Der Koreakrieg


(25. Juni 1950 – 27. Juli 1953)

Es gibt auf der Erde kein zweites Küstenland, welches sich so wenig zur Verschiebung militärischer Kräfte eignet wie Korea. Keines bietet dem Eroberer so wenig Hilfe und verspricht ihm so geringen Lohn. Korea ist fast durchwegs gebirgig, die Höhenkämme zeigen felsiges Gestein, auf den Hängen wachsen höchstens niedrige Sträucher und schütteres Gras. Nirgends gibt es dichte Wälder, die Straßen und Brücken sind zum größten Teil in einem katastrophalen Zustand.

Geschichte bis 1945


Bereits seit Beginn des 16. Jahrhunderts befand sich Korea (damals noch Choson) immer wieder in einem politischen Krisenzustand, doch erst 1592 begann eine Invasion der Japaner. Sie wollten Korea als Durchgangsweg für die Eroberung Chinas nutzen. 1598 gelang es, die Japaner zurückzuschlagen.
Im 17. und 18. Jahrhundert gab es in Choson immer wieder gewaltsame Auseinandersetzungen, die schnelle Entwicklung von Geldwirtschaft und Marktsystem überlasteten das innenpolitische und soziale System von Choson, das im 19. Jahrhundert auseinanderzubrechen begann. Das 1784 von China aus eingeführte Christentum wurde unter Taewongun verboten, ebenso schlug er militärische Angriffe Frankreichs (1866) und der Vereinigten Staaten (1871) zurück. 1876 zwangen die Japaner Korea, diplomatische Beziehungen zu Japan aufzunehmen, und beeinträchtigten so die traditionellen Bindungen Koreas gegenüber China. Japans Siege über China (1895) und Rußland (1905) führten 1910 zur formellen Annexion Chosons durch Japan.
Zwischen 1910 und 1918 festigte Japan seine Position durch Säuberungsaktionen unter den Nationalisten.. 1919 führten diese Maßnahmen zu einer Bewegung, die heute als Bewegung des Ersten März bekannt ist. Millionen Koreaner demonstrierten friedlich für die Unabhängigkeit, doch da die Unterstützung aus dem Ausland gering war, wurde die Bewegung brutal niedergeschlagen. In den folgenden Jahren strafften die Japaner ihre Kontrolle, sie unterdrückten nationale Bewegungen der politischen Linken und unterstützten die rechtsgerichteten Bewegungen. Diese Aktionen führten zum Verbot der koreanischen Sprache und sogar koreanischer Familiennamen.

Teilung des Landes nach dem 2. Weltkrieg – Der 38. Breitengrad

Kurz vor Ende des Krieges in der Pazifikregion hatten die Vereinigten Staaten und die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) nach der Kapitulation der Japaner vereinbart, Korea am 38. Breitengrad zu teilen. Beide Mächte nutzten ihre Anwesenheit, um ihnen wohlgesonnene Regierungen zu fördern. Die UdSSR unterdrückte die gemäßigten Nationalisten im Norden und unterstützte Kim Il Sung, einen Kommunisten. Im Süden gab es eine einflußreiche linke Bewegung, der verschiedene Gruppierungen rechter Nationalisten gegenüberstanden. Die Vereinigten Staaten waren nicht in der Lage, einen gemäßigten Kandidaten zu finden, der beiden Seiten genehm war. So entschied man sich schließlich für Syngman Rhee, einen Nationalisten, der gegen die Japaner Widerstand geleistet hatte und in den Vereinigten Staaten im Exil gelebt hatte. Alle Koreaner glaubten an die Wiedervereinigung, aber in der aufkommenden Atmosphäre des kalten Krieges scheiterten die amerikanisch-sowjetischen Konferenzen über die Vereinigung (1946, 1947) an gegenseitigem Mißtrauen. 1947 begannen beide Mächte, eigene Regierungen aufzubauen. Die von den Amerikanern unterstützten und von den Vereinten Nationen beobachteten Wahlen von 1948 führten im August 1948 zur Gründung der Republik Korea. Der Norden folgte im September 1948 und errichtete die Demokratische Volksrepublik Korea.
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Unruhen südlich des 38. Breitengrades und eine ständig wachsende Opposition gegen den südkoreanischen Präsidenten Syngman Rhee ließen das Staatsoberhaupt Nordkoreas, Kim Il Sung, zu der Überzeugung gelangen, daß er den Südkoreanern als Befreier willkommen wäre, wenn er die Rhee - Regierung absetzen und die zwei koreanischen Staaten wiedervereinen würde. Eine Wiedervereinigung unter seiner Führung würde sogleich der Opposition gegen Kim Il Sung in Nordkorea den Boden wegziehen.
Südkorea, das weiterhin von den Amerikanern unterstützt wurde, wäre ohne die umfangreiche und anhaltende Hilfe der USA schon längst erlegen, im Norden jedoch zog die Sowjetunion die Truppen zurück und überließ das Gebiet einer mit russischem Material ausgerüsteten und in erbarmungslosen Kampfmethoden geschulten nordkoreanischen Armee.
Über die Vorgänge nördlich des 38. Breitengrades war in Seoul, der Hauptstadt Südkoreas, und in Washington nur sehr wenig bekannt. Die Kommunisten hatten die Grenze zwischen den beiden Landesteilen streng abgeriegelt. Durch die Teilung verlor Korea, das Jahrtausende lang stets eine Einheit gebildet hatte, die Aussicht auf eine bessere wirtschaftliche Zukunft. Die Bodenschätze des Landes, seine Energiequellen und die Schwerindustrie befanden sich größtenteils im nördlichen Teil des Landes, während Südkorea mehr Landwirtschaft besaß. Vereint konnten sich die beiden Landesteile eine eigenständige, gesunde Wirtschaft aufbauen, getrennt waren beide zu chronischer Mangelwirtschaft verurteilt.

Kriegsbeginn

Nachdem Partisanenkämpfe an der Demarkationslinie und das Eindringen kommunistischer Kader nach Südkorea vorausgegangen waren, kam es am 25. Juni 1950 mit einem Überfall von regulären nordkoreanischen Infanterie- und Panzertruppen auf die südkoreanische Hauptstadt Seoul zum Beginn des Koreakrieges. An sechs Stellen überschritten an diesem regnerischen Sonntagmorgen um 4 Uhr kommunistische Truppen die Trennungslinie und stießen nach Südkorea vor. Die Verteidigung am 38. Breitengrad wurde völlig überrascht.
Die nordkoreanische Armee war der südkoreanischen unvergleichlich überlegen. Ein rascher Sieg konnte nicht ausbleiben, wenn nicht andere Länder zur Hilfe kamen. Die Armee Nordkoreas bestand aus 170 000 Mann, die in 15 Infanterie- und 2 Panzerdivisionen gegliedert waren. Die schwere Ausrüstung war natürlich von den Russen zur Verfügung gestellt. 150 Panzer vom Typ T 34 und 200 Jak, schnelle und wendige Kampfflugzeuge mit Propellerantrieb. Ohne die russische Hilfe wäre es nie zum Angriff gekommen.
Die 98 000 Mann der südkoreanischen Armee waren ebenso wie die 45 000 Mann starke Landespolizei nur mit leichten Waffen ausgerüstet. Die 8 Divisionen konnten kaum als kriegstauglich bezeichnet werden, den Offizieren fehlte es an Kommandoerfahrung unter Kampfbedingungen.
Sofort setzte die kommunistische Propaganda ein und verkündete, daß die Armeen nur in Selbstverteidigung handelten, um einem beabsichtigten Angriff Südkoreas zuvorzukommen. Die Ausrede war denkbar schlecht, nur drei Tage später konnte von den Nordkoreanern Seoul eingenommen werden.
Nur sieben Stunden nach Kriegsbeginn hatten die Nordkoreaner bereits das Ziel des ersten Kampftages erreicht. Erst zu diesem Zeitpunkt erfuhren die Vereinigten Staaten vom Überfall. Am folgenden Tag trat der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zusammen und beschloß, daß die Kommunisten den Kampf abzubrechen und umzukehren hätten. Da die Sowjetunion die Sitzungen der UNO boykottierten, waren die Vereinten Nationen auf der Seite Südkoreas. Man wollte versuchen, die Kommunisten aus Südkorea zurückzudrängen, um damit den allgemeinen Krieg zu vermeiden.
Am gleichen Tag flog General MacArthur nach Südkorea, um die Lage zu prüfen. Er kam zum Entschluß, daß zwei seiner amerikanischen Divisionen genügen müßten, um die Nordkoreaner aufzuhalten. General MacArthur wurde deshalb mit dem „Fall Korea“ beauftragt, da er aus dem 2. Weltkrieg militärische Erfahrungen in Südostasien hatte. Er hatte immerhin die japanische Kapitulation entgegengenommen.
In dieser Situation half Südkorea auch die sogenannte Truman - Doktrin. Dies ist die Bezeichnung für das von US-Präsident Harry Truman zu Beginn des kalten Krieges entwickelte Programm einer gegen den Kommunismus gerichteten Militär- und Entwicklungshilfe für Griechenland und die Türkei. Truman betonte, daß „es die Verpflichtung der USA ist, alle freien Völker zu unterstützen, die sich der Unterwerfung durch bewaffnete Minderheiten oder durch Druck von außen widersetzen.“
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Von der UNO wurde beschlossen, daß zur Wiederherstellung der Ordnung UN-Truppen nach Korea gesandt werden. Die USA stellten das weitaus größte Kontingent der UN-Truppen sowie den Oberbefehlshaber, General Douglas MacArthur, weitere 18 UN-Mitgliedsstaaten schickten Kampf-, Versorgungs- und Sanitätseinheiten. Der Korea - Einsatz war der erste Militäreinsatz gegen einen Aggressor in der Geschichte der UNO und ihrer Vorgängerorganisation, des Völkerbundes.
Trotz der massiven UN - Truppenpräsenz konnten die Nordkoreaner praktisch ganz Südkorea inklusive der Hauptstadt Seoul einnehmen und die UN – Truppen bis zur Hafenstadt Pusan im Südosten zurückdrängen.

Siegeshoffnung

General MacArthur hatte seit Mitte Juni Züge geplant, welche die festgefahrene Lage rund um Pusan lösen und General Walker Bewegungsfreiheit geben sollten. Als Höchstkommandiernder war er für die Kriegführung verantwortlich. Er entschied sich für einen Plan, der gleichermaßen seinem Können wie auch seinem Wagemut entsprach. Im zweiten Weltkrieg hatte er im Vormarsch von Australien zu den Philippinen dieselbe Taktik öfters angewendet: Mit einem überraschenden Stoß kombinierter Wehrmachtteile fiel er dem Gegner in den Rücken. Dank der vollkommenen Seebeherrschung der amerikanischen Flotte wurde diese Manöver auch hier möglich.
Da die Zahl der amerikanischen Soldaten nicht ausreichte, wurden halbausgebildete Südkoreaner mit in die Schlacht geworfen. Das Manöver wurde zu einem erstaunlichen Erfolg. Bis zum 22. September kümmerten sich die Kommunisten, die Pusan belagerten, nicht weiter um die Kämpfe in deren Rücken, doch dann zogen sie sich plötzlich nach Norden und Westen ins Hügelland zurück. Das amerikanische Netz war allerdings noch viel zu dünn, und so konnten viele Nordkoreaner durch die lockeren Maschen schlüpfen und Nach Norden fliehen. Niemand glaubte damals, daß man ihr Entkommen noch teuer werde bezahlen müssen.
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Am 26. September nahmen die UN-Truppen Seoul nach erbittertem Kampf ein. Häuserblock um Häuserblock mußte gegen die kommunistischen Verteidiger hart erkämpft werden. Während der Rauch noch aus den Trümmern stieg, nahm die Regierung ihre Tätigkeit wieder in Seoul auf. Für die Koreaner, die alliierten Truppen und die übrige freie Welt sah es so aus, als ob die Entscheidungsschlacht gewonnen und der Endsieg in Reichweite sei. Aus diesem Grund ließ die amerikanische Regierung die Truppen in Korea nicht weiter verstärken. Die Frage, ob die Armee in Nordkorea einmarschieren sollte, wurde diskutiert, die Entscheidung wurde aber General MacArthur überlassen.
Südkoreas Präsident Rhee wollte unbedingt einen Einmarsch in Nordkorea. Zwei südkoreanische Divisionen hatten an der Ostküste nach Rhees Befehl bereits den 38. Breitengrad überschritten, das Ziel einer anderen südkoreanischen Einheit war nicht diese Trennungslinie, sondern der Jalu, ein Fluß im Norden des Landes.
General MacArthur schickte seine Truppen nun nach Nordkorea, kurz darauf wurde auch offiziell beschlossen, daß MacArthur seine „Polizeiaktion“ nach Nordkorea auszudehnen hätte. MacArthur beschloß, seine Truppen auf dem Weg in den Norden zu trennen, damit ein schnellerer Vorstoß auf den schlechten Straßen Nordkoreas funktionieren würde. Der Nachschub wurde eingeschränkt, da bereits der vermeintliche Sieg vor der Tür stand. Vor der Tür stand allerdings nur der Winter.
Da die Amerikaner bei ihren Märschen auf keinen Widerstand stießen, warfen sie Stahlhelme, Granaten und andere lästige Ausrüstungsgegenstände weg, um sich die Fortbewegung zu erleichtern.
Am 6. Oktober erreichten die ersten südkoreanischen Verbände den Jalu. Kurz zuvor waren neun chinesische Soldaten in ein Stabsquartier der Südkoreaner gewandert und hatten sich freiwillig ergeben. Sie waren die ersten Chinesen gewesen, die in diesem Kriege in Erscheinung traten. Sie sagten, daß man sie gezwungen hatte, als „Freiwillige“ in Einheiten zu treten, die den Nordkoreanern zu Hilfe eilen sollten. Bis zum Ende des Koreakrieges hielten die Chinesen die Behauptung aufrecht, daß sie in Korea nicht offiziell eingegriffen hätten. Die amerikanische Führung kümmerte sich allerdings anfangs nicht um die Aussagen der Chinesen. Ein weiterer kapitaler Fehler, der den Krieg unnötig verlängern sollte.
Wenig später wurde das südkoreanische Bataillon am Jalu überfallen und niedergeschlagen, die wenigen Überlebenden behaupteten, daß die Angreifer Chinesen gewesen wären. Ungesehen marschierten etwa 100 000 Chinesen in Nordkorea ein.

Schwere Niederlage der UN-Truppen

Den Thanksgiving Day 1950 feierten die amerikanischen Frontsoldaten mit Truthahn, Kürbispastete und allem Zubehör. Niemand ahnte, daß Stahlhelme und Zusatzmunition wichtiger gewesen wäre. Ein paar Tage später kam der chinesische Großangriff, völlig unerwartet für die Amerikaner. Am 28. November strebte die ganze amerikanische Armee rückwärts. Die amerikanische Front wurde aufgerissen, rund 85 Kilometer trennten die Spitze von den hintersten Elementen. Diese Elemente griffen die Chinesen nachts an, niemand wußte, woher die insgesamt 200 000 Chinesen gekommen waren. Am 23. Dezember überschritten die letzten amerikanischen Verbände den 38. Breitengrad, am gleichen Tag fiel General Walker einem Autounfall zum Opfer, als sein Jeep mit überhöhter Geschwindigkeit von der eisigen Straße abkam. Nachfolger wurde General Matthew Ridgway, einer der tapfersten Kommandanten aus dem 2. Weltkrieg.
Kurz darauf wurde die südkoreanische Hauptstadt Seoul ein zweites Mal von den Kommunisten eingenommen. Die Chinesen nahmen die Offensive zu Neujahr wieder auf und drangen im Zentrum der Halbinsel weiter vor. Schon bald kam die Furcht vor einem neuen „Ring um Pusan“ wieder auf, doch es kamen bereits neue militärische Einheiten aus aller Welt nach Japan und Pusan, um die Vereinten Nationen zu unterstützen. Die Integration in die amerikanischen Truppen funktionierte hervorragend.

Erholungspause

Im Jänner 1951 hatte sich der chinesische Vorstoß festgelaufen. Es sah nicht mehr danach aus, daß die Kommunisten die ganze Halbinsel überrannten. Beide Seiten verhielten sich äußerst vorsichtig. Anfang Februar übernahmen die Amerikaner wieder die Initiative und versuchten, die Kommunisten bis zum Han zurückzuschlagen. Bei dem Unternehmen „Punch“ wurde eine neuentwickelte Taktik angewendet. Die Chinesen wurden nachts in das Gelände gelockt, welches sie am Tag zuvor aufgegeben hatten, dann überraschend eingeschlossen und stark dezimiert. Durch dieses Vorgehen entwickelte sich die wirksamste aller Offensiven der UN-Truppen im gesamten Koreakrieg. In diesen Tagen kamen 237 Mann der 8. Armee um, es wurden aber über 5 000 tote Feinde gezählt.
Die vereinten Nationen drangen nun schrittweise zum Han vor. Anfang März 1951 war die ganze Front der 8. Armee wieder stabilisiert, am 14. März wurde Seoul wieder eingenommen und der 38. Breitengrad wieder überschritten. Es entkamen aber trotzdem viele Kommunisten in den Norden des Landes, von wo sie nachts immer wieder kleine Vorstöße wagten. Diese Zeit war für die Soldaten wohl die anstrengendste des ganzen Krieges, nachts konnten nur wenige Minuten mit der Waffe in der Hand geschlafen werden. Man versuchte, die chinesischen Bunker mit Napalm zu bombardieren, durch die geschickte Lage unter Felsvorsprüngen konnte kein Erfolg verzeichnet werden.
Maßgebend für das Kampfgeschehen war die Überlegenheit der 8. Armee an schweren Waffen. Die Kräfte der Kriegsgegner waren zum erstenmal in diesem Kriege einigermaßen ausgeglichen. Die Truppen der Kommunisten wurden auf etwa 400 000 Mann geschätzt, für Südkorea setzten 365 000 Mann ihr Leben aufs Spiel. Neben der Amerikaner und Südkoreanern kämpften auch Soldaten aus Großbritannien, Australien, Kanada, Neuseeland, Indien, Südafrika, Frankreich, der Türkei, Griechenland, Holland, den Philippinen, Thailand, Belgien, Schweden und Äthiopien. Trotz der verschiedenen Nationalitäten gab es keine Probleme innerhalb der Truppen.

General MacArthur wird abgelöst

Es war ein Glück, daß sich die 8. Armee so gut aufgefangen hatte, der nächste Schlag sollte sie nämlich bald treffen. Dieser kam allerdings nicht vom Feind. Präsident Truman entließ den Oberbefehlshaber im Koreakrieg, General Douglas MacArthur. Über den Grund der Entlassung gibt es verschiedene Versionen.
Die erste ist, daß es zwischen US-Präsident Truman und General MacArthur bereits seit längerem Differenzen gegeben hatte. Meist handelte es sich dabei um öffentliche Aussagen des Generals, von denen der Präsident annahm, daß sie der Sache der Vereinten Nationen wenig förderlich seien oder nicht in die Kompetenzen MacArthurs fielen. Als MacArthur einen weiteren Befehl aus Washington nicht diskret genug behandelt hatte, entstanden Unannehmlichkeiten zwischen den USA und ihren Verbündeten, worauf MacArthur entlassen wurde.
In der zweiten Version heißt es, daß MacArthur eine Ausweitung des Krieges mit Hilfe von Atombomben auf China gefordert hätte. Dagegen protestierten allerdings die Alliierten, vor allem Großbritannien und die USA, die eine Ausweitung des Krieges unbedingt vermeiden wollten. Wegen dieser Idee sei MacArthur entlassen worden.
Nachfolger von MacArthur wurde General Ridgway, der den Oberbefehl in Tokio antrat. Die Armee hatte bald Gelegenheit, dem neuen Kommandanten ihre Stärke zu beweisen. Am 22. April 1951, nur acht Tage nach dem Kommandowechsel, erfolgte die wuchtigste kommunistische Offensive des Krieges. Auf einer Front von 130 Kilometern traten 200 000 Soldaten zum Angriff an, 400 000 Mann hatten die Kommunisten eingesetzt, bis die fünftägige Schlacht zu Ende war. Die 8. Armee konnte jedoch in fast allen Abschnitten ihre Stellung behaupten, nur eine zwanzig Kilometer lange Lücke war in die Front gerissen worden.
Am 26. April durchbrachen die Chinesen die Front und marschierten auf die Hauptstadt Seoul zu. Die alliierte Infanterie verschanzte sich so vor der Stadt, daß die Hauptkampflinie etwa sechs bis zwölf Kilometer nördlich von Seoul verlief. Die Front der Alliierten war überall zwischen zwanzig und fünfzig Kilometer zurückversetzt worden, die 8. Armee hatte aber einen Abwehrsieg errungen. Zum ersten Mal zog sich die chinesische Armee aus dem Kampfgebiet zurück, nachdem zirka 70 000 Chinesen gefallen waren. Auch eine nächste Offensive von 96 000 Mann wurde von den Alliierten zurückgewiesen, es gibt im ganzen Koreakrieg keine vergleichbar blutige Schlacht wie diese. Eine einzige amerikanische Division meldete 37 000 tote und verletzte Kommunisten, die Verluste dieser Division betrug dabei lediglich 134 Tote.

Stellungskrieg, Luftkrieg und Friedensgespräche

Im Juni 1951 war nach der letzten großen Schlacht abzusehen, daß der Krieg in einem Stellungskrieg erstarren würde. Daraufhin schlug die Sowjetunion offiziell die Aufnahme von Waffenstillstandsgesprächen vor. Am 10. Juni begannen die Verhandlungen in Kaesong in Nordkorea. Diese Gespräche dauerten mit Unterbrechungen zwei Jahre.
Nach einigen kleineren Kämpfen begannen die Vereinten Nationen am 18. August 1951 mit der Operation „Strangle“. Diese Operation befaßte sich mit der Zerstörung von Eisenbahnlinien, Brücken, Straßenkreuzungen, Güterzügen und allem anderen, was einem militärischen Depot ähnlich sah. Man nahm an, daß die kommunistischen Führer bald gezwungen wären, Frieden zu schließen, wenn ihrer Armee der Nachschub abgeschnitten würde. Die Kommunisten verstanden es jedoch, Bahnstrecken und Brücken innerhalb kürzester Zeit wieder zu reparieren.
Im Juni 1952 griff die Bomberflotte der Vereinten Nationen Elektrizitätswerke an, ohne auf Widerstand zu stoßen. Neunzig Prozent der nordkoreanischen Energieproduktion soll damit ausgeschaltet worden sein, man merkte jedoch keinen Rückgang der kommunistischen Kampfkraft. Im Juli wurde beschlossen, daß das nächste Ziel die Beherrschung des Luftraumes sei. 1 061 000 Mann waren auf Seite der Vereinten Nationen bei der Luftwaffe beschäftigt, 450 000 Tonnen Bomben wurden abgeworfen, 183 000 000 Patronen aus schweren Maschinengewehren wurden abgefeuert.

Einigung am Verhandlungstisch

Beide Seiten gelangten bei den inzwischen andauernden Verhandlungen in wesentlichen Punkten zu einer Einigung, Ausnahme war die Frage der Rückführung der Kriegsgefangenen. Nordkorea weigerte sich, den UN-Vorschlag zu akzeptieren, wonach Kriegsgefangene nicht gegen ihren Willen in ihre Heimatländer zurückgeschickt werden dürften. Im Oktober 1952 wurden die Gespräche vorläufig abgebrochen und erst im April 1953 wieder weitergeführt. Wenig später verständigten sich beide Seiten in der Kriegsgefangenenfrage und vereinbarten, innerhalb von drei Monaten nach Abschluß eines Waffenstillstandsabkommens Friedensgespräche auf höchster Ebene aufzunehmen; die Friedensgespräche wurden dann jedoch bis April 1954 verschoben und scheiterten schließlich.
Im Juli 1953 wurde in Panmunjom das Waffenstillstandsabkommen zwischen Nord- und Südkorea geschlossen. Es bestätigte im wesentlichen den 38. Breitengrad als Grenze zwischen Nord- und Südkorea und legte eine vier Kilometer breite entmilitarisierte Zone entlang der Grenze fest; außerdem wurde eine neutrale Repatriierungskommission zur Überwachung des Gefangenenaustausches eingesetzt.

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Das Ende des Koreakrieges, die letzte Front verlief fast am 38. Breitengrad,
der ursprünglichen Trennungslinie zwischen Nord- und Südkorea


Der Koreakrieg in Zahlen


33 629 tote UN-Soldaten
103 629 verwundete UN-Soldaten
5178 gefangene oder vermißte Soldaten
1 247 000 tote nordkoreanische und chinesische Soldaten
400 000 tote Zivilisten
100 000 koreanische Waisenkinder
300 000 Obdachlose
450 000 Tonnen abgeworfene Bomben


Literatur

S. L. A. Marshall: Der Koreakrieg
Christian Zentner: Die Kriege der Nachkriegszeit
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