Der Wiener Kongreß - Der Deutsche Bund - Die Heilige Allianz



Die Vertreter der Großmächte trafen sich 1814 in Wien um nach dem Sieg über Napoleon Europa neu zu ordnen. Vorsitzender war der österreichische Minister Metternich. Dieser war von vornherein entschlossen, die Rechte der Fürstenhäuser wieder so herzustellen, wie sie etwa vor 1789, dem Beginn der Französischen Revolution, bestanden hatten. Jede Mittbestimmung des Volkes wurde entschieden abgelehnt. Im Juni 1815 wurden die Verträge der Öffentlichkeit bekanntgegeben.
Eine Besonderheit in Europa war der Deutsche Bund, ein Staatenbund aus 35 Monarchien und 4 freien Reichsstääten, in dem die Einzelstaaten ihre völlige Unabhängigkeit behielten. Er entsprach in keiner Weisen dem Wunsch des deutschen Volkes nach Einigkeit, Recht und Freiheit.
Der Deutsche Bund hatte weder Macht, noch Ansehen. Dies lag an der politischen Zerrissenheit und der wirtschaftlichen Ohnmacht.
Die Monarchien von Rußland, Preußen und Österreich schlossen die Heilige Allianz. Sie stellten sich die Aufgabe: 1. Frieden in Europa zu wahren - 2. Die christliche Religionen zu schützen und 3. Für die Gerechtigkeit zu sorgen.
In Wahrheit verfolgte die Heilige Allianz der europäischen Monarchen den Zweck, die auf dem Wiener Kongreß herbeigeführte alte Ordnung zu wahren und freiheitliche und nationale Bestrebungen zu unterdrücken.
Die Bürger kämpfen um nationale Einheit und demokratische Freiheit
Der Wiener Kongreß hatte die Hoffnungen des deutschen Volkes bitter enttäuscht. Keine einheitliches, freies Vaterland war entstanden. Statt dessen gab es 39 größere und kleinere Vaterländer. Lediglich die Könige von Bayern und Württemberg, die Großherzöge von Baden und Hessen sowie der Herzog von Sachsen - Weimar hatten ihr Versprechen gehalten und ihren Ländern eine Verfassung gegeben. In allen anderen Staaten aber durften die Bürger nicht an der politischen Gestaltung teilnehmen. Wenn neue Gesetze erlassen oder neue Steuern erhoben werden sollten, wurden sie nicht gefragt. Die meisten Leute fanden sich mit diesen Verhältnissen ab. Sie murrten zwar ab und zu, aber sie wagten es nicht, ihren Unwillen in der Öffentlichkeit zu zeigen. Anderes verhielten sie die Studenten an den deutschen Universitäten.
Auf der Wartburg fordern die Studenten ein eigenes Vaterland.
Am 17., 18. Und 19. Oktober 1817, den Jahrestagen der Völkerschlacht bei Leipzig kamen viele deutsche Studenten auf der Wartburg in Eisenach zusammen. Sie wollten zugleich auch die 300. Wiederkehr von Luthers Anschlag der 95. Thesen festlich begehen. Die Studenten gehörten zur "Deutschen Burschenschaft". Viele von ihnen hatten 1813 als Kriegsfreiwillige gekämpft. Über der Brust trugen sie ein schwarz - rot - goldenes Band. Ihr Wahlspruch lautete: "Freiheit, Ehre, Vaterland!"
Ein Fackelzug beendete die Feier. Am lodernden Feuer der zusammengeworfenen Fackeln fand zum Abschluß noch ein Feuergericht statt. Die einzelnen Stücke, die verbrannt werden sollten, wurden an einer Mistgabel in die Höhe gehalten, dem versammelten Volk gezeigt und unter Flüchen und Verwünschungen in die Flammen geworfen. Was man in die Flammen warf? Es waren Sinnbilder der Unfreiheit und des Zwanges: ein hessischer Fürstenkopf, ein preußischer Soldatenschnürleib und ein österreichischer Korporalstock.
Die Fürsten unterdrücken mit Gewalt die Freiheitsbewegung.
An den Fürstenhöfen, besonders in Wien, war man äußerst besorgt.
Was wollte diese studentische Burschenschaft? Bereitete sie einen Umsturz vor, oder war das Wartburgfest etwa schon der Beginn einer Revolution?
Dieser Unruheherd mußte so schnell wie möglich beseitigt werden. Ein günstiger Anlaß, gegen die freiheitlichen Studenten vorzugehen, bot sich, als ein junger Burschenschaftler mit dem Namen Karl Ludwig Sand, den im russischen Dienst stehenden Dichter Kotzebuhe ermordete, da er ihn für einen Spion hielt. Auf einen Ministerkongreß in Karlsbad ( 1819 ) beschloß man auf Betreiben Metternichs harte Maßnahmen gegen die "Demagogen"
( Volksverführer ). Die Burschenschaften wurden verboten, die Universitäten einer strengen Polizeiaufsicht unterstellt. Viele Studenten und Professoren wurden verhaftet und eingekerkert. Ernst Moritz von Arndt verlor sein Lehramt. Der Turnvater Jahn saß sechs Jahre im Haft; die Turnvereine wurden aufgelöst. Alle vaterländisch gesinnten Männer, die für Einheit & Freiheit eintraten, wurden verfolgt. Ja, selbst die Fahne Schwarz - Rot - Gold durfte nicht mehr gehißt werden.
Vielen Deutschen war dieses Polizeiregiment unerträglich. Sie sagten sich, daß man in Deutschland nicht vorwärtskommen könne, solange die Regierungen das Volk in Unmündigkeit halten wollten.
Sie verzweifelten an Deutschland und kehrten ihrer Heimat den Rücken. Zehntausende tüchtige und unternehmende Männer zogen damals über den "Großen Teich", denn "drüben" in den USA winkte ihnen die Freiheit.


Die freiheitliche Bewegung feiert das Hambacher Fest.
Am 27. Mai 1832 strömten 30000 freiheitlich gesinnte Menschen zum alten Hambacher Schloß bei Neustadt in der Pfalz. Weder Polizeiverbote noch drohende Freiheitsstrafen hielten die Männer davon ab, an dieser großen Volksversammlung teilzunehmen. Die Revolution, die im Juli 1830 in Frankreich stattgefunden hatte, gab ihnen neuen Mut. Neben den schwarz - rot - goldenen Fahnen wehten die rot - weißen Fahnen der polnischen Freiheitskämpfer.
Viele wagemutige Redner und ihre Freunde warf man ins Gefängnis.
Einigen gelang die Flucht ins Ausland. Der Kampf um Freiheit und Einheit ging aber weiter.
Als Ergänzung:
Auch Lieder haben ihre Geschichte oder sind ein lebendiger Ausdruck der Geschichte. Das trifft besonders auf das "Lied der Deutschen" von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben zu. Es entstand im Jahre 1814 auf Helgoland. Von der damals noch englischen Insel aus wünschte und forderte der Dichter: "Einigkeit & Recht & Freiheit für das deutsche Vaterland!"
Wegen diese unseres Deutschlandliedes ( Nationalhymne ) und wegen anderer freiheitlicher und nationaler Gedichte verlor Fallersleben seinen Professur an der Universität in Breslau und wurde aus Preußen ausgewiesen.