie gedeutet, während die geflügelte Hauptperson einen Menschen kennzeichnet, den die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Neuzeit nicht weiterbringen und ihn stattdessen in eine „Faustische Verzweiflung“ verfallen lassen.

Dass das Bildwerk auch zum heutigen Zeitpunkt noch äußerst beliebt und in Folge dessen kontrovers diskutiert wird, könnte sich dadurch erklären, dass wir uns inzwischen möglicherweise wieder in einer melancholischen Phase befinden. Darauf schließen lassen sämtliche, oftmals aufgrund von Naturkatastrophen herbeigeführte Untergangsszenarien, die unter Anderem in Filmen wie „The Day After Tomorrow“ oder auch James Camerons Meisterwerk „Avatar“ visuell veranschaulicht wurden und die Zukunft des modernen Menschen ungewiss, wenn nicht sogar schrecklich erscheinen lässt.

Betrachtet man Albrecht Dürers Kunstwerk allerdings aus einem philosophischen Blickwinkel, so verliert das Bild und der darin verarbeitete Grundgedanke, dass die Beschäftigung mit allen uns bekannten Wissenschaften, einen nicht die Mysterien dieser Welt erklären lassen, und somit in all seiner schlichten Logik faszinierend und deprimierend zugleich erscheint, womöglich niemals seine Aktualität.


Quellen:

 

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