Die Literatur zur Zeit der Weimarer Republik

Erich Maria Remarque „Im Westen nichts Neues“

Inhaltsangabe:
Das berühmteste Antikriegsbuch „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque beschreibt die Geschichte einer Klasse, von der sich sieben Schüler von dem Klassenlehrer überreden lassen, sich freiwillig zum deutschen Heer im 1. Weltkrieg als Soldaten zu melden.
Doch schon nach der Grundausbildung durch den Unteroffizier Himmelstoß bekommen sie den preußischen Militarismus zu spüren. Der junge Paul Bäumer, den Remarque selbst darstellt, und dessen Kameraden Tjaden, Albert Kropp, Haie Westhus, Detering und Stanislaus Katczinsky, der ein Freund seines Vaters ist, erleben schon bald die Schrecken des Krieges: Von 150 Mann der Kompanie kommen nur 32 zurück.
Nachdem sich Paul in eine ebenso junge Französin verguckt, bekommt er zwei Wochen Heimaturlaub und einen anschließenden Kurs in der Heide.
Zu Hause merkt er, daß die Menschen in der Heimat den Krieg immer noch als Abenteuer sehen und erzählt ihnen nicht von den überlebten Gasangriffen und dem fürchterlichen Grabenkrieg. Er zählt sich schon selber zur sogenannten „verlorenen Generation“, die der Krieg innerlich zermürbt hat.
Bei seiner Ankunft an der Front findet er schnell seine noch lebenden Freunde wieder. Während einer Patrouille verletzt er in einem Granattrichter einen Franzosen schwer und hört sich stundenlang dessen Geröchel an, weil er sich nicht überwinden kann, ihn zu töten.
Als der französische Soldat gestorben ist, erleidet er schwere Gewissensbisse und
schreibt sich die Adresse der Hinterbliebenen auf, um ihnen Geld zu schicken, läßt seinen Beschluß aber doch wieder fallen.
Als er verletzt mit seinem Freund Albert Kropp in einem Lazarett liegt, merkt er,
daß erst das Lazarett zeigt, was Krieg ist.
Bei seiner zweiten Rückkehr zu Front im Winter 1917 trifft er nur noch Katczinsky, genannt Kat und Tjaden wieder, der Bauer Detering wurde wegen Fahnenflucht hingerichtet.
Im Sommer 1918 wird der gute Freund Kat beim Essenholen ins Bein getroffen. Paul Bäumer trägt ihn zu einer Verbandstation, wo ein Sanitäter sagt, daß er es sich hätte sparen können, da Kat schon tot sei.
Erst jetzt bemerkt Baümer den Splitter im Hinterkopf des Kameraden, der diesem
zum Verhängnis wurde. Von den sieben Mitschülern ist nur noch er übrig.
An einem Tag im Oktober fällt auch er. Für diesen Tag steht im Heeresbericht
der lapidare Satz: „Im Westen nichts Neues“.


Die Merkmale dieser Epoche:
Erich Maria Remarque verfaßte diesen wohl weltweit bekanntesten Antikriegs-
roman, nachdem er selber im ersten Weltkrieg als Soldat diente und die Schrecken des Krieges selbst erlebte. Das dieses Buch ein so großer Erfolg wurde, erklärt sich dadurch, daß der Autor sich nicht nur auf deutsche Verhältnisse bezieht, sondern eine allgemeine Abrechnung des Menschen mit dem Krieg vollzieht.
Remarque betonte, daß sein Roman weder eine Anklage, noch ein Bekenntnis sei, trotzdem waren die rechtsgerichteten Kräfte gegen das, ihrer Meinung nach,
pazifistische Buch. In den „goldenen zwanziger Jahren“, die auf literarischer
Ebene eine höchst widerspruchsvolle Zeit waren, wurde es dennoch ein großer
Erfolg, der sogar durch die Verbreitung in den neu aufkommenden Medien wie
Rundfunk und Film noch bedeutender wurde. Es gab zwar auch Strömungen
wie zum Beispiel Expressionismus und Neue Sachlichkeit, geprägt wurde die
Literatur dieser Zeit jedoch durch solche Werke wie Remarques „Im Westen
nichts Neues“, Alfred Döblins „Berlin Alexanderplatz“ oder Thomas Manns
Novelle „Mario und der Zauberer“. Vor allem Thomas Manns Werk, das gegen
Ende der Weimarer Republik geschrieben wurde, kündigte die Machtergreifung
der Nationalsozialisten an. Als diese dann 1933 tatsächlich an die Macht kamen, wurden viele dieser Werke verboten, da in ihnen Dinge wie die Verherrlichung des Krieges, die deutschen Bestrebungen große Teile Europas zu erobern und
der Faschismus gegenüber anderen Völkern, hart verurteilt wurde. Die National-
sozialisten standen jedoch genau für diese Ziele. Remarque spricht sich in
seinem Buch „Der Weg zurück“ sehr deutlich gegen die Verherrlichung
des Krieges aus. Dies wird sehr eindrucksvoll, als ein Schuldirektor vor seinen
ehemaligen, vom Krieg zurückgekehrten Schülern spricht:
Besonders gedenken aber wollen wir der gefallenen Zöglinge unserer Anstalt,
die freudig hinausgeeilt sind, um die Heimat zu schützen, und geblieben sind
auf dem Felde der Ehre. Einundzwanzig Kameraden sind nicht mehr unter uns -
einundzwanzig Kämpfer haben den ruhmreichen Tod der Waffen gefunden -
einundzwanzig Helden ruhen in fremder Erde aus vom Klirren der Schlacht
und schlummern den ewigen Schlaf unterm grünen Rasen.“
Genau wie gegen Kriegsverherrlichung ist er auch gegen die Rassenideologie,
was er in seinem Roman „Im Westen nichts Neues“ mit den Worten:
„Vergib mir, Kamerad, wie konntest du mein Feind sein. Wenn wir diese
Waffen und diese Uniformen fortwerfen, könntest du ebenso mein Bruder
sein wie Kat und Albert.“, die ein deutscher Soldat an einen im Sterben
liegenden, feindlichen Soldaten sagt, zum Ausdruck bringt.
Wegen solchen Äußerungen mußten er und viele andere Schriftsteller
dieser Zeit ins Exil gehen. So kam es, daß viele Werke dieser Epoche über
viele Jahre hinweg verboten waren, heute jedoch wieder großes Ansehen erlangten. Sebastian Dein + Bastian Koch