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Titel / Referat: Benin - Oba (Herrscher) von Benin

Schlagwörter: Edo-Völker, Königreich Benin, Afrika, Edo, Oba als sakraler Herrscher, Staatsstruktur, Legende Hausaufgabe, Referat


Der Oba als sakraler Herrscher

Das Königreich Benin hat von ca. 1200 bis zum Ende des 19. Jahrhunderts als mächtiges Reich am unteren Nigergebiet existiert. Im Februar 1897 wurde es durch englische Kolonialtruppen zerstört, der Herrscher, Oba genannt, wurde abgesetzt. Benin wies nicht nur eine uns Europäern bisher unbekannte Staatsstruktur auf, auch im Vergleich zu der Entwicklung andere afrikanischen Völker war es einzigartig. Die höchste Autorität Benins war ein politischer und religiöser Herrscher, dem die Verantwortung für die Erhaltung des Staates sowohl auf ökonomischer und politischer als auch auf spiritueller Ebene gegeben war. Eine durch mündliche Überlieferung weitergegebene Geschichte der Edo, des Volkes von Benin, erzählt von der Auseinandersetzung zwischen Oba Udagbedo und seinem einflussreichen Untertan Agbodo. Agbodo erhob sich sogar über seinen Tod hinaus erfolgreich gegen den Oba. Die Bedeutung seiner Widersetzung, die sich auf mystische Weise scheinbar auch auf die nachfolgende Oba-Generation auswirkte, wird erst wirklich verständlich, wenn man die Position des Oba in den spirituellen und irdischen Machtverhältnissen des Staatsapparates betrachtet.

Der Oba repräsentierte die Machtspitze einer vierteiligen Herrscherschicht. Seine permanenten Berater waren die sieben adligen „Uzama Nihinron“ und der bürgerliche Iyase, zusammen bildeten sie den Staatsrat. Die zweithöchste Autorität in der Gesellschaftsordnung lag bei den Uzama Nihinron, Territorialfürsten, die weitgehend autonom in eigenen Gebieten außerhalb der Hauptstadt wohnten und regierten. Sie führten ihren Herrschaftsanspruch noch auf die Zeit vor der Gründung der Oba-Dynastie zurück. Sie waren es, die der Tradition nach den ersten Oba nach Benin geholt hatten. Sie schöpften ihre Macht vor allem aus zeremoniellen Ämtern. Ihre Titel waren erblich. Der Iyase war der höchstrangige bürgerliche Vertreter der Stadtbevölkerung, der abgesehen von seiner beratenen Position auch militärische Verantwortung besaß. Zwei weitere politisch agierende Gruppen waren die „Eghaebho n´ Ogbe“ und die „Town Chiefs“. Erstere waren 22 Adlige am Hofe des Oba, die ihre Autorität aus ihren zeremoniellen Ämtern und der Organisation des Herrscherhaushaltes herleiteten. Sie waren für Gewänder, Symbole, den Harem und die Haushaltsführung des Palastes verantwortlich. Die Town Ciefs waren männliche Familienoberhäupter der einzelnen Berufsgruppen Benin Citys. Sie wurden von ihren Handwerksgenossen gewählt und vertraten die bürgerliche Schicht der Stadt.

Alle vier beschriebenen Mächte waren von einander abhängig und standen ständig in Konkurrenzbeziehung zueinander. Der Kampf um Macht und Ansehen war permanent und eine Quelle, aus der der Oba seine eigene politische Macht schöpfte. Oba Ewedo institutionalisierte dies Mitte des 13. Jahrhunderts. Es war die vielleicht wichtigste Machtverschiebung in der Geschichte Benins. Sie bestand darin, dass die Uzama das Recht verloren, staatliche Ämter zu besetzen und Titel an Personen ihrer Wahl zu verleihen. Dieses Recht war von dieser Zeit an dem Oba vorbehalten und entwickelte sich zu seiner wichtigsten politischen Waffe im Kampf um Macht und Einfluss im Reich: „Hinter vielen Hofämtern in Benin […] kann man die Klugheit des Herrschers erkennen, politisch gefährliche Kräfte an den Hof zu binden und mit Privilegien unter Kontrolle zu halten“ (S. 36, Z. 18-20)². Denn die Schaffung neuer Ämter und Titel in unmittelbarer Nähe zum Palast, bot dem Oba die Möglichkeit, Männer in seinen Dienst zu stellen, deren Autorität sich unmittelbar und ausschließlich von ihm ableitete. Zu willkürlich durfte er seine Gunst jedoch nicht vergeben. Sowohl die Territorialherren als auch die adlige Palastgesellschaft waren schnell geneigt, einen Putsch zu initiieren, der von der Bevölkerung in der Regel als legitim und normal angesehen wurde. Die Aufgabe des Oba war, die Balance des Machtgefüges zu sichern und zu kontrollieren.

Weitere seiner Aufgaben waren Entscheidungen bei Streitfällen am Hofe zu klären, im Falle eines Krieges die oberste Befehlsgewalt zu übernehmen und das wirtschaftliche Monopol, welches der Hof durch den Verkauf und die Unterstützung bestimmter Handwerksprodukte und ihrer Herstellung besaß, zu sichern. Er war Kriegsherr, Kaufmann und oberste richterliche Instanz. Ihm allein stand es bei Ritualen und Strafen zu, über Leben und Tod zu entscheiden. Folglich konnte er öffentlich geäußerte Zweifel über seine spirituellen Fähigkeiten oder seine Qualitäten als Herrscher bisweilen mit dem Tod betrafen.

Von sehr großer Bedeutung war der religiöse Charakter, welcher der Position des Oba zugeschrieben wurde. Die Idee eines vom Schöpfergott auserwählten Herrschers ist als Grundpfeiler der Legitimation königlicher Herrschaft aus dem europäischen Mittelalter bekannt. Seit Bestehen des Reiches spielte die religiöse Untermauerung bestehender Machtstrukturen auch in Benin eine wichtige Rolle. Für den Oba war sie wohl die ideelle Hauptquelle seiner königlichen Macht. Der Glaube der Edo, der stets mit ihrem Alltag verflochten war, schrieb dem Oba die Fähigkeit zu, zwischen dem Dies- und dem Jenseits vermitteln zu können. Leben und Tod, sowie Lebende und Geister, waren für die Edo keine getrennten Welten. Sondern zwei Kräfte, die immer in Wechselwirkung zueinander standen. Die Bevölkerung empfand Furcht vor den „übermenschlichen magischen Kräften“ (S. 36, Z. 2)² des Oba. Doch noch mehr fürchteten sie die rachsüchtigen Geister. In ihrer Vorstellung von Leben und Tod, waren sie von den schützenden Kräften ihres Herrschers abhängig. Er war keine Gottheit, sondern die Verkörperung des Göttlichen im Diesseits ( „[…] weil kein lenkender und richtender Gott über der Welt stand, sondern das Göttliche (oder Heilige) im Herrscher selbst verkörpert war“ (S. 37, Z. 21-23)²), der die Aufgabe hatte, durch Rituale und Gesten die Existenz des Reiches zu sichern: „Es war das ganze ein magisch politischer Apparat, von dem das Schicksal des Landes abhing. Jede der vielen Details der Kleidung des Oba war ein Symbol, dessen fehlerhafter Zustand ein Ritual entwertete, Götter und Geister kränken und böse Kräfte entfesseln konnte. Handlungen und Gesten des Oba waren sakrale Verrichtungen, die sich an Lebende und Tote richteten und fehlerlos sein mussten“ (S. 37, Z.10 ff.)². Um die Bedeutung des Oba als sakralen Herrscher auch nach außen hin zu manifestieren, war er dem Blickfeld der Menschen weitgehend entzogen. Der Herrscher Benins führte ein äußerst zurückgezogenes Leben innerhalb seines Palastes, umgeben lediglich von seiner Familie und wenigen ausgesuchten Würdenträgern. Nur ein- bis zweimal pro Jahr, so die Überlieferung, verließ er den Palast, um anlässlich nationaler Zeremonien an Umzügen durch Benin City teilzunehmen. Mythen und Legenden um die Person des Oba verstärkten die spirituelle Aura, die den König in den Augen der Edo umgab. Die Kräfte des Herrschers wurden über den Rest des Jahres symbolisch dargestellt. Seine Verordnungen wurden durch die Adligen des Hofes an das Volk weitergegeben. In der Theorie stellte der sakrale Aspekt königlicher Herrschaft den Oba über alle anderen Menschen und stattete ihn mit einer enormen spirituellen Macht aus.

Die Machtquellen der Tradition, der Religion und der Manipulation allein sicherten die angesehene und erfolgreiche Herrschaft eines Obas nicht. Er musste gewisse Qualitäten aufweisen, um von Volk und Adel akzeptiert und unterstützt zu werden. Was machte einen Oba zu einem „guten“ Herrscher? Er durfte weder geistig noch körperlich behindert sein(„Es gab in Afrika Völker, die ihre Herrscher töteten oder zum Selbstmord zwangen, wenn deren körperliche und geistige Kräfte zu schwinden begannen“ S.32, Z.4/5)². Auf der einen Seite sollte er den Frieden innerhalb des Reich erhalten, auf der anderen Seite wurden die kriegerischen „Könige“, welche für die geographische und ökonomische Expansion Benins sorgten, vom Volksmund hoch gelobt und geliebt. Ein Oba durfte weder weichherzig noch gütig noch milde sein: „Ihm kamen dieselben Eigenschaften zu, die Götter und Geister auszeichneten – er war mächtig und unberechenbar, nicht aber gütig und milde“ (S. 40, Z.19 ff)². Ein angesehener Oba war mächtig, unberechenbar, mutig und weise. In jedem Fall musste er seine Stärke, seine Kraft und seine Heiligkeit profilieren. Die Härte und die Gewalt, mit der ein Oba herrschte, waren für die Bevölkerung selbstredend. Großzügigkeit und Geduld wurden als Schwäche empfunden.

Jacob Egharevba berichtet in der Quelle „Ein etwas makabrer Sport“ über die Streitigkeiten des Edo Agbodo und dem amtierenden Oba Udagbedo. Über die Person Agbodo erfährt der Zuhörer dieser Geschichte, er sei ein „großer, einflussreicher und mutiger Mann, der sich dem Oba bei der Regierung des Landes in jeder Weise“ (S.42, Z. 1-3)¹ widersetze. Er trug seinen Söhnen auf, nach seinem Tode seinen Leichnam in dem Palastbereich des Ogbe zu beerdigen, der dem Oba gewidmet und nur ihm und seinem Gefolge zugänglich war. Agbodos Söhne folgten seinen Anweisungen und beschwerten seine Leiche mit einem „magischen Stein“ (S. 42, Z.7)¹. Der Überlieferung nach geschah, nachdem der Oba von den Taten der Söhne erfahren hatte, folgendes: Er „schickte Boten um dafür zu sorgen, dass Agbodos Leichnam nicht in seinem Haus begraben wurde. Als diese das Haus erreichten, sahen sie den Leichnam im Innenhof und zu ihrem Erstaunen begann er ganz langsam im Boden zu versinken, bis er ihren Blicken verschwunden war“ (S. 42, Z. 22 ff)¹. Udagbedo ordnet das Entfernen des Leichnams an, doch obwohl die Bediensteten „das ganze Anwesen nieder[rissen]“ (S.42, Z. 21)¹ konnten sie den toten Körper nicht finden. Bei den Grabungen entstand ein Teich, den eine nachfolgende Oba-Generation als Objekt ihrer sportlichen Aktivitäten nutzte. Die drei Söhne eines späteren Oba sprangen „in einer Art Stabweitsprung“ (S.42, Z. 27/28)¹ über das Gewässer. Einer von ihnen „verletzte seine Beine so sehr, dass er als Thronfolger ausschied“ (S.42, Z.29/30)¹.

Woran dachten die Edo beim Anhören dieser Geschichte aus ihrer mündlichen Überlieferung?
Obwohl aus der Quelle nicht deutlich hervorgeht, welchen gesellschaftlichen Stand Agbodo hatte, so beweist er doch als „einflussreicher Mann“ den Wert der revolutionären Tradition Benins. Die politische Geschichte Benins ist sehr konfliktreich. Der Widerstand einzelner Menschen oder auch Gruppen zeigt, dass es sich bei dem Oba nicht um eine unantastbare Person handelte. Insofern ist er nicht mit europäischen „Götterkönigen“ vergleichbar. Agbodo griff zu seinen Lebzeiten den Herrscher in seiner autoritären Position an. Er war aber offenbar eine so bedeutende Persönlichkeit, dass er nicht einfach von Udagbedo „entfernt“ werden konnte.
Die Geschichte Agbodo erscheint uns mystisch, übernatürlich und nicht den Fakten entsprechend. Doch „wenn wir uns erinnern, dass die geschichtliche Überlieferung nicht primär an Fakten interessiert ist, sondern an der Sicherung politischer Erfahrungen, dann geht es hier nicht um die Frage der faktischen Sicherheit, sonder um das Funktionieren einer politischen Kultur“ (S.33, Z.4-7)². Es mögen Fragen aufkommen, wie „Wie konnte ein Leichnam in dem Boden eines Hofes versinken und anschließend spurlos verschwinden?“. Der mysteriöse Aspekt dieser Geschichte ist entscheidend für seine Wirkung bei den Zuhörern. Bedeutender aber ist die Frage nach der Bedeutung des Verschwindens. Agbodo widersetzt sich über seinen Tod hinaus dem Oba. Also der Person, die laut dem Glauben der Edo in Kontakt mit dem jenseits steht. Die beiden Charaktere scheinen beinahe schon die Rollen zu tauschen. Agbodo kommen übersinnliche Fähigkeiten zu, denen Udagbedo gegenüber machtlos erscheint. Aus der Geschichte geht nicht hervor, ob Agbodos Verschwinden aus seinem eigenen Willen oder aus ´dem Willen des Jenseits´ heraus zu Stande kam. Aus der religiösen Position eines Edo heraus ergibt sich sogar die Frage, ob es der Wille des verstorbenen Agbodos war, der bewirkte, dass ein Mensch aus der nachfolgenden Oba-Generation sich die Beine brach und als Thronfolger ausschied? Was deutlich wird, ist, dass der Oba diesen Geschehnissen gegenüber macht- und hilflos zu sein scheint. Er hat keinen Einfluss mehr auf die Geschehnisse, auch nicht auf die Ereignisse im Jenseits. Diese Geschichte klärt die Hierarchie zwischen dem Jenseits und dem Oba. Das Jenseits steht in der Hierarchie über dem sakralen Herrscher; es beeinflusst sein Leben, er allerdings nicht (oder nicht immer) die ´vom Jenseits beschlossene Entscheidungen´. Die Lehre für die Zuhörer ist: Der Oba ist nur Mittler zwischen dem Dies- und dem Jenseits. Er ist nicht gleichzustellen mit dem Willen des Jenseits, der Geister oder der Götter, obwohl ihm ähnliche Fähigkeiten wie ihnen zugeschrieben werden.

Es ist zu vermuten, dass diese Überlieferung nicht in höfischen Kreisen erzählt wurde. Das hätte die Autorität des Herrschers viel zu sehr angegriffen. Wahrscheinlich waren solche Erzählungen und vor allem deren Interpretationen lebensbedrohlich für seine Existenz. Höchstwahrscheinlich wurde die Geschichte von Agbodo und Udagbedo in bürgerlichen Kreisen weitergegeben. Vielleicht als ein Beispiel für die aufständische Tradition des Volkes. Hauptsächlich scheint sie aber die enorme Heiligkeit und Unantastbarkeit des Oba in Schranken zu weisen. Mir ihre wird vor allem eine spirituelle Ordnung, ein Glaube, erklärt und an nachfolgende Generationen weitergegeben.

Mit der britischen „Strafexpedition“ des Jahres 1897 endete eines des glanzvollsten sakralen Königtümer Afrikas. Der Eroberung der Hauptstadt folgte unmittelbar die Verbannung des damaligen Herrschers Oba Ovoramwen. Erst 1914 wurde die Monarchie unter Eweka II. von der britischen Kolonialregierung mit stark beschnittenen Rechten wieder eingesetzt. Heute besitzt der Oba Benins keine politische Macht oder Funktion.


¹ Textgrundlage: „Afrika-ferner Nachbar“, Herbert Prokasky, Verlag Ferdinand Schöningh, Band 8, 2001, Paderborn, S. 42, „Ein etwas makaberer Sport“
² Sekundärquellen aus dem gleichen Buch: „Afrika-ferner Nachbar“…





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