Erörterung - dialektisch

Aufgabenstellung:
Militäreinsatz deutscher Soldaten im Kampf gegen den Terror, weltweit?


Uwe Kamm 09.11.2001

„Schröder und Fischer sagen den USA uneingeschränkte Unterstützung zu! Heftige Kritik von Seiten der Bündnisgrünen!“ Diese oder ähnliche Schlagzeilen kann man zurzeit auf den Titelseiten der Zeitungen lesen. Ein Thema, das eindeutig die Nation spaltet. Es gibt nur wenige Bürger, die hiezu keine Meinung haben. Doch nicht nur das, die Meinungen sind entweder extrem für einen Einsatz deutscher Truppen im Kampf gegen den Terror, oder total dagegen. Im folgenden Aufsatz werde ich beide Seiten genauer erörtern.
Ob ein Kampfeinsatz überhaupt sinnvoll ist, fragt man sich beim Betrachten der Tatsache, dass die Bundesrepublik gar nicht direkt von den Terroranschlägen betroffen ist. Bisher richtete sich die Gewalt fast ausschließlich gegen die vereinigten Staaten, lediglich bei Demonstrationen wurden auch schon britische Flaggen verbrannt. Wenn mein Nachbar Streit mit einem dritten Bewohner unserer Straße hat, fange ich nicht diesem ja auch nicht gleich einen Streit an.
Zudem würden wir Deutschen unser Ansehen in den arabischen Ländern aufs Spiel setzen. Wir würden durch unsere Mithilfe mit den USA über einen Kamm geschert werden. Dies könnte unseren Ruf in der nahöstlichen Welt zerstören, wodurch auch Handelsbeziehungen in die Brüche gehen könnten.
Denkt man diesen Gedanken weiter, so erkennt man, dass dahinter auch eine große Gefahr steckt: Werden wir erst einmal mit den Amerikanern auf eine gleiche Ebene gestellt, so sind wir auch nicht mehr vor Gegenangriffen und Racheakten geschützt. Dann könnte es auch in unserem Land zu Krieg kommen und das gilt es doch in jedem Falle zu vermeiden.
Betrachten wir die finanzielle Seite, so müssen wir uns im Klaren darüber sein, dass Aktivitäten der Bundeswehr nicht billig sind. Erst Anfang 2001 beklagte Generalinspekteur Kujat den mangelhaften Zustand der Bundeswehrausrüstungen. Sicher sei, dass größere Einsätze nur mit einem finanziellen Kraftakt zu bewältigen seien. Selbst in Bosnien und Kroatien müssen deutsche Soldaten improvisieren. Während meiner Wehrdienstzeit von November 2000 – August 2001 hatte ich kein einziges Mal ein G36 (Gewehr, das seit 1998 bei der Bundeswehr eingesetzt wird) in der Hand. Wir schossen noch mit den G3s, die ja schon seit den frühen sechziger Jahren im Einsatz sind.
Abgesehen von finanziellen und ideologischen Gesichtspunkten muss man damit rechnen, dass Kriege immer auch personelle Schäden nach sich ziehen. Kein Krieg geht zu Ende, ohne auf allen Seiten Menschenleben zu fordern. Das bekamen besonders die Amerikaner zu spüren, als sie meinten, das kommunistische Regime in Vietnam im Handstreich besiegen zu können. Zum Schluss war der Vietnamkrieg das größte militärische Desaster, das die USA je erlebt hatte.
Als letztes Contraargument möchte ich das Grundgesetz erwähnen. Dort ist festgelegt, dass Deutschland nur im Falle der Verteidigung in militärische Handlungen eingreifen darf. Da es sich hierbei um keinen direkten Angriff auf die BRD handelt, dürften wir auch keine Truppen entsenden.
Soviel zu den Gegenargumenten. Doch warum hält unsere Regierung so sehr an ihrem Vorhaben fest? Es scheint auch gute Gründe für eine deutsche Beteiligung zu geben.
Wer keine aktive Hilfe leistet, der muss die Nato finanziell unterstützen. Dies würde unsere Steuern wieder steigen lassen, da der Staat sich sein Geld von uns Bürgern holt. Im Golfkrieg musste die Bundesrepublik mehr Geld zahlen, als jeder andere Bündnispartner der Nato.
Wir Deutschen haben nun mal eine Bündnisverpflichtung. Immerhin haben wir davon zu Zeiten des Kalten Krieges fast nur profitiert. Es gibt zwar die Möglichkeit sich weiterhin aus den Kampfhandlungen herauszuhalten und finanzielle Unterstützung zu leisten ( siehe oben ), aber dies wäre moralisch gesehen sehr schlecht und entspricht nur bedingt dem Solidarprinzip. „Geteiltes Leid ist halbes Leid“ wäre hier angebracht. Man sollte auch immer daran denken, was die USA nach dem 2. Weltkrieg für uns alles getan haben.
Die Vertreter der Rüstungsindustrie befürworten natürlich einen Bundeswehreinsatz. Sie würden dadurch höhere Umsätze machen, was höhere gewinne bedeuten würde. Zudem wird die Ausrüstung unserer Soldaten fast ausschließlich in der BRD hergestellt, was im Falle einer Entsendung unserer Truppen bedeuten würde, dass durch die vermehrten Produktionsaufträge auch neue Arbeitsplätze geschaffen werden würden.
Beiläufig sammeln wir Deutschen durch vermehrte Einsätze im Ausland auch wichtige Erfahrungen für spätere Zeiten. Wir wissen nicht was die Zukunft bringt. Daher ist es immer gut, wenn man weiß wie man mit bestimmten Kulturen oder deren Krisen und Problemen umgehen muss. Gerade die Bundeswehr hat darin noch Nachholbedarf. Die meisten Einrichtungen unserer Streitkräfte sind noch auf dem Level des Kalten Krieges.
Ein weiterer Gesichtspunkt wäre der Frieden auf unserer Erde. Wenn es uns gelingen sollte, das Taliban-Regime zu stürzen und in Afghanistan einen annähernd demokratischen Staat zu errichten, so hätten wir einen weiteren Schritt in Richtung Globalisierung getan. Als Paradebeispiel dafür gelten doch wir Deutschen. Hätten sich die westlichen Siegermächte nach dem 2. Weltkrieg nicht zusammengesetzt und einen Plan für Deutschland entworfen, so wären wir heute noch nicht demokratisch.
Ist es erst einmal geschafft, in einem Land eine Demokratie zu errichten, so kann man mit Aufbau- und Wirtschaftshilfe langjährige Handelsbeziehungen schaffen. Wenn man das Land schon von Kampfeinsätzen her kennt, so kann man daraus auch Nutzen ziehen und durch eigene Ideen den Bündnispartnern zuvorkommen. Verbindungen mit beispielsweise führenden Regimegegnern können nach Beendigung des Krieges schnell wieder aufgegriffen und genutzt werden.
Als wichtigstes Argument halte ich unsere Sozialverpflichtung. Eine Wirtschaftsmacht wie die BRD, die zudem über so viel Wohlstand verfügt, muss auch in der Lage sein, Verantwortung zu übernehmen. Wir können die Augen nicht vor dem Unrecht verschließen, das in unserer Welt herrscht. Wir können viel dagegen tun, dass korrupten und menschenrechtverachtenden Regimes das Handwerk gelegt wird. Wo Unrecht herrscht, müssen sich die Starken zusammenschließen um Gerechtigkeit zu schaffen.
Schlussfolgernd komme ich zu dem Ergebnis, dass wir Deutschen um einen Einsatz nicht herumkommen. Frieden schaffen durch Verweigerung von Krieg funktioniert eben nicht, auch wenn viele dieser Meinung sind. Ein Konflikt kann nur dann beseitigt werden, wenn man sich ihm stellt. Durch Wegsehen unterstützt man nur die Ungerechtigkeit auf unserer Erde. Auch finanzielle Hilfe allein bringt die Nato nicht weiter. Würde jede Nation so handeln, dann gäbe es niemanden mehr, der in den Krieg zieht und für unsere Freiheit kämpft.