DIE FÜHRERSCHEINPRÜFUNG

(Jürgen von Manger)


In dem vorliegenden Text, die "Führerscheinprüfung" von Jürgen v. Manger, stehen die beiden Hauptpersonen Dipl.Ing. Schraube (Prüfer) und Herr Tegtmeier (Prüfling), in einer komplimentären Beziehung zueinander. Die soziale Rollenverteilung weist in diesem Dialog dem Prüfer die primäre und dem Prüffling die sekundäre Rolle zu. Das bedeutet, der Prüfling ist dem Prüfer für die Dauer der Prüfung untergeordnet. Dabei sollte die Führerscheinprüfung
als Sachinhalt im Vordergrung stehen. Basis einer komplimentären Beziehung der Gesprächspartner ist ihre Unterschiedlichkeit. Als ein signifikanter Aspekt wäre hier die verbale Ausdrucksfähigkeit beider Personen zu nennen. Ursache und Wirkung können im differenzierten Bildungsstand gesucht werden. Der Prüfer, Herr Schraube, ist Dipl.Ing. (Akademiker) und der Prüfling, Herr Tegtmeier, hält sich selbst für dumm ... (siehe Zeile 65-66)
Herr Tegtmeier ist sich der Wertigkeit der sozialen Rolle, die ihm als Prüfling automatisch zugewiesen wird, offenbar nicht bewusst. Er ist nicht in der Lage, sachlich zu bleiben und die ihm gestellten Fragen zu beantworten. (siehe Zeile 1-5 / 23-27 / 29 / 37-42 / 48-49) Im Gegensatz dazu ist der Prüfer bemüht, die Führerscheinprüfung ordnungsgemäß durchzuführen. (siehe Zeile 7-10 / 31-32 / 43-44 / 46-47 / 50)
Der Leser gewinnt den Eindruck, dass der Prüfling nicht über das notwendige Wissen, um die Prüfung zu bestehen, verfügt. Abschließend kann man sagen, dass eine sachbezogene, dem Zweck dienende Kommunikation nicht zustande kommt.
Während der Prüfer unbewusst auf seine soziale Primär-Rolle besteht und sich von dem Prüfling distanziert (siehe Zeile 28 / 36), versucht sich der Geprüfte mit ihm auf eine Stufe zu stellen. (siehe Zeile 35) Es ist jedoch ein Irrtum zu glauben, dass man ein Inhaltsproblem auf der Beziehungsebene lösen kann. (Das gilt auch im umgekehrten Sinn.) Es ist schwer zu glauben, dass Herr Tegtmeier die Führerscheinprüfung bestanden hat ...



Thema : Kommunikations-Theorie

Textquelle: Jürgen v. Manger, Bleibense Mensch! dtv-Verlag, München 1974, S. 123 f.

Datum : Oberhausen, den 15.03.2003

Name : Xenia Fritzsche