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Titel / Referat: Formales Denken - Was ist formales Denken?

Schlagwörter: Denken, Assimilation, Akkomodation, Konkretes und formales Denken, Intelligenz Hausaufgabe, Referat

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Formales Denken

1 Was ist formales Denken?
1.1 Einleitung
1.2 Denken
1.3 Zwei wichtige Begriffe
1.3.1 Assimilation
1.3.2 Akkomodation

2 Konkretes und formales Denken
2.1 Konkret- operationales Stadium
2.2 Formales Stadium
2.2.1 Induktives Denken
2.2.2 Intelligenz
2.2.3 Generationenkluft
2.2.4 Argumentieren

3 Die lineare Funktion
3.1 Aufgabe
3.1.1 Grundfragen der Untersuchung
3.1.2 Auswertung
3.2 Von der experimentellen Erfahrung
zum formalen Verständnis

4 Für den guten und effizienten Unterricht

5 Persönliches Schlusswort


1 Was ist formales Denken?

1.1 Einleitung
Erst wenn wir fähig sind in Hypothesen zu denken, komplexe Zusammenhänge zu verstehen, haben wir den Zustand des formalen Denkens erreicht. Früher, vor 50 oder 100 Jahren, als es noch viele Menschen gab, die keinen Beruf erlernten oder die Schule in der 5. Klasse verliessen, war das formale Denken noch nicht so wichtig im Leben des Menschen. Es gab auch noch nicht so viele Möglichkeiten oder Gelegenheiten, bei denen der Mensch formales Denken entwickeln konnte. Folglich gab es auch nicht so viele Situationen in denen er es anwenden konnte oder musste. Es wurde nicht alles hinterfragt, die pure Muskelkraft war noch viel wichtiger. Heute werden Schüler, junge Menschen, darauf getrimmt, hinter allem eine Struktur zu erkennen und dann diese zu hinterfragen. Den Schülern werden schon früh Dinge beigebracht, die sie nicht mit den Händen greifen können, die aber für die Menschheit heute wichtig sind, auf die man nicht mehr verzichten kann. So zum Beispiel das Internet. Oft muss sich der Schüler heute in die Lage von jemandem versetzen. Dass er dazu überhaupt fähig ist, muss seine Denkweise trainiert werden. Das ist eine von vielen Aufgaben des Lehrers. Damit der Lehrer den Schülern formales Denken beibringen kann, muss er genau wissen was das ist.

Mit meiner Arbeit möchte ich erklären was formales Denken ist und dazu illustrierend Beispiele aufzeigen. Jean Piaget hat im 20. Jahrhundert das formale Denken psychologisch– wissenschaftlich entdeckt und erklärt. In dieser Arbeit stütze ich mich auf die Ausführungen von Rita Kohnstamm zu Piagets formalem Denken.


1.2 Denken
Zwischen den intelektuellen Fähigkeiten eines Jugendlichen und denen eines Schulkindes gibt es nicht nur quantitative, sondern auch qualitative Unterschiede. Das heisst nicht nur die Denkweise verändert sich, nein auch die Art und Weise wie sie eingesetzt wird. Piaget teilt diese kognitive Entwicklung in verschiedene Phasen ein. Jede einzelne dieser Phasen ist durch eine bestimmte Denkart geprägt.


1.3 Zwei wichtige Begriffe
Bei Piaget sind die zwei Begriffe Assimilation und Akkomodation sehr zentral. Auf sie ist Piagets Modell der kognitiven Entwicklung aufgebaut.


1.3.1 Assimilation (vom lat. assimilare = angleichen)
Assimilation ist im wesentlichen ein aktives Interpretieren, Einordnen oder Deuten von Objekten und Ereignissen der Aussenwelt in Begriffen der eigenen, gerade verfügbaren und bevorzugten Art, über diese Dinge zu denken. Neues wird angeeignet mit Hilfe von bekannten Schemata. Wenn für ein Kind ein Klötzchen zum Auto wird, dann assimiliert es das Klötzchen an das eigene kognitive Konzept eines Autos.


1.3.2 Akkomodation
Akkomodation ist, die auf Geisteskräfte eindringende Eigengesetzlichkeit der Objektwelt; somit ist die Akkomodation eine Reaktionsfunktion, da auf äussere Reize im allgemeinen sofort mit einem angepassten Schemata reagiert wird, das heisst diese Veränderung findet individuell statt. Akkomodation tritt nur dann auf, wenn es eine Diskrepanz oder Störung gibt, für die der Organismus noch kein bewährtes Schema besitzt. Akkomodation ist also der Prozess der Veränderung und Differenzierung der eigenen Erkenntnisstrukturen als Folge neuer Informationen und Erkenntnissen, eine Reaktion auf eine Aktion. Über diese beiden Formen von Adaption (Anpassung) entwickelt das Kind immer höhere und komplexere kognitive Struktkuren. Lebende Organismen streben nach einem Gleichgewicht zwischen Assimilation und Akkomodation. Nach Piaget werden Babies mit einem Überschuss an Assimilation geboren.


2 Konkretes und formales Denken
Piaget befasste sich mit der kognitiven Entwicklung des Säuglings bis hin zum Jugendlichen. Ich gehe auf das konkrete- operationale– und das formale Stadium ein. Diese beiden Stadien betreffen das Kind im schulpflichtigen Alter. Vor allem befasse ich mich mit dem formalen Stadium, da wir uns mit Schülern in diesem Stadium befassen. Damit die Entwicklung des Denkens besser nachvollzogen werden kann, gehe ich zuerst auf das konkret- operationale Stadium ein, da dieses direkt vor dem formalen Stadium steht und ohne diese Vorstufe der Schritt zum formalen Denken gar nicht möglich wäre.


2.1 Konkret- operationales Stadium (ca. 7 bis 11 Jahre)
Schon ein Kind im Alter von zirka 7 bis 11 Jahren kann sich bereits Gedanken über die Realität machen, doch ist sein Denken sehr bildhaft. Seine Vorstellungen von einer Sache sind konkret und so argumentiert es auch. Doch ist es schon in der Lage, die verschiedenen Aspekte eines Gegenstandes oder Vorgangs gleichzeitig zu erfahren und zueinander in Beziehung zu setzen. Beim Umschüttversuch wird das Kind feststellen: „Die Säule ist zwar höher, aber dafür ist sie dünner.“ Dieses Denken besitzt bereits die Eigenschaft der Reversibilität oder Umkehrbarkeit, das heisst die konkreten Operationen können gedanklich umgekehrt werden. In einem früheren Stadium hätte das Kind gesagt: „In der Vase hat es am meisten Wasser.“

Das Kind kann in Gedanken mit konkreten Objekten bzw. ihren Vorstellungen operieren. Dieses Stadium ist besonders gekennzeichnet durch Darstellungen von Klassen und Reihen, Piaget nennt sie Gruppierungen. Das Kind kann Reihen aufstellen, erweitern, einteilen und unterscheiden. Es hat aber noch Probleme, das was es sieht und auch schon versteht, verbal auszudrücken.


2.2 Formales Stadium (ab ca. 11 Jahren)
Im Jugendalter verschwindet die Bildhaftigkeit des Denkens, es beginnt die Phase der formalen Operationen. Diese Art zu denken entspricht dem logischen Denken, sie stützt sich auf Verbales und Symbolisches und nicht mehr nur auf Gegenstände. Kognitive (vom ital. conoscere = erkennen) Prozesse geschehen nun ohne konkrete Vorstellungen. Das formale Denken ermöglicht unter anderem das Denken in Hypothesen; Fragestellungen wie „Was wäre, wenn...?“ oder Aussagen wie „Wenn..., dann...“ können verarbeitet werden. Jugendliche können sich nun genauso gut Gedanken machen über Alternativen zur Realität, wie zur Realität selbst.

Der Übergang vom konkreten zum formalen Stadium vollzieht sich nicht abrupt; vor allem in den Übergangsjahren, aber auch noch später im Erwachsenenalter, wird manchmal konkret, manchmal formal gedacht. Es kommt natürlich auf die Situation an, ob diese nur durch formales Denken bewältigt werden kann, oder ob es genügt konkret- operational vorzugehen.

Dazu folgendes Beispiel:
Wie viele Kombinationen zu zwei Bällen können gebildet werden?

KONKRET FORMAL
Vorstellung mit 3 Bällen Formel mit 3 Variabeln, die anstelle der Bälle stehen


2.2.1 Induktives Denken
Auch Schulkinder sind bereits in der Lage, in Hypothesen zu denken. Jedoch ist der Ausgangspunkt ein konkretes Bild, das sie sich vorstellen und dann beliebig verändern können. Ein Schulkind macht sich Gedanken: „Wenn sich Mami und Papi scheiden lassen, werden wir vielleicht in eine andere Stadt ziehen und ich müsste dann die Schule wechseln, so wie Stefan.“ Das 10-jährige Kind kann sich schon hypothetisch mit dieser Frage beschäftigen, wenn auch keine Scheidung der Eltern bevorsteht. Doch geht es von einem ihm bekannten Fall aus: Die Scheidung von Stefans Eltern. Ein Jugendlicher von 15 Jahren kann in formalen Ursache- Wirkungs- Zusammenhängen denken. Eine Veränderung kann der Auslöser sein für eine ganze Reihe von Ereignissen. Diese Erkenntnis wenden sie auf die Wirklichkeit an und können daraus schlussfolgern: „Wenn Eltern sich trennen, kann das für die Kinder eine Menge Folgen nach sich ziehen; es ist im Allgemeinen so, deshalb ist es auch in diesem bestimmten Fall so möglich.“

Diese Art in Hypothesen zu denken, kann sich noch stärker von der Realität lösen als beim Beispiel „Scheidung“. Es handelt sich dann um logisches Denken, losgelöst von jeglicher Realität: „Nehmen wir an A ist wahr, ist dann B auch wahr?“ Die Annahme „A ist wahr“ muss dann nichts mehr mit der Realität zu tun haben. Für ein Schulkind wären rein theoretische Fragen dieser Art noch zu schwierig. Es kann sich Sachen vorstellen, die nichts mehr mit der Realität zu tun haben, jedoch noch keine logischen Überlegungen dazu anstellen.

Dazu noch ein Beispiel von Conger:
Frage: „Wenn alle Mondmännchen gelbe Füsse haben, und dann kommt ein Männchen mit gelben Füssen, ist das dann ein Mondmännchen?“
Antwort Schulkind: Mondmännchen gibt es doch gar nicht!“
Antwort Jugendlicher: Nicht unbedingt, denn es ist ja nicht gesagt, dass nur Mondmännchen gelbe Füsse haben.“ = Lässt sich auf die Frage ein.


2.2.2 Intelligenz
Piaget wurde von verschiedenen Seiten kritisiert. Denn bei seiner Theorie geht er davon aus, dass alle Menschen das formale Stadium erreichen. Piaget berücksichtigte den Aspekt Intelligenz nicht genug, obwohl dieser eine wichtige Roller spielt, da Jugendliche mit einem höheren IQ das formale Denkstadium früher erreichen als andere mit einem niedrigeren IQ. Niedrig begabte Kinder mit einem IQ unter 80 können das formale Denkstadium gar nicht erreichen. Trotzdem ist es nicht so, dass beim formalen Denken nur die Intelligenz eine Rolle spielt. Es muss auch erwähnt werden, dass diese Art zu denken zu einem passen muss. So gibt es hochintelligente Menschen, die im formalen Denken nicht geübt sind, weil es ihnen einfach nicht entspricht so zu denken. Menschen mit musischer Begabung oder solche deren Interessen eher im sozialen Bereich liegen, haben andere als formale Lösungswege um die ihnen gestellten Aufgaben zu lösen. Ihre Intelligenz entwickelt sich in eine andere Richtung.

So ist es auch erklärbar, dass Knaben oft mehr Interesse an naturwissenschaftlichen Fächern aufweisen als Mädchen. Ausserdem ist zu erwähnen, dass formales Denken kein Reifungsprozess ist, sondern auf Erfahrung beruht. Das heisst, dort wo mehr Erfahrungen gemacht werden, findet mehr Assimilation und Akkomodation statt. Das formale denken wird zuerst bei Aufgaben in den „erfahrungsreichen“ Bereichen angewandt. So kann die Entwicklung in verschiedene Richtungen verschieden stark ausgebildet sein. Wer zum Beispiel auf einem Bauernhof aufwächst, hat andere Erfahrungen und Eindrücke über die er sich Gedanken macht, als jemand der neben einem grossen Flughafen aufgewachsen ist. Um nochmals auf Mädchen und Knaben zurück zu kommen: Die formale Denkweise eines Mädchens das mit Puppen spielt entwickelt sich in eine andere Richtung als die eines Knaben, der versucht mit Bauklötzen einen möglichst hohen Turm zu bauen. Wenn hochbegabte Kinder / Jugendliche Probleme im emotionalen Bereich haben, ist das darauf zurückzuführen, dass ihr denken einseitig- formal ist; sie sehen das soziale Miteinander aus rein rationaler Perspektive.


2.2.3 Generationenkluft
Mit dem formalen Denken öffnet sich den Jugendlichen auch die Möglichkeit mit abstrakten Begriffen wie Gerechtigkeit, Freundschaft, Toleranz und Gleichberechtigung umzugehen. Diese Begriffe können in verschiedenen Zusammenhängen, moralisch oder politisch, eingesetzt werden. Erst jetzt sind die Jugendlichen im Stande zu philosophieren. Durch die Fähigkeit abstrakt zu denken, erhält der Jugendliche Zugang zur bildhaften Sprache, bei der auch Symbole eingesetzt werden. Die Texte die er jetzt liest sind anspruchsvoller, er kann zwischen den Zeilen lesen und den Text interpretieren, was vor allem bei Gedichten sehr wichtig ist. In diesem Alter beginnen Jugendliche oft gezielt Musik zu hören; sie fangen an, sich für einen bestimmten Musikstil zu interessieren. Auch das muss man mit dem formalen Denken verbinden. Denn auch Liedtexte bestehen oft zu einem grossen Teil aus bildhaften Ausdrücken die zuerst in unsere Art von Sprache übersetzt werden müssen.


2.2.4 Argumentieren
Wenn Kinder zu Jugendlichen werden, verändert sich ihr Körper, das heisst ihr Äusseres. Aber auch ihr Inneres, ihre Denkweise verändert sich. Sie erreichen den Zustand des formalen Denkstadiums, und sie haben nun die Möglichkeit in Hypothesen zu denken.- Zum ersten Mal im Leben sehen sie sich mit einer Vielzahl von Widersprüchen konfrontiert. „Gott hat die Menschen lieb“ und „Es gibt viel Leid auf der Welt“ sind Gedanken, die für einen Jugendlichen zu vereinbaren sind. Es müsste doch heissen „Weil Gott die Menschen liebt, gibt es kein Leid auf der Welt“. Doch wenn wir die Welt anschauen, mit all denn Missständen, stimmt der obige Satz nicht. Zum ersten Mal im Leben versucht der Jugendliche mit Hilfe der Logik Widersprüche aufzulösen. Er kann zwei verschiedene Schlüsse ziehen: Der eine wäre, dass es Gott nicht gibt – der Jugendliche wendet sich von Religion und Glaube ab. Das kann je nachdem schon zu einem Problem innerhalb der Familie führen. Eine andere Schlussfolgerung wäre, dass der Jugendliche das Leid der Welt als eine Aufforderung von Gott ansieht und zu einem feurigen Anhänger der Evangeliumsbewegung wird. Aber auch bei weniger brisanten Themen, stossen die Jugendlichen im Alltag auf Widersprüche, zu Hause oder in der Schule. Das führt zu endlosen Diskussionen, die in erster Linie dem Ausprobieren der neu erworbenen kognitiven Fähigkeiten dienen. Die vielen Fragen nach warum und wieso sind vergleichbar mit der Fragerei von Kleinkindern. Schon der griechische Philosoph Plato hatte dies bemerkt: „Sie schauen unter jeden Stein, und in ihrer Begeisterung darüber, zum ersten Mal die Weisheit zu schmecken bekommen, verärgern sie alle um sich herum mit ihren Diskussionen.“ Dieses Sich-über-alles-Gedanken-machen und hinterfragen hat noch einen anderen Hintergrund. Der Jugendliche lernt zu relativieren. Was für ihn als Schulkind als normal galt und seine vertraute Welt darstellte, ist nun nur noch eine von verschiedenen Möglichkeiten etwas zu handhaben.

Beispiel: Die Eltern von Stefan stimmen immer gleich ab, für ihn ist das normal. Bei Tom zu Hause ist das anders, seine Eltern wählen nicht die gleich Partei. Im Schulkindesalter findet es Stefan unangepasst, dass Toms Eltern nicht gleich stimmen, es entspricht nicht seiner Norm. Erst während der Adoleszenz vermag Stefan zu erkennen, dass Gewohnheiten, Werte, Regeln und Auffassungen von Personen und ihrem Umfeld abhängen, dass diese unterschiedlich sein können und relativ sind. Stefan fragt seine Eltern: „Warum stimmt ihr die gleiche Partei, wenn ihr doch unterschiedliche Meinungen habt? Bei Tom stehen beide Elternteile zu ihrer persönlichen Meinung, sie stimmen nicht gleich!“

Nicht nur, wie im Beispiel, die Eltern, sondern das gesamte Umfeld und die Gesellschaft werden nun vom Jugendlichen mit kritischeren Augen betrachtet und hinterfragt. Der ständige Vergleich des einen mit dem andern, lassen den Jugendlichen zum Rebellen werden. Vor allem in sozialer- und politischer Hinsicht entdeckt er Missstände zum ersten Mal. Er kann nur darüber reden und kritisieren, ändern kann er jedoch nichts. Treffend sagt Conger: „Die Tatsache, dass ein grosser Teil der Kritik, die die Jugendlichen an ihren Eltern und der Gesellschaft üben, mehr eine Sache von Worten ist als von Taten, zeigt, dass das formale Denken noch so neu für sie ist, dass es noch nicht völlig in ihre Anpassung an die Realität integriert ist.“ Meist kommt es bei den Jugendlichen zu einem Schwarz- Weiss- Denken, alles ist gut oder schlecht, wahr oder unwahr. Im Moment indem es dem Jugendlichen klar wird, dass er nichts bewirken kann, kommt es bei ihm zu einer Resignation; manchmal fällt er dann ins andere Extrem. Dieses Phänomen ist mir selbst schon aufgefallen. Knaben die sich selbst als Rechtsextreme betitelten, Bomberjacken und weisse Schuhbändel trugen, wechselten vom einen auf den andern Tag ihre Gesinnung und gingen zu der „linken“

Szene über. Zudem änderten sie auch ihr Outfit, weite Hosen und rote Schuhbändel, sie wechselten so ihren ganzen Freundeskreis. Diese Extrem- Phase dauert so lange, bis der Jugendliche wieder einen Sinn für Abstufungen entwickelt, und es ihm bewusst wird, dass im Leben vieles auf einen Ausgleich von nehmen und geben beruht. Und dass man manchmal Kompromisse eingehen muss.


3 Die lineare Funktion
Bis anhin war immer die Rede von formalen Denkstrukturen. Mit dem Beispiel der linearen Funktion möchte ich aufzeigen, wie formales Denken erlernt werden kann. Bei den Forschungsarbeiten der Limmat- Stiftung Zürich fand man heraus, dass Schüler im Alter von 9 bis11 Jahren bereits formale Denkoperationen erlernen können. Diese Forschungsarbeit ist ausdrücklich kein Intelligenztest, es geht einzig darum, den momentanen Entwicklungszustand des Schülers zu evaluieren. Wenn Schüler in diesem Alter in der Entwicklung des formalen Denkens gefördert würden, wäre das eine gute Basis den Mathematikunterricht zu einer direkten Grundlage für die höhere Mathematik, und auch für die anderen naturwissenschaftlichen Fächer später, zu machen. Auch beim Erlernen von sprachlichen Strukturen, spielen logische Zusammenhänge eine wichtige Rolle, diese wiederum basieren auf dem formalen Denken. Dass die von Piaget aufgestellte Theorie, mit den verschiedenen Denkphasen, der Wahrheit entspricht, sieht man daran, dass bei den Versuchen der ETH Zürich bei gleichaltrigen Kindern die gleichen Denkvorgänge festgestellt werden konnten. (siehe später)


3.1 Aufgabe
Der Schüler sieht die Figur „Herr Klein“. „Herr Klein“ ist 6 Büroklammern gross, mit Ringen gemessen ist er 4 Ringe gross. - Das wird dem Schüler demonstriert. „Herr Gross“, der jetzt nicht hier ist, ist 6 Ringe gross. Wie gross ist er mit Klammern gemessen?


3.1.1 Grundfragen der Untersuchung

  1. Wie löst ein Kind eine Aufgabe zur direkten Proportionalität, dem die Schemen um diese Aufgabe zu lösen fehlen und es noch kein formales Denkvermögen besitzt?
  2. Wie können wir dem Kind möglichst effizient das bei der Aufgabe benötigte Verständnis für die Struktur fördern?


3.1.2 Auswertung
Durchschnittsalter 10: 76% aller Kinder in einer Vesuchsgruppe kommen auf die Lösung „8“. Die Begründungen für diese Antwort haben immer etwas mit der Bildung von Differenzen zu tun. Das ist so zu erklären, dass Schüler ihnen schon Bekanntes anwenden, nämlich die Bildung von Differenzen und deren Übertragung auf andere Messwerte. 4% der befragten Kinder erkannten proportionale Zusammenhänge, und nur die Hälfte davon machte eine Verhältnisrechnung. Durchschnittsalter 12: Nur noch 40% wenden die Differenzerhaltungs- Methode an, 44% erkennen proportionale Zusammenhänge. Bei den 14-Jährigen erkennen schon über 90% proportionale Zusammenhänge. Kinder, die die Aufgabe mit Hilfe der Differenzerhaltungs- Methode lösen, sind von ihrer Antwort überzeugt; da sie ihre Antwort begründen können. Schüler die differenzierte, schon leicht modifizierte Antworten geben sind unsicher, jedoch einem tieferen Verständnis näher. Durch die Unsicherheit erkennt man, dass sich die Schüler in einer Übergangsphase ihrer Denkstruktur befinden. Bei der Untersuchung hat sich ergeben, dass bei den 14-Jährigen über 90% der Sekundarschüler und Gymnasiasten den Versuch korrekt proportional lösen konnten. Von den Realschülern löste die Hälfte der Schüler die Aufgabe proportional.


3.2 Von der experimentellen Erfahrung zum formalen Verständnis

  1. Der Schüler löst die Aufgabe mit einer ihm bekannten Denkstruktur, er versucht eine Gesetzmässigkeit zu finden.
  2. Durch das Überprüfen der Antwort am Experiment, sieht er nun auch selbst, dass seine Lösung falsch ist. Das steigert seine Motivation. Dieses Erlebnis ist für den Lernprozess äusserst fruchtbar.
  3. Dem Schüler wird, z.B. mit Hilfe eines Koordinatensystems*, die Aufgabe erklärt und verständlich gemacht.
  4. Durch Beispiele mit anderen Zahlen kann der Schüler das neu Erlernte festigen und üben.

*Versuche zeigten, dass schon 10- und 11-Jährige den Schritt mit Hilfe eines Koordinatensysems zur Formalisierung machen können. Erstaunlicherweise entwickelt sich dafür spontan ein Verständnis.


4 Für den guten und effizienten Unterricht
Um ein gutes Unterrichtsklima zu fördern, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die dazu beitragen:

  • Mit anschaulichen Beispielen arbeiten, wie z.B. „Herr Klein“ und „Herr Gross“. Schüler können sich immer wieder daran orientieren. Es ist für den Schüler hilfreich, wenn er sich an etwas festhalten kann, dass er noch umfänglich begreift. Wenn er das einfache Beispiel richtig begriffen hat, kann er das gleiche Prinzip auch bei anspruchsvolleren Aufgaben anwenden.
  • Es nehmen nicht alle Schüler den Unterricht über den gleichen „Kanal“ auf, so sollte der Unterricht abwechslungsreich gestaltet sein. Damit haben alle Schüler eine Chance zu lernen. Das heisst den Stoff nicht immer nur über das Auge oder nur über das Gehör vermitteln.
  • Das formale Denken schon früh fördern; so können sich die Schüler später bei schwierigeren Aufgaben auf die Aufgabe konzentrieren und müssen sich nicht erst noch die Denkweise aneignen um diese zu lösen.
  • Versuchen den Unterricht so zu gestalten, dass das formale Denken trainiert werden kann; wenn möglich auf spielerische Weise.


5 Persönliches Schlusswort
Mit dem Verständnis für das formale Denken verstehe ich Vorgänge besser, die sich bei mir früher in der Schule abspielten; damit meine ich das, was ich heute als provokatives Verhalten empfinde. Bei den Schülern in meiner Praxisklasse stellte ich das nur sehr selten fest. Mit was das zusammenhängt weiss ich nicht; vielleicht liegt es am Alter oder an der Klassenkonstellation. Öfters begegne ich solchen Phänomenen, wie Generationenkluft oder dem Schwarz- Weiss- Denken, zu Hause. Mit meinen beiden Brüdern, im Alter von 15 und 18 Jahren, werde ich oft mit solchen Dingen konfrontiert. Diese Arbeit hat mir geholfen, das Verhalten Jugendlicher besser zu verstehen.

häufige Suchphrasen:
was ist formales denken, piaget formales denken, formales denkvermögen, formales denken, formales denken was





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