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Titel / Referat: Russland - Erfahrungsbericht aus einem Schüleraustausch

Schlagwörter: Staraja Russa, ehemalige Sowjetunion Hausaufgabe, Referat

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Russland - ehemalige Sowjetunion


Was wir von den Russen lernen können
Fast alle Leute der großen Industriestaaten finden, dass nur die Russen noch sehr viel von uns lernen müssen. Sie denken dabei jedoch nur in den Dimensionen unserer Form des Kapitalismus. Denn hier stellen Geld, Freizeit, Konsum und ein Übermaß an Konsumgütern bedeutende Lebensinhalte dar. Dort (in den russischen Familien, bei denen ich zu Gast war) ist das anders. Geld ist knapp. So muss sich niemand überlegen, was er mit seiner vielen Freizeit anfangen kann (Hobbies usw. erfinden). Die Familien rücken zusammen und bepflanzen in ihrer Freizeit große Gärten und halten Vieh, um über die Runden zu kommen. Und trotz des Wenigen teilen sie bereitwillig in der Familie und mit ihren Gästen. Die soziale Einstellung, die sozialen Verhaltensweisen, die Einstellung gegenüber Gästen, das Organisationstalent, aus nichts etwas zu zaubern, sind Dinge, die bei uns ganz anders sind.

Von diesen Aspekten aus gesehen sind die Menschen in Russland der Bevölkerung aller großen Industrienationen um einige Schritte voraus. Und wo die Lebensqualität im Endeffekt trotz aller Mängel größer ist, das ist wohl eine Sache der Gewohnheit und der Definition. Aber eine Rückbesinnung auf die Werte, wie ich sie in Russland kennenlernte, würde uns mit Sicherheit nichts schaden.

Auf unserem Schüleraustausch haben wir diese Erfahrungen machen dürfen. Allen deutschen Gästen wird vor allem die Gastfreundschaft, die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Gastfamilien und der russischen Lehrer wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Auch die Konsumunabhängigkeit der russischen Menschen wird manchem vielleicht eine Lehre sein, in Zukunft sparsamer und genügsamer mit Gütern umzugehen. Vielen ist natürlich auch das außergewöhnliche Engagement der russischen Lehrkräfte bei den vielen Empfängen und Fahrten aufgefallen. Auch das ist bei uns nicht so. Hier zählen Lehrer (nicht alle, aber die Zahl wird immer größer) die Stunden auf, die sie zusätzlich arbeiten müssen. Das Verhältnis der russischen Schüler zum Allgemeingut Schule und Schulinventar ist völlig anders. Mobiliar und Lehr- und Lernmittel sind entsprechend intakt. Auch hier halten wir deutschen Schüler einem Vergleich nicht stand. Anmerkung: Wie auf Lehrerseite sind hier auch nicht alle deutschen Schüler gemeint, aber die Zahl der Vandalen erhöht sich. Auch bei offiziellen Veranstaltungen kam es bei den russischen Schülern nie zu Ausfällen.

Wenn wir alle auch nur ein bisschen von diesen sozialen Einstellungen der Russen übernähmen, würde dann unsere Gesellschaft nicht gleich viel besser???


Tagesbericht, Mittwoch, den 18.09.1996
Handwerkliche Kunst wie Töpfern, Holz - Schnitzereien, Herstellen von Bildern aus Naturmaterial steht in Staraja Russa ganz hoch im Kurs. Das merkten wir Deutschen sehr schnell. Denn viele von uns hatten Gastgeschenke erhalten, die mit viel künstlerischem Geschick selbst hergestellt waren. Diese Fertigkeiten werden bereits im Kindergarten und später in Schule und Kunst - Schule vermittelt. Deshalb waren wir neugierig auf unseren ersten Programmpunkt des heutigen Tages: Besuch der städtischen Kunstschule und des Künstlerateliers des bekannten Grafikers Nikolai Lokotkow, der an dieser Schule unterrichtet. Der zweite Programmpunkt folgte nachmittags: Teilnahme an der Einweihung eines Krieger -Ehrenmahls für die Gefallenen der 5. Jägerdivision im Wald von Bolschoj Gorbi in der Nähe von Staraja Russa. Der Unterschied zwischen beiden Programmpunkten war natürlich sehr groß. Während alle schon einmal in einem Kunst - Museum oder einer Bilderausstellung waren, so etwas wie eine Gefallenen - Ehrung hatte bisher keiner live erlebt; höchstens aus Fernsehausschnitten mit Kranzniederlegung, feierlichen Gesichtern und Ausschnitten von Reden. Vor allem waren wir bei dieser Feier Mitwirkende und nicht Zuschauer. Also waren wir alle schon gespannt darauf, wenn auch teilweise mit gemischten Gefühlen.

Um 8.00 Uhr trafen sich alle deutschen Schüler und Lehrer vor der Kunstschule in Staraja Russa. Hier studierten wir zunächst das Lied ein, das wir während der Gefallenen - Ehrung singen sollten. Da wir alle keine geübten Sänger sind, dauerte es etwas, aber zu guter Letzt klappte es ganz gut. Das Lied gefällt uns auch allen: "Wo sind all´ die Blumen hin.....".

Um 9.30 Uhr trafen wir im Atelier des Künstlers Nikolai Lokotkow ein. Sein Repertoire ist sehr vielseitig. Es reicht von Ölgemälden über Bleistiftzeichnungen bis hin zu Tonarbeiten. Der Künstler verfolgt keinen bestimmten Stil. Er malt einfach aus seiner Stimmung heraus, in der er sich gerade befindet. So spricht er sicherlich mehr Menschen an, als wenn er sich auf eine Stilrichtung festlegen würde. Wahrscheinlich sind seine Bilder deshalb in aller Welt bekannt und ausgestellt. Die Bilder von Nikolai Lokotkow kosten umgerechnet zwischen 200,- und 2000,- DM. Zum Abschied schenkte uns der Künstler kleine, selbstgemachte Tonfiguren.

Der Vormittag verging sehr schnell. Wir kehrten zum Mittagessen in die Familien zurück.

Um 13.15 Uhr begann der 2. Teil des Tagesprogrammes. Unsere Gruppe traf sich vor der Schule Nr. 1 mit Herrn Köhler. Er ist der 2. Vorsitzende des Kameradenverbandes der 5. Jägerdivision. Die Veteranen dieses Kameradenverbandes trafen sich hier in Staraja Russa, um an der Zeremonie der Gefallenen - Ehrung der 5. Jägerdivision teilzunehmen. Und ihnen schlossen wir uns an.

Die Fahrt zum Gefallenen - Friedhof war recht abenteuerlich. Von der Schule aus fuhren wir ca. 15 Minuten bis zu einem Feldweg außerhalb der Stadt. Der Bus setzte uns ab. Von dort aus ging es zu Fuß über eine klapprige Brücke, die über einen kleinen Bach führte. Die Jeeps fuhren durch eine Furt. Der Bach gehörte 1942/43 zur HKL (= Hauptkampflinie) bei Staraja Russa.

Unterwegs erzählten uns Herr Köhler und andere Veteranen sehr anschaulich die Geschehnisse im 2. Weltkrieg in dieser Gegend: Ihre Division hatte die Aufgabe, das 2. deutsche Armeekorps aus dem Kessel von Demjansk zu befreien. Diese Aktion schlug wegen des erbitterten Widerstandes der russischen Truppen fehl. Diese waren in zehnfacher Überzahl. Während der Kriegshandlungen und dem folgenden Rückzug kamen 2200 Soldaten der 5. Jäger-Division ums Leben. Sie waren gefallen oder erfroren, da die Temperaturen sehr schnell sanken und die Soldaten nur schlecht eingekleidet waren. Mindestens 1000 wurden verletzt. Viele gerieten in Gefangenschaft.

Weiter ging es per Jeep oder zu Fuß 5 km durch ein morastiges Waldstück bis hin zu der Gedenkstätte auf dem Soldatenfriedhof. Hier und in der näheren Umgebung liegen 1400 Soldaten der 5. Jägerdivision begraben. Insgesamt kamen in dem Kriegsgebiet um Novgorod während der Kampfhandlungen 1 Million deutsche und russische Soldaten ums Leben.

Die Einweihungs-Zeremonie wurde eingerahmt von religiösen Worten von Vater Agafangel. Die nachfolgenden Reden wurden ins Deutsche bzw. ins Russische übersetzt. Es folgten Ansprachen des 1. Und 2. Vorsitzenden des Kameraden - Verbandes der 5. Jägerdivision. Sie schilderten die Schrecken der Kriegshandlungen an diesem Ort. Sie waren ihnen trotz des zeitlichen Abstandes von 55 Jahren immer noch in Erinnerung. Sie drückten ihre Hoffnung aus, dass wir Jugendlichen solche grausamen Erfahrungen nie machen müssten. Der Standort - Kommandant von Staraja Russa, ein Oberst, sprach danach. Er war kein Teilnehmer des 2. Weltkrieges. Dafür hatte er Kriegs - Erfahrungen im Afghanistan - Feldzug gesammelt und wurde dabei schwer verwundet. Er stellte die Ziele der russischen Sicherheitspolitik kurz dar: Die Armee soll von einem Angriffs- in ein Verteidigungs- Instrument umgewandelt werden. Er sagte weiterhin, dass die Soldaten die ärmsten Leute eines Krieges sind und immer auf der Verlierer-Seite stehen. Sie seien ein Mittel der Politik und müssten dafür Gesundheit und Leben opfern.

Es schlossen sich an die Reden der Vorsitzenden des Stadt- und Gebietssowjets und unseres Leiters der deutschen Austausch - Schülergruppe aus Bad Kreuznach. Nach den Reden sangen wir unser so fleißig einstudiertes Lied "Wo sind all die Blumen hin...“. Die deutschen Veteranen sangen ihr Kameradenlied. Nach den Feierlichkeiten um 17.45 Uhr wurde der beschwerliche Rückmarsch durch den Wald angetreten. Um 18.40 Uhr erreichten die letzten, die nicht mit den Jeeps fahren konnten darunter auch ich, die Busse. Wir waren recht abgekämpft und erschöpft. Trotzdem war der Rückmarsch interessant, da zwei deutsche Veteranen mit uns gingen. Sie erzählten uns von ihren Kriegserlebnissen.

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