Finanzierung der Entwicklung durch Export von Kaffee

Die Frage, welche eher eine Negierung sein sollte, die sich aus der Überschrift ergibt, liegt auf der Hand. Kann unter derzeit gegebenen Umständen ein „Dritte-Welt-Land“ seine Entwicklung durch den Export von Kaffee finanzieren, oder bedarf es vielmehr eines anderen Entwicklungsplan, der am besten von den Industrienationen mitausgearbeitet und unterstützt wird. Den ersten Teil der Frage versuche ich am Ende meiner Arbeit zu beantworten.
Einer Zeitungsmeldung vom 10.08.2000 zufolge betrug der Preis für ein Pfund Röstkaffee in Deutschland, nach heutigem Wert, gerade mal 3,48 € und lag somit auf dem tiefsten Stand seit 1993. Dieser Tiefstand soll an zweierlei Ursachen liegen: Zum einen an der sinkenden Notierung auf dem Weltmarkt und zum anderen an dem Konkurrenzkampf zwischen den Einzelhändlern. Auch die schlecht ausgefallene Ernte in dem „Kaffee-Exportland“ Brasilien, bedingt durch Frost und Dürre, habe dem niedrigen Preis in keiner Weise geschadet. Lediglich an einem einzigen Tag stiegen die Notierungen für Kaffee, laut Meldung, um 50 Prozent. Danach fielen sie aber wieder. Brasilien wolle versuchen dem Sinken des Preises entgegenzuwirken, indem es die Ausfuhr des „Luxusguts“ um 20 Prozent zurückfahre.
Dieser oben genannte „Abwärtstrend“ lässt sich auch eindeutig an folgender Tabelle (Abbildung 1) ablesen.
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Abbildung 1
Während der Preis für Kaffee sank, stieg er in gleicher Weise für das Erdöl. Nach zweijähriger Beobachtung des Kaffeepreises kann man feststellen, dass er um 33 Prozent gesunken ist. Wenn man diesem Verlauf folgt, könnte man annehmen, dass in einem Jahr eines der in Deutschland weitverbreitetsten und am häufig getrunkensten Warmgetränke lediglich die Hälfte seines Betrages vom Jahr 1998 auf dem Weltmarkt erzielen kann. Das mag für den Verbraucher nicht weiter tragisch sein, da es ihn durchaus freut, wenn sein „Lieblingsgetränk“ preiswerter wird, aber für die Kaffeeexporteure, sprich die Entwicklungsländer wie beispielsweise Brasilien hat es enorme negative Auswirkungen. Da sie nämlich durch den Verkauf ihres Exportgutes, dem Rohkaffee, weniger Devisen erwirtschaften können, bleibt ihnen einerseits der Import andere Güter verwehrt und andererseits können sie ihre Schulden nicht begleichen, die sich wegen vorherigem genanntem Punkt eher vergrößern. Wenn man dazu noch beachtet, dass die Erdölpreise anwachsen (wie in Abbildung 1 zu sehen, ist er von 1998 bis 2000 um 140 Prozent gestiegen!), kann man ersehen, in welch übler Situation die Entwicklungsländer stecken, da Erdöl immer noch, vor allem dort, wo kein Geld für alternative Energieträger/-quellen existiert, ein wichtiger Energielieferant ist.
Der Grund, wieso die Preisentwicklung für Kaffee negativ verläuft, hat eine relativ leicht nachvollziehbare Hauptursache. Diese soll im Folgenden erläutert werden.
Ein Land, das die nötige Fläche und die entsprechenden klimatischen Verhältnisse hat, baut ein Produkt an, welches durch seinen Bedarf auf dem Weltmarkt aufgefallen ist. In diesem speziellen Fall sei es der Kaffee. Dadurch, dass der Bedarf anfangs noch höher als das Angebot ist, erzielt das Land Gewinne in Form von Devisen. Diese Einnahmen ziehen einerseits die Aufmerksamkeit anderer Länder nach sich, die dementsprechend den Kaffee auch anbauen. Andererseits veranlassen sie das Land Investitionen in die Produktion des Kaffees oder auch in andere landwirtschaftliche beziehungsweise industrielle Errungenschaften zu starten. Das wiederum hat zur Folge, dass das Land zum einen die Devisen ausgibt, um neuere Maschinen oder ähnliches zu erwerben und zum anderen mehr Kaffee anbauen/produzieren kann. Da sich jetzt sowohl das erste Land als auch die aufmerksam gewordenen Länder auf dem Kaffeemarkt etablieren wollen, kommt es unglücklicherweise zu einer Überproduktion der Exportkultur. Das Angebot übersteigt allmählich die Nachfrage, daher sinkt der Preis auf dem Weltmarkt. Infolgedessen müssen die Länder, die den Kaffee ausführen abermals die Produktion steigern. Ein fataler Teufelskreis ist an dieser Stelle schon ersichtbar. Die Folgen sollen später noch einmal genauer betrachtet werden.
Wenn man sich die Atlaskarte anschaut, zeigt sich die Behauptung, dass vor allem in Südamerika viel Kaffee angebaut wird, bestätigt. Im Einzugsgebiet des Flusses Cauca in Kolumbien konzentriert sich die Anpflanzung, aber auch in Brasilien, südlich des Rio Grande, um nur einige Standorte zu nennen. (Vgl. Diercke Weltatlas 1996; Seite 210/211)
Der Anlass dafür, dass der Erdölpreis so hoch ist, lässt sich beinahe mit der gegenteiligen Erläuterung erklären. Erdöl ist kein nachwachsender Rohstoff, zumindest nicht in dem Sinne, wie es Kaffeebohnen, Zuckerrohr oder dergleichen sind. Dieser Faktor und der, dass Erdöl ein noch vergleichsweise billiger Energieträger ist, machen es zu einem begehrten Rohstoff. Die Nachfrage ist zumeist größer als das Angebot. Deshalb liegt der Preis demgemäß höher.
Wenn nun der Preisverfall des Kaffees weiter zunimmt, was wie gezeigt zu erwarten ist, dann muss die Überschrift differenziert werden. Man kann dann nämlich nicht davon ausgehen, dass die Problemländer ihre Entwicklung mithilfe des Kaffeeexports finanzieren. Vielmehr geraten sie in eine Abhängigkeit, die schwere Folgen nach sich zieht, Folgen die ich weiter oben schon erwähnte. Sie werden abhängig von dem Produkt. Die Schulden an die Industrieländer müssen beglichen werden. Das können sie aber nur durch Devisen gewährleisten. Diese wiederum erwirtschaften die Länder durch die Ausfuhr von beispielsweise Kaffee. Durch den erhöhten Anbau von Kaffee gehen wertvolle Flächen verloren, die für die Nahrungsversorgung genutzt werden könnten. Also muss man bestimmte Nahrung importieren, was wiederum Devisenausgabe bedeuten würde.
Wie man sieht, gibt es kein Kapital durch den Export von Kaffee, das für die Entwicklung verwendet werden kann. Eher noch wird sie durch eben diesen verhindert oder gar rückgängig gemacht, wie uns das Negativ-Beispiel Brasilien zeigt, das eben dieses Problem mit dem Zuckerrohr hat. Dabei sprach man in den 60ern/70ern noch von dem „Entwicklungswunder Brasilien“.
Eine Möglichkeit, den Ländern zu helfen, wäre es, ihnen die Schulden zu erlassen. Nur kann man zu Recht annehmen, dass es nur eine temporäre Lösung wäre, da man „das Übel an der Wurzel angreifen muss“.

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