Amerikas Westen

Eine Busrundreise durch Kalifornien, die schönsten Nationalparks (Grand Canyon, Monument Valley, Bryce Canyon, Death Valley, Yosemite National Park, Zion N.P., Sequoia N.P., Canyon de Chelly, ...) und die berühmtesten Städte im Südwesten (San Francisco, Los Angeles, Phönix, Las Vegas)

Landschaftlich bietet der Westen der USA Eindrücke von überwältigender Schönheit. Es gibt nur wenige Gebiete der Erde, wo man in unmittelbarer Nachbarschaft Gebirge und Senken, Längs- und Durchbruchstäler, Plateaus und Tafelberge, Vulkane und tektonische/seismologisch aktive Störungszonen, Steppen und Wüsten so eindrucksvoll erleben kann.

Die einzigartige Lage der Halbinsel von San Fancisco San Fancisco, umgeben von drei verschiedenen Gewässern, begeistert uns bereits beim Anflug. Es sind nicht nur die alten Bürgerhäuser aus dem vorigen Jahrhundert, die "Painted Ladies", sondern auch eine Anzahl von Stilrichtungen in der Architektur, die dieser Stadt eine unverwechselbare Kulisse verleihen. Neben einer Stadtrundfahrt, bei der man die interessantesten Viertel mit ihren schönsten Bauwerken (China Town, Union Square, Telegraph Hill, Opernhaus, Symphonic Hall, Fischerman's Wharf, Rathaus, Market Street, ...) kennenlernt, ist es für uns ein tolles Erlebnis, die Stadt auch zu Fuß zu erkunden. Man benötigt dazu ein bißchen Zeit, aber es lohnt sich auf jeden Fall. Natürlich ist es ein Muß für uns, mit einer der berühmtesten "Cable cars" zu fahren, die "Lombard Street", die kurvigste Straße der Welt, hinunterzumarschieren, oder abends bei einem Gläschen Wein in der Bar des 52. Stockwerkes der Bank of America den herrlichen Blick über die Häuser mit dem Trans American Building zu genießen. Vor allem beeindruckend, nicht nur wegen der Größe, sondern auch wegen der technischen Meisterleitung, sind die beiden großen Brücken der Stadt: die Oakland Bay Bridge - für deren Mittelpfeiler man allein mehr Beton benötigte, als für das gesamte Empire State Building in New York - und die Golden Gate - das Wahrzeichen von San Francisco: Sie zählt zu den größten Hängebrücken der Erde (1.280 Meter Abstand zwischen den Pfeilern, 227 Meter Höhe), hält Stürmen bis zu 160 km/h stand, kann bis zu 6,60 Meter schwingen, ist aber leider auch die Brücke mit der höchsten Selbstmordrate der Welt.

Der 17-Mile Drive zählt zu den schönsten Straßen Amerikas: eine idyllisch, wildromantische Steilküste mit eigenartigen Zypressen, Dünenformen, kleinen vorgelagerten Inseln, auf denen sich Seelöwen und Kormorane tummeln. Hier verstecken sich auch, gut abgesichert, die Villen der Reichen.
Der Begriff "Golden California" schließt nicht nur auf die Goldvorkommen im vorigen Jahrhundert, sondern auch auf das golden schimmernde Gras überall auf den Hängen Richtung Süden. Unterbrochen wird dies durch grün leuchtende Orangen- und Zitronenplantagen, sowie Wein- oder Tomatenanbau. Diese intensive Landwirtschaft ist nur auf der Basis der Bewässerung möglich. Der Hoover und Glenn Canyon Staudamm, riesige künstlich angelegte Wasserreservoirs sowie große Aquädukte (= Wasserkanäle) versorgen sowohl die Großstädte Los Angeles und San Francisco, als auch die "Industrial farms" (190 ha Farm). Kalifornen darf nur mehr 28 Prozent des Coloradowassers entnehmen.

Ein erster Höhepunkt ist der Sequoia Nationalpark. Die Mammutbäume in 2200 Meter Höhe (Zypressen) gehören zu den größten und ältesten Lebewesen auf der Erde. Man schätzt sie auf 2500 - 3000 Jahre. Diese Giganten haben ein Stammgewicht von 1256 Tonnen, ein Stammvolumen von 1486 m3, die Rinde kann bis zu 1 Meter Dicke erreichen - unbegreifliche Zahlen. Wir stehen staunend davor und genießen auch den herrlichen Duft in diesem einzigartigen Wald.

Die Ausdehnung von Los Angeles beträgt über 100 Kilometer, eine Metropole, der bereits 60 Städte rundherum eingemeindet sind (10 Mill Einwohner).
Chinese Theatre, Rodeo Drive, Sunset Boulvard, Down town ... gehören zu den interessantesten Punkten einer Stadtrundfahrt. Wir verlassen aber diese für den Autoverkehr konzipierte Stadt (50 Prozent der Fläche ist dem Verkehr gewidmet) schnell wieder und begeben uns in die Mojavewüste nach Palm Springs.

Das Leben dieser Wüste ist geprägt von 2200 verschiedenen Pflanzenarten (wunderschön blühende Kakteen). Es ist empfehlenswert, immer Stiefel oder hohe Schuhe zu tragen, wenn man in die Wüste hinausspaziert, um die höchsten Kakteen der Welt, die Saguaros (15 m) zu bestaunen. Gefährliche Tiere, die hier leben, sind so hervorragend getarnt, daß man sie nicht sieht. Wir haben eine Begegnung mit einer Tigerklapperschlange, die wir erst entdecken, nachdem wir verlorengegangene Sonnenbrillen suchen. Sie liegt 30 cm vor uns und schläft in der Sonne - ein einmaliges, etwas prickelndes Erlebnis, an das hochgiftige Tier so nahe heranzukommen.

Palm Springs, eine "man - made Oase" in der Wüste, lädt zur Erholung ein. Weiter geht dann unsere Fahrt über Flagstaff hinauf zum Grand Canyon (Arizona). Der Colorado hat sich hier in ungefähr 2000 Millionen Jahren in das Gestein eingefressen und bildet ein einzigartiges Schluchtsystem mit gigantischen Formationen. Wir haben einmalig klare Sichtverhältnisse und nützen daher die Gelegenheit, mit einem Helikopter in den Canyon zu fliegen (ca. 80 Dollar). Die amerikanischen Nationalparks sind hervorragend organisiert. In einem Besucher-Zentrum kann man sich gründlich informieren: Wandbilder, Schaukästen, Diareihen, Tonfilme und Vorträge, Bücher, Informationsmaterial ... sorgen für eine gute Vorbereitung, bevor man den Nationalpark betritt. Die jeweils schönsten fotographischen Punkte können angefahren oder erwandert werden. Dem Zufall ist hier nichts überlassen. Das Licht im Grand Canyon wechselt ständig, bevor die Sonne untergeht und die Berge noch in herrlichem Abendrot erstrahlen läßt. Mit Navajoflötenmusik beschließen wir diesen wunderschönen Tag im Canyon.

Ein Schwerpunkt unserer Reise ist auch die Kultur der Anasazi-Völker, auf deren Wohngebiete wir während unserer Reise immer wieder stoßen. Im Wupakti National Monument handelt es sich um die Sinagua Indianer, einer Korbflechterkultur, die unter schwierigen Verhältnissen in diesem vulkanischen Gebiet von der Landwirtschaft lebten. In der Nähe befindet sich der Sunset Crater Vulkan, dessen Lavaströme weite Gebiete verwüsteten.

Im Walnut Creek Canyon lebten die Indianer im 13. Jhdt in Unterhöhlungen der ausgeschliffenen Felsen. Eine andere Art der Wohnkultur kann man in Montezumas Castle besichtigen: eine Klippensiedlung hoch im senkrecht abfallenden Felsen, nur über Leitersysteme zu erreichen, die man bei Gefahr einzog. Hier in derNähe befindet sich auch der größte Meteoriteneinschlag der Erde.Mit einem geschätzen Gewicht von 2 Mill. Tonnen und einer Geschwindigkeit von ca. 100.000 km/h traf er auf der Erde auf und bildete einen Krater von 180 Meter Tiefe. Der Meteor verdampfte bei der Explosion.
Eine einmalige Naturerscheinung im Westen Arizonas ist der Petrified Forest in der Painted Desert. Hier liegt das umfangreichste Vorkommen von versteinerten Bäumen. Diese kristallisierten unter ganz besonderen Bedingungen aus und funkeln heute in den herrlichsten Kristallen. Im Museum kann man Einzelstücke im geschliffenen Zustand bewundern und kaufen.
Die Painted Desert bekommt durch ihre verschiedenfärbigen Gesteinsschichten und -arten ihr charakteristisches Aussehen. Immer wieder ergeben sich tolle Fotomotive..
Wir sind völlig überrascht vom Canyon de Chelly. Staunend stehen wir vor steil abfallenden Klippen. Ein grandioser blauer Himmel mit weißen Wolken läßt trotz der enormen Hitze, die hier herrscht, unsere Herzen höher schlagen. Tief unter der senkrecht abfallenden Steilwand erblicken wir wieder eine riesige Anasazisiedlung. 1805 kam es hier zu einer entsetzlichen Schlacht, und deswegen nennt man dieses Tal auch "Canyon del Muerto". Über 8000 Navajos wurden daraufhin auch umgesiedelt.
Auch heute ist diese Umsiedelungspolitik noch nicht zu Ende. Durch neue Funde von riesigen Uran- und Bleivorkommen im Navajogebiet versucht man, diese herauszukaufen. Man erkennt die trostlosen, von der Regierung errichteten Indianerdörfer sofort, in denen keine Lebensexistenz erhofft werden kann. Arbeitslosigkeit und Alkoholprobleme bestimmen den Tagesablauf.
Am späten Nachmittag erreichen wir das Monument Valley - eigentlich kein richtiges Tal, sondern gigantische Tafelberge und Schuttkegel, die durch Erosionen stehengeblieben sind. Die abendliche Sonne verzaubert die Landschaft in fantastische Bilder.

Bei Page wird der Colorado vom Glenn Canyon Staudamm aufgestaut. Eine eindrucksvolle Bootsfahrt auf dem Lake Powell führt uns nach Utah zum größten Naturbogen (Naturbrücke) der Erde. 94 Meter erhebt sich der Bogen mit einer Scheitelstärke von nur 12 Metern über uns.

Immer imposanter wird die Landschaft. Eine Wanderung durch den Bryce Canyon läßt uns bei jeder Biegung staunend innehalten. Die tonhaltigen Kalksteinkegel, -spitzen und -türmchen beeindrucken uns noch mehr als der Grand Canyon.

1500 Meter hohe Schichten von Sand und Sedimenten wurden unter hohem Druck im Zion Nationalpark zusammengesintert. Es entstanden idyllische Täler, die mit ihrem leuchtenden Grün einen herrlichen Kontrast zu den senkrecht aufsteigenden dunkelroten Felswänden bilden. Vom Canyon Overlook hat man einen fantastischen Blick in das Tal.

Las Vegas, die Oase in der Wüste, lockt natürlich mit einem tollen Angebot an Hotels, Bars, Spielautomaten. 24 Stunden Dauerbetrieb! Es gibt keine Fenster, keine Uhren, man soll beim Spielen die Zeit vergessen. Enorme Lasershows, Vulkanausbrüche, gigantische Spektakel verzaubern einen in eine antike Welt. Berühmt ist Las Vegas auch für seine Hochzeitskapellen mit ca. 70.000 Eheschließungen im Jahr.

Der tiefste Punkt im Death Valley liegt 84 Meter unter dem Meeresspiegel. Bei gnadenloser Hitze (46 Grad im Schatten) wandern wir hinaus auf den riesigen Salzsee - die Turnschuhe werden dabei von den Salzkristallen regelrecht zerfressen. Keine Vegetation, zerrachelte Felsen, wir befinden uns wirklich auf "Devils Golf course".

Am selben Tag überqueren wir den Tiogapaß mit über 3000 Meter Höhe in der Sierra Nevada, eine herrliche alpine Kulisse mit tiefblauen Karseen, Almwiesen und scheuen Murmeltieren und Erdhörnchen. Diese extremen klimatischen Verhältnisse machen dem Körper ab und zu ganz schön zu schaffen.

Der letzte Nationalpark, das Yosemite Valley, ist geprägt von eiszeitlichen Gletscherschliffen. Über 700 Meter tost der Yosemite Fall in drei Stufen in die Tiefge. Das Wahrzeichen dieses Tales ist der "Half-Dome", ein Berg, dessen eine Hälfte vielleicht durch einen Gletscher abgetragen wurde. Wir wandern entlang des Merced River und suchen uns ein schönes Badeplätzchen zum Entspannen. Das Gletscherwasser läßt uns nur kurz eintauchen, erfrischt aber die müden Lebensgeister wieder etwas.

So nehmen wir wehmütig Abschied von einem Land, dessen Einzigartigkeit und Schönheit man mit Worten fast nicht beschreiben kann. Gottseidank sind diese herrlichen Dankmäler alle geschützt, sodaß sie noch vielen Menschen Freude und Erholung bieten können.

Anna Gusenbauer