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Titel / Referat: Goethe, Johann Wolfgang von - Faust I und II (Charakterisierung Gretchen)

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Charakterisierung der Figur Gretchen

Gretchen ist eine der wichtigsten Figuren in der Dichtung „Faust - Der Tragödie Erster Teil“ von Johann Wolfgang von Goethe. Ihr Charakter basiert auf wahren Geschehnissen. So wurde Goethe, zum Beispiel, Zeuge einer Verurteilung einer Kindesmörderin, deren Name Susanna Margaretha Brandtin war. Außerdem nahm zur damaligen Zeit die Anzahl dieser Vorfälle zu. Dann kannte Goethe ein 14-jähriges Mädchen, die starke Ähnlichkeit mit dem Charakter Gretchen gehabt haben soll. Dieses Mädchen hörte auch auf den Namen Grethe. Er musste sich von ihr trennen und wurde durch dieses seelische Leid krank.

Die Figur Margarethe oder auch Gretchen soll ein junges Mädchen darstellen, welches etwa 14 oder 15 Jahre alt ist und aus kleinbürgerlichen Verhältnissen stammt. Bei der ersten Begegnung mit Faust wird sie als wohlerzogen, schüchtern und hübsch dargestellt (V 2607 – 2618). Faust sieht in ihr das Idealbild einer Frau und begehrt sie vom ganzen Herzen. Anfangs ist es eine reine sexuelle Begierde, die später zur wahren, echten Liebe heranreift. Mephisto kann über Gretchen keine Macht ausüben, weil sie reinen Herzens und die personifizierte Unschuld ist. Außerdem ist sie stark gläubig und lebt streng nach den Regeln der Kirche (V 2625). Durch diese Tatsachen ist Gretchens Charakter das Gegenstück zu den Charakteren von Faust und Mephisto.

In der Szene „Abend“ wird deutlich, dass Gretchen an Faust interessiert ist. Außerdem ist sie neugierig und denkt darüber nach, dass er eventuell eine gute Partie wäre. Durch diese Gedanken ist sie verunsichert. Als sie das Geschenk von Faust findet, freut sie sich darüber und bedauert es dennoch sehr. Sie würde die Kette gerne besitzen, weil es unbekannter Reichtum ist. Doch die Mutter bringt die Kette der Kirche. Die ärmlichen Verhältnisse und der Ständeunterschied werden noch deutlicher. Gretchen wird noch nachdenklicher (V 2851) und verunsichert zu nehmend mehr. Sie wünscht sich Beistand durch ihre Mutter herbei (V2755).

In der Szene „Garten „ und „Gartenhäuschen“ wird sich Gretchen über ihre Gefühle zu Faust bewusst. Sie ist total verliebt und emotional. In dem Gespräch mit Faust stellt sich Gretchen als dumm dar und bringt Heinrich Respekt entgegen, durch sein Alter, seiner Intelligenz und seinem Stand. Gretchen spürt, dass Mephisto für sie und Faust, kurz für ihre Liebe, gefährlich werden kann. Sie empfindet tiefe Abneigung ihm gegenüber (V 3472). In „Marthens Garten“ hinterfragt Gretchen den Glauben von Faust. Ein zunächst dogmatischer Kirchenglaube gewinnt zunehmend an Tiefe. Faust und Gretchen ergeben sich in dieser Szene ihrer sexuellen Begierde. Gretchen verstößt damit gegen die Regeln der Kirche, sowie der Moralbedingungen der Gesellschaft, und lädt sich somit Schuld auf. Ebenfalls stirbt ihre Mutter teilweise durch Gretchens verschulden, denn Gretchen war diejenige, die ihrer Mutter den Schlaftrunk gab, an dem sie letztendlich starb.

Lieschen und Gretchen unterhalten sich über ein Mädchen, das von ihrem Geliebten geschwängert wurde und dieses vor der Ehe. Gretchen empfindet Mitleid „Das ist nicht schön!“, es könnte ihr genauso ergehen. Lieschen versucht Gretchen durch dieses Gespräch über Bärbel auf die eigene miserable Lage aufmerksam zu machen. Sie versucht ihr zu verdeutlichen, was ihr passieren könnte und dass man schon hinter vorgehaltener Hand über sie und Faust spricht. In der Szene „Zwinger“ ist Gretchen am Verzweifeln, sie ahnt ihr eigenes Schicksal vor („ …...Was mein armes….“). Als Valentin im Sterben liegt, beschimpft er sie als Hure und bezechtet sie dafür, dass sie Schande über die Familie gebracht hat. Auch macht er ihr noch schwere Vorwürfe („…. Von dir, du Metze!...“) .Dies ist für Gretchen ein schwerer Verlust, denn kurz vorher hat sie immerhin die Mutter verloren und ist jetzt die einzige Überlebende der Familie. Es wird deutlich wie Frauen, die sich Schuld zukommen lassen haben, damals von der Gesellschaft geächtet wurden.

Als Gretchen zur Kirche zur Buße gehen will, redet ihr ein böser Geist zu, dieser Geist wird auch als das jüngste Gericht bezeichnet, was für ein schlechter Mensch sie doch sei, Sie kann mit dieser Belastung und dem schlechtem Gewissen nicht umgehen und fällt in Ohnmacht (Szene „Dom“) . Als Faust Gretchen im Kerker aufsucht, ist sie bereits verwirrt beziehungsweise verrückt geworden („… Mich fast ein...“). Immerhin hat sie ihre ganze Familie verloren, ist unsterblich verliebt und wurde von ihrem Geliebten verlassen. Der Höhepunkt dieser Leidensgeschichte ist ihre Schwangerschaft und der Mord an ihrem Kind aus Scham (V 3977). Gretchen nimmt ihr Schuld auf sich, weil sie ihre Seele nicht dem Teufel verschreiben will („…. Gericht Gottes! dir hab` ich mich übergeben!....“). Dadurch dass Faust die Schuldfrage auch an sich stellt und Gretchen Tat wird ihre Seele gerettet und stirbt.

Durch den Namen „Gretchen“ wird die naive und kindliche Seite dieser Figur deutlich. Diese Thematik der Gretchentragödie war bis ins 19. Jahrhundert gegenwärtig und war ein Tabuthema. Viele Frauen wurden deshalb von der Gesellschaft ausgegrenzt und verschmäht. Es wird deutlich, dass zur damaligen Zeit Männer das führende Element waren. Ein Ziel der Gretchentragödie könnte die Selbstständigkeit der Frau und der Wunsch nach freien Partnerschaften sein.

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