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Titel / Referat: Sophokles - Kreon und das Prinzip tragischer Held

Schlagwörter: Antigone, Ödipus, Kreon, Drama, Tragödie Hausaufgabe, Referat

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„Kreon und das Prinzip tragischer Held“

 

Sophokles’ „Antigone“ ist eine der großen Tragödien der Antike. Dem Titel nach, so könnte man jedenfalls vermuten, ist Antigone, eine Tochter des Ödipus, Hauptheldin des Stückes. Am Ende bleibt jedoch der Herrscher Thebens, Kreon, als die Zentralste aller Personae zurück. Daher drängte sich schon frühen Interpretatoren der Eindruck auf, nicht Antigone, sondern er, Kreon, sei der wirkliche tragische Held des Dramas. Diese These soll nun im Folgenden untersucht werden. 

Dafür ist es natürlich notwendig, den Begriff des Tragischen zu definieren. Tragik, diese „Kunst der Tragödie“, manifestiert sich im unausweichlichen schicksalhaften Verlust eines Wertvollen, in dessen Untergang im Kampf mit anderen ebenso erhabenen Werten oder gar mächtigeren Kräften. Dabei scheitern die tragischen Helden dennoch auf großartige Weise, beweisen in ihrem Scheitern noch wahre Charaktergröße und opfern sich schließlich selbst. Die Werte bleiben dabei als Ideen bestehen und überdauern den Untergang der oder des Helden. Die seelische Erschütterung, gar die aristotelische Reinigung, welche von der Tragödie ausgeht, kommt dabei durch das Zusammenspiel von Trauer und Mitleid auf der einen und ehrfürchtiger Bewunderung auf der anderen Seite zustande, die der Zuschauer durchlebt. Dabei sind eine Grundvoraussetzung der edle Charakter und die guten Absichten des einzelnen Helden, da sein verhängnisvolles Scheitern sonst als verdiente Strafe empfunden werden würde.
Definiert man also den tragischen Helden über die Tragik, die ihm widerfährt, so ist es zunächst tatsächlich möglich, Kreon als eine tragische Figur aufzufassen. Obwohl er guten Willens die folgenschwere Entscheidung, Antigone dem Todesurteil zu überlassen, widerruft, kommt er schlichtweg zu spät, um den Selbstmord Antigones und die daraufhin folgenden Suizide seines Sohnes Haimon und seiner Frau Eurydike zu verhindern. So verliert er scheinbar unverschuldet das „Wertvolle“ – seine Familie – trotzdem er charakterliche Größe, nämlich die Überwindung seines eigenen Stolzes, bewiesen hat; es scheint unglückliches Schicksal zu sein, dass er nicht rechtzeitig an Antigones Grab erscheint, alles Weitere ist eine tatsächlich tragische Verkettung unglücklicher Ereignisse. 

Was man aber sehr leicht vergisst, betrachtet man die Handlung erst ab dem Augenblick seiner Wandlung, wenn er widerwillig der Weisung des Chores folgt: "Geh hin und lass das Mädchen aus der unterirdischen Gruft und weihe dem offen Daliegenden ein Grab“, ist die Tatsache, dass Kreons schwerer Verlust ganz eindeutig eine Bestrafung ist. Denn Kreon versündigte sich mit der Nichtbestattung Polyneikes gegen göttliches Recht und in schicksalhafter Weise strafen diese ihn dafür mit dem Verlust der ihm nächsten Menschen. Der Seher Teiresias sagt es ihm voraus: durch seine Anmaßung werde er von seinen „Blutsverwandten einen Toten den Toten zum Entgelt dagegen geben“ müssen, dafür, dass er „der unteren Götter unteilhaftig, unbestattet, ungeweiht einen Toten“ festhält.

Und die erzürnten Götter lassen keine Reue zu, sondern strafen ihn trotz seiner späten, wenn auch durch den Chor ausgelösten Einsicht. Dabei ist die Tat, für die er am Ende so bitter bezahlen muss, gar kein Teil der Dramenhandlung. Denn die Entscheidung, Polyneikes nicht zu bestatten und jeden Frevler wider dieses Gesetz unbarmherzig hinzurichten, ist schon vor Beginn des Stückes gefallen, in seiner Ansprache an die thebanischen Greise lässt er sich diesen Beschluss nur noch nachträglich bestätigen. „Dies ist in deine Macht gestellt“, antwortet der Chor. „Jegliche Reglung zu treffen ist dir erlaubt, über die Toten als auch über die, die wir leben.“ 

So kann das Drama von vornherein gar keinen „tragischen Fehler“ Kreons beinhalten, denn selbst wenn er sich Antigone gegenüber nachgiebig gezeigt hätte – was er, den Prinzipien seiner Anfangsrede treu bleibend, ja eigentlich gar nicht dürfte – so wäre Polyneikes immer noch unbestattet geblieben und der Frevel am göttlichen Recht längst geschehen. Dass die Vorwürfe Antigones und die Umstimmungsversuche Haimons völlig ins Leere laufen müssen, liegt ebenso auf der Hand; Kreon vertritt starr das Prinzip des Staates und nur eine höhere weltliche Macht kann ihn zu anderem Handeln bewegen. Wozu auch? Alea iacta est, und das Angebot einer „Kompromisslösung“ würde damit keinen Sinn haben. 

Kreons Handeln trägt also keine wahre Tragik in sich, maximal sein unglücklicher Verlust am Ende des Dramas erregt Mitleid beim Publikum, keineswegs aber Ehrfurcht; denn sein Schicksal hat er selbst durch eine im voraus gefallene Entscheidung verschuldet. Wenn aber Kreon nicht Held der Tragödie ist, wer ist es dann? Ist es doch Antigone? Auch sie erleidet schließlich einen schmerzlichen Verlust: den ihres eigenen Lebens. Mehr noch, sie opfert sich großmütig für ihren toten Bruder und die Einhaltung der göttlichen Gesetze. Antigone ist hilflos einer höheren Gewalt, nämlich der staatlichen Macht Kreons, ausgeliefert und dass ihre Tat gesühnt werden muss, „bestreitet das gesamte Volk dieser Stadt Theben“. Sie beweist wahre Charaktergröße und lässt sich nicht von Kreon einschüchtern - und auch für sie ist es zu spät, als sie eine Art „Wandlung“ zeigt und ihr eigenes Klagelied singt. „Io! Ich Arme!“, ruft sie da und: „Um mein Schickal, das unbeweinte, trauert keiner der Meinigen.“ 

Doch dieses kurze Aufbegehren vermag beim Zuschauer kein Mitleid mehr zu erwecken, zu aufrecht und zielstrebig wählte Antigone ihren eigenen Tod – am Ende führt sie ihn durch den Selbstmord sogar noch schneller herbei. Und auch ihr Unglück ist im Grunde eine Strafe für einen Frevel – diesmal am weltlichen Gesetz –, für den die Entscheidung ebenfalls schon vor Beginn des Stückes feststand: so müssen auch die Umstimmungsversuche ihrer Schwester Ismene, ganz ähnlich wie später bei Haimon und Kreon, an Antigones Starrsinn und ihrer Entschlusskraft scheitern. Und genauso wenig, wie Kreon durch die Begnadigung Antigones seiner Strafe entgehen könnte, kann Antigone ihrem Todesurteil entkommen, indem sie Kreon um Milde bittet. Weil sie dies weiß, muss sie, vor Kreon stehend, gar nicht erst über sich selbst hinauswachsen, um ihre Tat und die damit verbundenen Prinzipien weiterhin zu verteidigen. Die so mutig scheinende Frage „Willst du noch mehr als mich töten lassen, nach meiner Festnahme?“ kann leicht äußern, wer die Götter hinter sich weiß und den Tod ganz bewusst und wissentlich gewählt hat. Nichtsdestotrotz zeugt ihre ursprüngliche Entscheidung von einer gewissen Heldenhaftigkeit und einem edlen Charakter; nur kommt dieser nicht im Drama selbst zum Tragen, wodurch beim Zuschauer vielleicht noch eine Bewunderung für Antigones Entschluss entsteht, aber keine Sympathisierung – von einer kathartischen Wirkung kann erst recht keine Rede mehr sein. 

Insgesamt betrachtet ist Antigone auch ganz einfach zu „blass“ für eine Heldin; ihr Charakter entwickelt sich kaum und sie verlässt das Drama, wie sie es betreten hat. Kreon hingegen ist schlichtweg zu sehr tyrannischer Herrscher – man bedenke z.B. die Hartherzigkeit gegenüber dem unglücklichen Wächter oder die despotische Beharrung auf seiner Allmacht, die er im Dialog mit Haimon an den Tag legt. Es fehlt also sowohl Kreon als auch Antigone an entscheidenden Voraussetzungen für einen tragischen Helden und die anderen Dramatis Personae kommen erst recht nicht in Frage. Ist dann die „Antigone“ Sophokles’ überhaupt eine wirkliche Tragödie? Ist die „Scheintragik“ Kreons am Ende des Stückes etwa ein verzweifelter Versuch des Autors, die dramatische Wirkung seines Werks zu retten? Gewiss nicht. Vielleicht bilden die beiden Antipoden Kreon und Antigone im Grunde eine Einheit, vielleicht muss man die Figuren zusammenführen, um den tragischen Helden des Stückes zu finden. Denn es ist äußerst bemerkenswert, wie spiegelbildlich sie angelegt sind, sogar als es um die Art ihrer Bestrafung geht: Kreons Verlust liegt in dem Bereich, den Antigone vertritt, die Familie; und Antigone verliert, was Kreon so vehement verteidigt, das weltliche Leben und den Platz im Staat. Und was dem einen zum tragischen Helden fehlt, bringt größtenteils der andere mit: Antigone die Charaktergröße, Kreon die Unschuld am Unglück; natürlich stets mit der Einschränkung, dass dies beides nur scheinbar und in erster Linie durch Entscheidungen vor Beginn des Dramas bestimmt sind. 

Eine Tragödie im gewöhnlichen Sinne ist „Antigone“ somit im Grunde tatsächlich nicht; seine Spannung und sein tragisches Moment zieht das Stück aus dem Zusammenprall der beiden Prinzipien „Staat“ bzw. „weltliches Recht“ und „Familie“ bzw. „göttliches Recht“ und deren Vertretern Kreon und Antigone. Wenn Kreon dabei am Ende das Mitleid und Antigone die Bewunderung des Publikums angerührt hat, so ist dann vielleicht wenigstens ein Teil der „seelischen Erschütterung“ vollzogen – vielmehr jedoch vermag das Stück eine „intellektuelle Erschütterung“ hervorzurufen.

Auch wenn Kreon also auf den ersten Blick als eine Art tragischer Held angelegt ist, so zerfällt dieser Schein bei näherer Betrachtung recht schnell; und zurück bleibt der Gegenpol zur ebenso unheroischen Antigone – deren beider Schicksal im Drama nur noch ausgespielt wird, ohne dass die Personae Gelegenheit haben, ihre Größe daran zu messen.

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