Die Entwicklung der Schrift



Nachdem der Mensch sein nomadisches Leben aufgegeben hatte, an einem Ort sesshaft geworden war, seinen Acker bestellte und somit zum Bauern wurde, wuchs auch sein Bedürfnis, seinen Besitz und sein religiöses Brauchtum aufzuzeichnen. Auch für die sich mit seinen Nachbarn entwickelnden Handelsbezeichnung wurden schriftliche Mitteilungen zu einem fördernden Kontaktmittel. Doch die Entwicklung der Schrift von Bildern über Symbole bis hin zum Buchstaben war ein langer Weg.

Die frühesten Beispiele einer Schreibarbeit, die uns bekannt sind, stammen aus sumerischen Siedlungen. Ihr Schriftsystem, mit Keilschrift bezeichnet, wurde auf Tafeln aus feuchtem Ton eingearbeitet, die danach gebrannt wurden. Aufgetretene Fehler konnten im feuchten Ton vor dem Brennen gut korrigiert werden. Bei den in Keilschrift geschriebenen Tafeln handelt es sich hauptsächlich um Berichte, die Einblick gewähren in das Gemeinschaftswesen, die Arbeit, den Handeln des Volkes.

Die Entwicklungsstufen der Keilschrift lassen sich sehr gut nachzeichnen. Die ursprüngliche Schreibform war eine Folge von Bildern, die uns eine Geschichte erzählen. Alsdann kam die Stilisierung der Bilder, um möglichst schnell und mit wenig Strichen zeichnen, das heißt schreiben zu können. Wollte man aber nun ein Symbol , zum Beispiel das für Sonne auch für Tag und Zeit verwendbar machen, musste es durch weitere Zeichen ergänzt werden. Man versuchte also, ein Symbol für einen bestimmten Gegenstand, dessen Bezeichnung mit einem ähnlichen Laut begann, zu verwenden; z.B.: Baum – Blätter, Biene – Blume usw. So entwickelten die Sumerer schließlich bis zu ca. 2000 Zeichen.

Die Keilschrift der Sumerer fand auch nach 1720 v. Chr. Durch die babylonischen Stämme unter König Hammurabi ( König der ersten Dynastie des babylonischen Reiches um 2000 v. Chr.) weite Verbreitung bei den Völkern im östlichen Mittelmeerraum.

Zur selben Zeit als die Sumerer zwischen den Flüssen Tigris und Euphrat das Land kolonisierten, schufen die Ägypter an den Ufern des Nils ihre große Kultur und entwickelten einen eigenen Schreibstil. Auch bei ihnen kann man einen dreistufige Entwicklung der Schrift beobachten. Am Anfang war es auch hier eine Bilderschrift, die uns als „Hyroglyphen“ bekannt ist. Aber auch die nächsten Stufen, die Pristerschrift und die Volksschrift, blieben ihren Wesen nach Bilderschriften.

Während die Sumerer versuchten, ihr Schreibsystem zu vereinfachen, blieben die Ägypter trotz ihrer neuen Schreibmaterialien wie Rohrpinsel, Tinte und Papyrus bei ihrer Bilderschrift. Anfangs wurde in senkrechten Zeilen von rechts nach links geschrieben, von der 12. Dynastie ab in kurzen waagerechten Zeilen. Der ägyptische Schreiber benutzte neben schwarzer Tinte die Farbe Rot für die Titel oder Kopfzeilen. Als Bindemittel gebrauchte er eine Art von Gummi.

Aus Wandgemälden erfahren wir, wie die Phyruspflanze geerntet wurde, um sie später zu Schreibmaterial zu verarbeiten.

Wir wissen auch von Schreibschulen. Dort herrschte ein strenges Regiment, und die Schüler verbrachten manche mühsame Stunde mit dem Abschreiben von Meistervorlagen. Unter den Wissenschaftlern gibt es immer noch umstrittene Theorien, wie die Einflüsse früher Schriftsystem von späteren Kulturen überliefert wurden.

Die Griechen glaubten, das ihre Ahnen die Schrift von den Phöniziern übernommen hätten. Vermutlich entwickelten die Phönizier ihr Alphabet aus zahlreichen Quellen. Das Alphabet der Phönizier, die je ein Teil der aramäischen Völker waren, bildeten die Wurzel östlicher Schreibweisen.

Ebenso oder mindesten so alt ist die chinesische Schrift. In China war schon im 1. Jahrhundert v. Chr. Die Schrift fest eingebürgert. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Chinesen in einer Zeit von 2000 Jahren wohl viele Dialekte und Sprachen im eigenen Land entwickelten, aber dennoch für die schriftliche Verständigung nur ein Schreibsystem geschaffen haben.

Bei den Römern ist uns der Einfluss der Etrusker und Griechen auf die Ornamentik und Architektur wohl bekannt, aber auch in der Schrift scheint ihr Alphabet von diesen übernommen oder beeinflusst zu sein.