Einleitung

Unsere nächtlichen Insektenfresser sind heimlich lebende Tiere. Kaum einer hat je eine Fledermaus aus der Nähe gesehen. Wir begegnen ihnen als flüchtigen Schatten während eines sommerlichen Abendspazierganges. Ihre Lebensweise macht die Tiere für einige Menschen unheimlich, für den Naturinteressierten jedoch erst richtig spannend. Wer einmal einen der kleinen Kobolde der Nacht hautnah erleben durfte, wird sich der Faszination Fledermaus kaum noch entziehen können.

Was sind Fledermäuse?
Fledermäuse gehören zu der Gattung der Säugetiere. Es sind die einzigen Säuger, die nicht nur gleiten, sondern wie die Vögel fliegen können. Alle Fledermäuse haben einen dicht behaarten Körper. Ihre Jungen werden lebend geboren und gesäugt. Sie leben schon seit 50 Millionen Jahren auf der Erde und sind mit 24 Arten in Bayern und 25 Arten in Deutschland nachgewiesen.

Fledermäuse – eine bedrohte Lebensform
Aufgrund der Einengung ihres Lebensraumes und des Rückganges landschaftlicher Vielfalt nahm die Zahl der Fledermäuse drastisch ab! Fledermäuse wurden bereits 1936 unter gesetzlichen Schutz gestellt. Trotzdem konnte ein bedrohlicher Rückgang nicht verhindert werden. Seit den 50-er Jahren nahmen die Bestände der meisten Arten ab. Schätzungen gehen davon aus, dass einige Arten nur noch 5 – 10 Prozent der damaligen Bestände aufweisen. Während zum Beispiel um 1960 in manchen Höhlen noch über 3.000 überwinternde Fledermäuse gezählt werden konnten, findet man dort heute kaum noch mehr als 200 Tiere.

Lebensräume der Fledermäuse
Die Lebensräume der Fledermäuse können von Art zu Art und je nach Jahreszeit unterschiedlich sein. Ganz allgemein unterscheidet man Baumfledermäuse, die vor allem die warme Jahreszeit in Baumhöhlen verbringen und Hausfledermäuse, die ihr Quartier auf Dachböden, in Mauerspalten oder hinter Fensterläden aufschlagen.

Die Nahrung der Fledermäuse
Federmäuse ernähen sich von Insekten, Spinnen, Tausendfüßlern und anderen Gliedertieren, die sie in der Dämmerung und in der Nacht erbeuten. Sie gehen nachts auf die Jagt, weil sie in dieser Zeit fast keine Feinde und Nahrungskonkurrenten haben. Die Beute wird überwiegend im Flug ergriffen. Die Art „Langohr“ können sogar im Rüttelflug „stillstehen“ und Insekten von den Blättern der Bäume ablesen. Die Art „Hufeisennase“ jagt oft im „Fliegenschnäpperstil“: Sie ortet von einer Stelle aus und fliegt gezielt auf, wenn sie eine Beute entdeckt hat. Einige Fledermausarten, wie zum Beispiel „das große Mausohr“, jagen außerdem auch auf dem Erdboden, wobei sie von Geräuschen und vom Geruch der Insekten geleitet werden.

Lebensweise
Ultraschallortung zur Orientierung und zum Beutefang:
Fledermäuse haben relativ kleine Augen und nehmen ihre gesamte Umgebung einschließlich ihrer Beute hauptsächlich durch Ultraschalllaute wahr. Sie senden intensive Rufe aus, die aus dem Mund oder aus der Nase ausgestoßen werden. Alle Hindernisse, aber auch mögliche Beutetiere im Bereich des Schallkegels werfen Echos zurück und geben der Fledermaus ein „Hörbild“ ihrer Umgebung.
Die zurückkehrenden schwachen Echos werden vom Gehörsystem so gut ausgewertet, dass die Tiere Entfernung und Größe eines Objektes sowie dessen Bewegungsrichtung erkennen können. Selbst haardünne Fäden werden wahrgenommen. Die Ortungslaute liegen zwischen 20 und 120 kHz und sind meist für uns nicht hörbar. Jede Art stößt unterschiedliche Ortungslaute aus, die bei der Jagd sehr schnell hintereinander folgen – unmittelbar vor dem Fang eines Insektes bis zu 100 Rufe in der Sekunde! Die Lautstärke einer Rufreihe ist je nach Art sehr unterschiedlich. Die Art „Große Hufeisennase“ stößt Ortungslaute aus, deren Schalldruck der Lautstärke eines Presslufthammers in zehn Zentimeter Entfernung von unserem Ohr entspricht. Die Art „Langohren“ dagegen sind „Flüsterer“. Fledermäuse gleiten also keineswegs so lautlos durch die Nacht, wie dies unser Unvermögen, ihre Rufe wahrzunehmen, vermittelt.
Die mit dem menschlichem Ohr wahrnehmbaren Rufe der Fledermäuse dienen im allgemeinen der Verständigung untereinander, es sind sogenannte Soziallaute. So kann man in Wochenstuben oder Schlafgemeinschaften häufig ein Zwitschern und Zetern hören.

Körperbau
Wie schon erwähnt sind Fledermäuse die einzigen Säugetiere, die aktiv fliegen können! Dies bereitete Naturforschern früher auch Schwierigkeiten bei der Einordnung in das zoologische System; manche hielten sie für ein „Mitteltier“ zwischen Vogel und Maus. Fledertiere besitzen jedoch ein Fell und keine Federn, haben keinen Schnabel, sondern Zähne und sie gebären lebende Junge, die gesäugt werden. Diese Merkmale weisen sie eindeutig als Säugetiere aus.
Die Flügel werden von einer zarten, aber strapazierfähigen und reich durchbluteten Flughaut gebildet, die zwischen den stark verlängerten Fingern, den Beinen und dem Schwanz aufgespannt ist. Fledermäuse fliegen also mit den Händen und gehören somit zur Ordnung der Handflügler (Chiroptera). Da sich Arme und Hände zu einem hochspezialisierten Flugapparat entwickelt haben, taugen sie wenig zum Klettern an Baumstämmen oder an Höhlenwänden. Hierzu benutzen Fledermäuse die Hinterbeine, die kräftige Krallen aufweisen, sowie die Daumen als einzige freie Finger. So kommt es, dass sie in Ruhephasen mit dem Kopf nach unten hängen. Ein besonderer Sehnenmechanismus ermöglicht es den Tieren sogar, sich ohne Kraftaufwendung, durch den Zug des eigenen Körpergewichts mit den Krallen an der Wand oder Decke festhalten. Auf diese Weise können die Tiere mehrere Monate im Winterschlaf hängen bleiben.

Winterschlaf
Während der kalten Jahreszeit gibt es viel zu wenige Insekten, so dass eine Fledermaus davon satt werden könnte. Um in unserem Klima überleben zu können, haben sich die Fledermäuse einen Trick ausgedacht, den wir auch von Igel, Siebenschläfern oder dem Bären kennen – sie schlafen. Zum sogenannten Winterschlaf suchen sich die Tiere ein geeignetes Quartier aus, meist eine Höhle oder einen Keller, und kühlen dann langsam bis auf die Umgebungstemperatur ab.
Der Winterschlaf wird auch natürlicherweise durch kurze Wachperioden unterbrochen. In diesem Fall verläuft das Aufwachen langsam, und der Energieverbrauch ist entsprechend gering. Jetzt können die Fledermäuse trinken, die Blase entleeren und den Hangplatz wechseln.

Bei Störungen im Winterquartier dagegen wacht die Fledermaus unter größtem Energieaufwand innerhalb weniger Minuten auf. Was normalerweise als Schutzmechanismus vor Räubern oder plötzlichem Frosteintritt eine sinnvolle Anpassung darstellt und das Überleben sichern kann, wird bei menschlichen Störungen zur tödlichen Gefahr. Geschieht dieser Aufwachprozess nämlich zu oft, kann der damit verbundene Energieverlust so groß sein, dass das Tier im Frühjahr zu schwach ist, um sich erwärmen zu können. Die Fledermaus stirbt! Fledermäuse reagieren im Winterschlaf nicht nur empfindlich auf Temperaturänderungen, sondern auch auf Störungen wie Geräusche, Anleuchten mit der Taschenlampe oder leichte Berührungen
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Jahreszyklus
Im Frühling und Sommer ist für Fledermausweibchen die Zeit der Schwangerschaft und Jungenaufzucht. Dies findet in den sogenannten Wochenstuben statt. Die Männchen leben in dieser Zeit meist als Einzelgänger. Sobald die Jungen flügge sind, beginnt die zeit der Paarung, die sich bis in den Herbst hineinzieht. Die Lebenserwartung liegt im Schnitt bei fünf bis sieben Jahren. Einzeltiere können aber auch ein Ater von über 30 Jahren erreichen.
Im März und April, nach dem Winterschlaf, suchen die Fledermäuse ihre Sommerquartiere auf. Dabei bevorzugen sie geräumige Baumhöhlen oder Spalten hinter Rinde, sowie große Dachstähle von Gebäuden oder schmale Spalten hinter Verkleidungen, in Felswänden oder Mauern.
Neben den „typischen“ Specht- und Fäulnishöhlen sind auch Stammrisse und abplatzende Borke ein wichtiger Quartiertyp. Da solche Quartiere naturgemäß kurzlebig sind, muss eine ausreichende Anzahl zur Verfügung stehen.

Die trächtigen Weibchen bilden für mehrere Monate Wochenstuben mit, (je nach Art) zehn oder bis über 1000 Tieren. Hier werden die Jungen geboren (in der Regel eins, selten zwei) und aufgezogen. Dabei kehren sie meist an den Ort ihrer eigenen Geburt zurück. Geeignete Quartiere können daher über Jahre oder Jahrzehnte hinweg genutzt werden.

Das nackte und blinde Neugeborene gleitet bei der Geburt in die gespreizte Schwanzflughaut, die Nabelschnur wirkt als „Sicherheitsleine“. Es hält sich mit seinem Milchgebiss an den Zitzen der Mutter fes und wird von nun an etwa acht Wochen lang gesäugt. Fledermausjunge sind sehr wärmebedürftig. Bei niedrigen Außentemperaturen rücken die Weibchen eng zusammen und wärmen so die Jungen. Während der Jagdflüge werden die Jungtiere zurückgelassen. Auch sie harren dicht aneinander gedrängt aus. Die Weibchen kehren aber in der Nacht zurück, um die Jungen zu säugen. Im Alter von sechs bis acht Wochen sind die Jungen flügge und folgen ihren Müttern auf den ersten Jagdflug.

Bei großer Gefahr oder Störung können die Mütter zusammen mit den Jungen auch einen Quartierwechsel vornehmen. Die Jungen klammern sich dann an den Zitzen hängend im Fell fest. Es kann vorkommen, dass sich eine große Kolonie so in mehrere kleine aufspaltet.
Männchen findet man meistens alleine außerhalb der Wochenstuben.

Paarung und Quartierwechsel
Nach dem Flüggewerden der Jungtiere (ab etwa Mitte Juli bis Ende August) beginnt die Auflösung der Wochenstuben und die Paarungszeit. Die Weibchen treffen sich mit den Männchen in den Paarungsquartieren.
Die Paarungszeit dauert bis in den Winter. Obwohl die Weibchen im Herbst und Winter begattet werden, beginnt die Tragzeit erst im Frühjahr. Die Spermien werden den Winter über in einer Samentasche des Weibchens gespeichert und am Leben gehalten.

Die Jungtiere bleiben länger im Geburtsquartier, verbessern ihre Ortskenntnis und fressen sich für den erster Winterschlaf ihres Lebens ausreichende Fettreserven an.
Für die in diesem Jahr geborenen jungen ist es nun wichtig, den Spuren der Alten folgend, die geeigneten Winterquartiere kennen zu lernen. Ebenso wie traditionsgemäß über Jahre hinweg immer die gleichen Wochenstuben genutzt werden, prägen sich Fledermäuse auch geeignete Winterquartiere, sogar besondere Hängplätze ein, die über Jahre hinweg aufgesucht werden.
Um zum Winterquartier zu gelangen, unternehmen manche Arten weite Wanderungen.

Winterquartiere
Bis zum Oktober und November haben sich die Fledermäuse ihren Winterspeck angefressen. Von diesen Reserven zehren die Tiere während des bis zu sechs Monate langen Winterschlafes.
Alle Lebensfunktionen der Fledermäuse sind jetzt dank dieses physiologischen Tricks stark herabgesetzt. Der Körper „läuft auf Sparflamme“. Das bedeutet: Eine tiefe Körpertemperatur, die von ca. 38°C auf nur (5-3)°C abgesenkt ist, deine niedrige Atemfrequenz, langsamer Herzschlag und entsprechend verlangsamter Stoffwechsel und deshalb sehr geringer Energieverbrauch. Bis um Frühjahr verlieren die Fledermäuse bis zu 30 Prozent ihres Körpergewichtes.
Die Zeit des Winterschlafes verläuft für die Fledermäuse nicht immer ruhig; vielmehr können sie während des Winterschlafes verschiedene Gefahren ausgesetzt sein: Da die Nahrungsreserven der Fledermaus knapp bemessen sind, darf sie nicht zu viel Energie verbrauchen, muss also an einem kühlen Ort hängen, um nicht unnötig zu erwachen.
Sie darf aber auch nicht erfrieren. Wird es zu kalt, das heißt unter null Grad, muss sie aufwachen und den Platz wechseln. Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist die Luftfeuchtigkeit. Genau wie bei anderen Säugetieren ist daher die Gefahr des Verdurstens noch größer als die des Verhungerns. Damit die Tiere im Winterquartier nicht zu viel Flüssigkeit verlieren, benötigen sie eine Umgebung mit hoher Luftfeuchtigkeit. Nicht zuletzt ist ein fast bewegungsunfähiges Tier im Winterschlaf eine leichte Beute eines Räubers. Der Hangplatz muss also sicher vor Feinden sein.
Ein günstiges Fledermausquartier
Ist daher frostfrei (günstige Temperaturbedingungen liegen zwischen (3 und 9)°C),
  • Hat eine hohe Luftfeuchtigkeit (85%-100%),
  • Ist zugluftfrei,
  • Weist viele Spalten, Ritze und Vorsprünge auf, die als sichere Hangplätze und Verstecke geeignet sind.

Schutzmaßnahmen
Fledermäuse benötigen gezielte Schutzmaßnahmen, wenn ein weiterer Bestandsrückgang oder sogar das Aussterben besonders bedrohter Arten verhindert werden soll. Dieses Ziel kann über die Aufklärung der Bevölkerungsarbeiten erreicht werden. Speziell auf Fledermausschutz ausgerichtete Bestimmungen und Hilfsmaßnahmen bleiben jedoch ohne langfristigen Erfolg, wenn nicht jeder sich bemüht beim Umweltschutz mitzuhelfen.